Day Off
Die innere Uhr wurde nicht informiert, dass ich heute nicht aufstehen muss, es gibt nichts zu packen, nichts vorzubereiten - also einfach weiterschlafen. Um 7:30 gibt es hier Frühstück, welches ich mir auf der schattigen Terrasse schmecken lasse. Das Angebot ist so na ja, aber es gibt zumindest Rührei, davon reichlich und dazu normales Brot, keinen einfolierten Zwieback. Den weiteren Vormittag verbringe ich damit, meine Heimreise zu planen. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es sich so problematisch darstellen würde. Ich fahre mit dem Rad noch nach Otranto und danach zurück nach Lecce. Von dort dann per Bahn nach Graz zurück. Klingt einfach, ist es aber nicht. Ich möchte so selten wie möglich umsteigen müssen, und einen Nachtzug nach Graz erreichen, nicht so wichtig von wo. Die weitere Vorgabe war, ich wollte vor Rikis Geburtstag da sein. Zuerst habe ich es über Rom versucht, keine Chance für einen Nightjet zu meinem Wunschdatum. Nächster Versuch Bologna. Bis Bologna fährt ein Intercity durch, der auch Fahrräder mitnimmt, das passt. Aber der Nightjet in Bologna ist ja der selbe Zug der aus Rom kommt. Kurz gesagt, ich schaffe es unter keinen Umständen meinen Wunschzeitplan einzuhalten, auch nicht über Venedig, es scheitert immer an der begrenzten Fahrradmitnahme der ÖBB. Der nächstmögliche für meine Bedürfnisse passende Termin ist der kommende Mittwoch, solange muss ich halt die Zeit hier irgendwie mit irgendwas verbringen, werde ich schon irgendwie hinkriegen ;-)) Nachdem eh schon bald Mittag ist mache ich mich auf en Weg zur Pasticceria Martinucci, vielgelobt für seine Qualität, aber auch gescholten für das Verhalten des Personals. Ich bin heute sogar zweimal da gewesen, der Kaffee war hervorragend wie auch das Cornetto vuoto (nur nicht mit leibgewonnenen Gewohnheiten brechen) das Personal tatsächlich emotionslos desinteressiert, aber nicht unfreundlich. Dann spaziere ich durch die hinteren Gassen entlang, dort stehen reihenweise schöne Villen, es scheint hier eine wohlhabende Gegend zu sein. Das Wetter heute etwas wechselhaft, eher diesig schwül, gut zu schwitzen. An meinem Weg liegt eine weggeworfene leere Kaffeepackung am Wegesrand, zum zweiten mal stosse ich auf die Marke Quarta, eine meiner Lieblingskaffeemarken aus Italien! Ich erreiche die Stelle an der ich gestern fast wo gegeben habe. Ich folge diesem Holzsteg in die andere Ende und auch bei passenden Gelegenheiten und bemerke dass ich diesem so dominant aus dem Felsen ragenden Leuchtturm näher gekommen bin. Hab eh nichts anderes vor, also warum nicht da hinauf wandern. Am Fusse dieses Felsen angekommen eröffnet sich der Blick auf zwei steile Treppen - links und rechts einer mächtigen Geröllhalde - die über mehr als 280 Stufen hinauf zum Faro di Capo Santa Maria di Leuca führen. Er steht auf der Punta Melis und erreicht durch seine erhöhte Lage eine lichte Höhe von 102m über dem Meeresspiegel - bei einer Bauhöhe von 48m. Die Sonne hat sich mittlerweile auch durchgesetzt, dementsprechend rinnt der Schweiß. Mühsam zwar, doch lohnend allemal!! Der Blick auf Santa Maria di Leuca, den Hafen, die Bucht ist einfach grossartig, schöner geht immer, aber hier wird´s schwer. Es ist so fantastisch schön hier oben, hier bekomme ich, was ich mir gestern erhofft hatte, jetzt bin ich tatsächlich angekommen und genieße das Gefühl! :-) Der Faro steht direkt neben dem Heiligtum Basilika Santuario di Santa Maria de Finibus Terrace. Eine meiner Gewohnheiten bei Radreisen ist es, am Ende oder bei passenden Gelegenheiten, eine Dankeskerze zu entzünden, dazu bieten sich natürlich Kirchen an. Ich bin nicht religiös, aber eine Kerze ist ein gutes Symbol , und Grund zur Dankbarkeit habe ich reichlich. Hier oben gibt es eine Kirche, Kerzen gibt es nur noch in elektrischer Ausführung. Ich werfe all mein Kleingeld in den Opferschlitz - und fünf Kerzen beginnen zu leuchten. Die erste Kerze widme ich meinem Freund Hansl ! Eine weitere Kerze widme ich in Dankbarkeit euch allen, die ihr mir bis hierher gefolgt seid :-) Die anderen drei haben auch ihre Bestimmung gefunden. Santa Maria di Leuca wurde schon in der Antike als Finibus Terrae - das Ende der Erde - bezeichnet, so galt die südliche Spitze Apuliens als einer der äussersten Punkte der bekannten Welt. Hier treffen sich auch das Adriatische Meer und das Ionische Meer, darum hat und hatte der Ort für Griechen, Römer und später für christliche Pilger eine besondere Bedeutung. Danach die Treppe wieder hinunter ist einfacher als der Aufstieg. Es ist schon Nachmittag und ich habe Hunger und Durst, was liegt da näher, als bei einer Bar inmitten dieser schönen Landschaft einzukehren. War auch die richtige Entscheidung. Insalatona.Brot, Bier und Wasser bei herrlicher Aussicht im Schatten der Bäume - alles richtig gemacht ;-) Nachdem ich schon die Badehose angezogen habe und schon den ganzen Tag ein Handtuch mitschleppe, besuche ich den hoteleigeneren Strand und leg mich im Schatten eines Schirms auf eine Liege. Es sind kaum Leute da, das Rauschen des Meeres und der lange Fußmarsch haben mich müde gemacht, ich döse vor mich hin. Ich liebe das Meer - aber eher auf dem Wasser als im Wasser, aber einmal muss ich zumindest im Meer gewesen sein, sonst habe ich Zuhause Erklärungsbedarf ;-) Es ist ein Sandstrand, aber nur bis zur Wasserkante, dann beginnt es im Wasser uneben und steinig zu werden. Ich wate hinein, das Wasser ist erfreulich angenehm warm, ein schöner Abschluss. Aufgrund meines heutigen Pensums an Bewegung - immerhin über 10km gegangen und dabei 34 Stockwerke bewältigt - habe ich auch heute einen Waschtag, wer will schon ein stinkendes T-Shirt anziehen, ich sicher nicht. Laut Ventusky ist heute Nacht und morgen Vormittag mit Regen zu rechnen, ansonsten ist morgen der Pool am Programm.
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