ITALIA 2026

Tag 27

Fazit und Danksagung

Nach einem Tag wieder Zuhause ist mir eines ganz klar geworden, ohne diesen Blog - das Tagebuch meiner Radreise - wären einige Erinnerungen an die letzten Wochen bereits in der Tiefe des Vergessens versunken, was sehr schade wäre ! (für mich) Durch diesen Blog kann ich auch noch nach Jahren in Erinnerungen schwelgen, was den nicht geringen Aufwand des Erstellens in jedem Fall mehr als rechtfertigt.      Nach Auswertung der Statistik war ich an keinem Tag meiner Reise alleine - 951 Besucher aus AT, IT, DE, GR, SP, KRO, SW, SLO und Südafrika haben haben mich virtuell begleitet und 4900 Seiten aufgerufen :-)  Dieses Interesse ehrt mich sehr, ich hoffe alle Mitreisenden wurden nicht enttäuscht, sondern fühlten sich gut unterhalten. Im Idealfall konnte ich bei einigen sogar das Interesse wecken, selbst mal auf Radreise zu gehen und einen der zahllosen nahen oder auch weiter entfernten schönen Flecken radelnd zu entdecken -  AVANTI !!        Was mich und meine (Rad) Reisepläne betrifft, steht im Juli der alljährliche 4-Tage Ausflug unserer Siebener-Truppe in Slowenien am Plan. Im August dann fahren wir zu viert von Liezen nach Vorarlberg und dort dann noch den Bodensee Radweg :-)  Solange meine körperliche Verfassung und weitere Umstände es zulassen, möchte ich weiterhin einmal im Jahr ein längere Solo-Radreise unternehmen, gemäß meinem Motto, "Nach der Tour = Vor der Tour"   Bei der nun beendeten Tour habe ich in insgesamt 26 Tagen etwas über 1500 Kilometer radelnd zurückgelegt, die mich teilweise ganz schön gefordert haben - geschwitzt habe ich an jedem dieser Tage und dabei erfreulicherweise auch 4,5 Kilo (Übergepäck ;-) abgenommen. Unterstützt (gedopt ;-) habe ich mich mit Produkten aus dem umfangreichen Sortiment von Cosmoterra, Kääpä und NatuGena. Dabei ist mir wichtig zu erwähnen, keine dieser Firmen hat mich gesponsert, es handelt sich nicht um bezahlte Werbung, sondern beantwortet nur an mich herangetragene Fragen!    Zu großem Dank bin ich aber sehr wohl meinen Gönnern verpflichtet, die mich so grosszügig unterstützt haben!!  Jede Pizza, jeder Cappuccino und jedes der Biere zu denen ihr mich eingeladen habt, habe ich genossen :-) Ich danke euch aus tiefstem Herzen!!       Mein Dank gilt auch meiner Familie und meinen Freunden, die mich bei meinem Vorhaben nie in Frage gestellt haben!  Für die Glücksbringer und Talismane danke ich meinen Lieben, sie haben mich durch die Reise begleitet , sicher und wohlbehalten wieder nach Hause gebracht!  Auch der Wettergott hat es äußerst gut mit mir gemeint :-)   Nach anfänglichen Abstimmungsproblemen sind mein neues Rad und ich doch noch gute Freunde  geworden, das trifft  auch auf den Sattel zu, der mir mehr gut als weh getan hat ;-)  Gemeinsam sind wir Pannen - und unfallfrei von Norden nach Süden durch Italien geradelt - Grazie mille!! :-)

p.s. am 4.Juli spiele und singe  ich beim GH Prall in Krumegg zu einem Grillabend auf, es wäre schön wenn wir uns dort sehen :-))

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Tag 26

Retour

Ich war ziemlich müde und habe in dem angenehm grossen Bett sehr gut geschlafen, es hatte eine richtig kuschelige Decke und diese Nightjet gleitet sehr ruhig über die Gleise dahin, sehr zu empfehlen als eine Möglichkeit angenehm über Nacht zu Reisen! Den Wecker habe ich für 5:15 gestellt, aufgewacht bin ich schon etwas früher, als in einer Nebenkabine ein kleines Kind beschlossen hatte, das die Nacht zu Ende sei ;-) Ich bekomme einen grünen Tee und ein Joghurt, dann mache ich mich auf. Das Gepäck ist noch da, alles gut. Da der Zug so ruhig dahinfährt mache ich mein Rad schon los und bepacke es abfahrbereit, man weiß nie, wie lange der Zug im Bahnhof stehen bleibt, und Stress hatte ich in den letzten beiden Tagen genug ;-) Es scheint auch hier ein schöner Tag zu werden, ich genieße die letzten Minuten des langsamen Ankommens in Graz. Pünktlich 06:06 öffnen sich die Türen, ich schiebe mein Rad wieder ohne Hindernisse auf den Bahnsteig- und grosse Freude! - ich werde von Riki empfangen <3. Nach der herzlichen Begrüßung fahren wir mitsamt dem Rad im Aufzug - ja in Graz geht das - und durch die Bahnhofshalle hinaus. Riki hat den Radträger am Auto, aber das ist keine Option für mich. Ich bin am 24. Mai mit dem Rad weggefahren und so werde ich auch heute mit dem Rad  -  wenn es auch frisch ist -  Zuhause ankommen,  Tour-Retour :-). Daheim erwartet mich ein Frühstück, salzig und gar nicht süss! Zu Mittag kommen meine Schwestern und Schwager, gemeinsam genießen wir die gefüllten Paprika, die meine Schwester Eva dankenswerterweise zubereitet hat. So findet diese Reise ihren Ausklang. Morgen gibt es noch ein Fazit, dann ist dieser Blog zu Ende.

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Tag 25

Lecce - Bologna - Graz

Ich hatte gestern keine Möglichkeit, einen Beitrag zu schreiben, darum heute im Nachgang.

Früh aufgestanden um die erste Halbzeit - zumindest einen Teil davon - zu sehen, den Rest werde ich dann im Zug nach schauen. Am Weg von meiner Unterkunft hin zum Bahnhof liegt das New Caffè Italiano, hier bekomme ich ein Frühstück. Cappuccino und Corneto vuoto, und endlich ist der Kaffee von Quarta :-) Am Platz vor dem Caffè sind die Reinigungsteams bei der Arbeit, der Unrat vom letzten Tag wird beseitigt bevor die nächsten Touristenmassen eintreffen werden und ihrerseits wieder Unmengen von Müll in den Straße und Gassen hinterlassen werden. In italienischen Bahnhöfen - und auch online - ist es kaum bis gar nicht möglich, früher als eine Stunde vor Abfahrt herauszufinden, von welchem Bahnsteig ein Zug abfährt. Mein Zug fährt natürlich nicht von Bahnsteig 1 ab, nein, ich muss wieder mit dem Rad über die Stiegen hinunter und wieder rauf, Morgensport. Der Zug fährt pünktlich um 8:20 von Lecce ab, ich habe einen schönen Einzel-Fensterplatz, leider gegen die Fahrtrichtung, was sich mir bei der stundenlangen Fahrt auf den Magen schlägt. Bei 22 Grad in Lecce gestartet, wurde der Wagen auf gefühlte 18 Grad gekühlt. Es bläst abwechselnd von den Lüftungsschlitzen am Fenster und vom Deckengebläse herab, trotz Halstuch habe ich noch heute eine heisere Stimme. Die Landschaft die ich in den letzten Wochen durchradelt habe fliegt an mir vorüber, einiges kann ich wiedererkennen :-) Mein Rad hängt nur am Vorderrad an einem Haken und pendelt bei jeder Bewegung des Zugs hin und her. Es ist 17 Uhr als wir endlich Bologna erreichen und ich mich mit dem Rad durch die enge Luke hinaus auf den Bahnsteig quäle. Nach der unterkühlten Fahrt empfängt mich Bologna mit 34 Grad - und auch hier muss ich wieder die Treppe ins Tiefparterre nehmen. Bologna Central ist ein sehr grosser Bahnhof, es gibt auch an jedem Bahnsteig Aufzüge, nur wenn ich mein Rad hineinschiebe geht die Tür nicht zu, alles probiert, keine Chance, also Treppe. Auch hier erhalte ich die Auskunft, eine Stunde vor Abfahrt meines Nachtzugs nach Graz nachzusehen, auf welchem Bahnsteig der Zug einfährt. Planabfahrt ist 22:54 als habe ich reichlich Zeit und fahre verschwitzt in das Zentrum. Wow, eine sehr schöne und sehenswerte Stadt, zumindest das Zentrum der Altstadt. Aber auch die Schattenseiten sind nicht zu übersehen, im Bahnhofsbereich treiben sich viele zwielichtige Gestalten herum, liegen auf den Gehwegen und in Hauseingängen und schnorren die vorübergehenden Passanten an. Der Bahnhof selbst wird bewacht von voll adjustierten Soldaten und Polizisten, zu späterer Stunde weiß man das sehr zu schätzen! Ich Cruise durch die Gassen, mache Fotos und esse ein paar typische Happen, der Region wie man mir versichert. Zuerst eine Art Ravioli mit Ragu, danach eine Art Fladenbrot mit Schinken, Käse und Artischokenpaste, dazu ein italienisches Bier, ein leckeres Abschiedsmenü :-) Auf der Piazza Nettuno setze ich mich an eine Brunnen, lausche der Musik eines Strassenmusikanten und genieße den lauen Abend bei immer noch knapp 30 Grad. Gegen 21 Uhr fahre ich zurück zum Bahnhof - zu früh für die erhoffte Auskunft. Ich warte vor dem Bahnhof und kurz vor 22 Uhr weiß ich endlich auf welchen Bahnsteig ich muss.Der Zug wird allerdings nur mit Ziel München angeführt, ich weiß aber mittlerweile dass er in Villach getrennt wird und mein Wagen sicher nach Graz fährt ;-) Noch einmal das selbe Spiel die Treppen hinunter und am Bahnsteig 9 wieder hinauf. Der aus Rom kommende Zug hat 10 Minuten Verspätung, es warten erstaunlich viele Menschen, die auch alle diesen Zug nehmen, mit Rad warte nur ich. Als der Nightjet endlich einfährt muss ich am Bahnsteig hinterherfahren, denn der Fahrradwagen befindet sich am Anfang des Zugs, wo der Bahnsteig bereits wieder endet. Positive Überraschung, es öffnet sich eine breite Tür durch die ich barrierefrei in den Wagen fahren kann. Auch die Fixierung des Rads am reservierten Platz ist kein Problem. In dem Wagen gibt es auch die Möglichkeit das Gepäck - unbeaufsichtigt - zu verwahren. Passt gut, denn ich muss mich durch fünf oder sechs Wagons nach hinten durcharbeiten, es ist sehr eng. Ich habe mir den Luxus gegönnt und ein Schlafabteil zur Alleinnutzung mit eigenem WC gebucht, und nicht bereut. Es fehlt an nichts, der Zugbegleiter bringt mir noch eine kleine Flasche Sekt als Schlummertrunk, dann aber Buonanotte :-)

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Tag 24

Von Otranto nach Lecce

Der letzte Tag meiner Süditalien Radreise ist angebrochen, routiniert wird gepackt, nochmals alle Räume checken ob nichts zurückgeblieben ist und dann hinauf auf die Dachterrasse, Simona wartet schon mit dem Frühstück auf mich. Vorher habe ich noch mit Riki telefoniert, zu deren heutigem  Geburtstag ich es bekanntlich nicht geschafft habe, Zuhause zu sein :-( Es ist acht Uhr, der Himmel ist grau, es ist kühl, da bleibt nur zu hoffen das   es nicht auch noch zu regnen beginnt. Das liebevoll angerichtete Frühstück könnte italienischer nicht sein, ich esse zwei Stück Zwieback und einen mit süßer Vanillecreme gefüllten kleinen Kuchen und ein Joghurt, mehr süß geht morgens einfach nicht. Troppi dolci per me, sage ich zu Simona als sie mich fragend ansieht. Nur aus Höflichkeit möchte ich nicht alles aufessen. Es ist fast neun als ich losfahre, das Wetter ist unverändert, manchmal blitzt die Sonne kurz durch, kann sich aber gegen die Wolken nicht behaupten. Erst kurz vor Lecce setzt  sich die Sonne für ein, zwei Stunden durch. Vorher fahre ich aber über eine enge Landesstrasse durch einen Naturpark, der Pinienwald ist dicht und unberührt. Gebüsch und Sträucher entlang der Straße wurden schon lange nicht mehr geschnitten und ragen in die Fahrbahn hinein. Dementsprechend weit in der Fahrbahn muss ich fahren und werde von hinter mir ankommenden Fahrern immer wieder angehupt, aber wo soll ich hin, zum Glück ist der Verkehr nicht allzu stark. Nach etlichen Kilometer auf dieser Piste kann ich endlich weg und biege auf eine Nebenstraße, die dann über viele Kilometer durch ziemliches Ödland führt, aber großartig zum Radeln ist, zumal der Wind auch noch von hinten kommt :-) Viele ehemalige Gehöfte sind in ähnlich desolatem Zustand wie die schon von den letzten Tagen bekannten Olivenfriedhöfe. Auf einer dieser Schotterstrassen überholt mich ein Gravelbiker als ich gerade fotografiere. Er fragt any problem ? Main Daumen nach oben signalisiert ihm, alles OK, er fährt weiter. Später hole ich ihn ein und wir fahren einige Zeit nebeneinander her und unterhalten uns über unsere Erlebnisse hier in Italien. Er heißt Steffen und kommt aus der Nähe von Augsburg. Er ist wie ich am 24. Mai gestartet, allerdings am Bodensee und ist eine völlig andere Route nach hier herunter gefahren. Seinen Job hat er gekündigt, neuer Job erst im Oktober, deshalb hat er die Zeit diese Reise zu machen. er fährt noch bis (habe ich vergessen) dort trifft er sich mit seiner Freundin für ein paar Tage gemeinsamen Urlaub. Dann fährt er noch bis zum Brenner, dann mit dem Zug heim. Wie ich ist auch Steffen der Meinung, so eine lange Reise nur alleine unternehmen zu wollen, zu unterschiedlich sind die persönlichen Bedürfnisse und erfordern immer Kompromisse - und schon ist es vorbei mit der Freiheit die wir beim Radreisen so genießen und lieben.  Aber so eine lange  Radreise macht man eh nur maximal einmal im Jahr ;-) Nach 50 Kilometer bin ich schon kurz nach 12 in Lecce eingefahren. Ich schreibe meinem Vermieter ob ich so früh einchecken kann. No problem, er schickt jemanden vorbei der mir den Schlüssel gibt, und der mir hilft mein Gepäck über eine noch steilere Treppe in den ersten Stock zu tragen, vielen Dank! Auf meine Frage wo ich mein bici unterstellen kann, weiß er keine Antwort. Die Wohnung liegt mitten in der Altstadt in einer engen Gasse. Nach einem Telefonat bringt er mich ein paar Häuser weiter durch ein großes Tor in einen Hinterhof, wo schon Räder stehen. Nun gut, absperren und hoffen dass es noch da ist wenn ich wiederkomme. Er versteht leider kein Englisch und kann mir auch nicht beantworten, ob das Tor zur Straße immer offen bleibt. Paolo der Vermieter, der weiß das, aber der kommt erst um halb fünf her. Ich klettere wider hinauf zu meinem Zimmer und beginne mich zu sondieren. Ich checke ChatGPT zur morgigen Zugverbindung, ob wohl eh Räder mitgenommen werden, denn beim Buchen war nur ein kleingedruckter italienischer Hinweis zu finden, dass dieser Zug  Räder transportieren kann. Dann wird mir heiß, denn die Antwort lautet, ja, aber der Fahrradplatz muss im Voraus reserviert werden, da nur begrenzt Platz für maximal sechs Räder besteht. Ob was frei ist kann mir die App nicht herausfinden. Ich öffne das Buchungsportal von Trenitalia, kann aber - wie schon vor Tagen bei der Buchung - nichts finden. Ich versuche es über eine Servicenummer die angeblich deutschsprechend bedient wird. Nach endlosen 20 Minuten wiederholten Hörens dass alle Mitarbeiter beschäftigt sind, lege ich auf. Ich fahre zum Bahnhof und versuche dort mein Glück. Leider stehe ich vor dem mittlerweile verschlossenen Tor, hinter dem mein Rad steht. Sch…..!!! Zum Glück erreiche ich meinen Vermieter der mir nach 10 Minuten einen Code schickt. Ich wusste schon gar nicht mehr, wie leicht das Rad ohne Gepäck zu fahren ist, in weitern 10 Minuten bin ich am Bahnhof. Mein ungutes Gefühl hat sich bestätigt, die freundliche Dame am Infoschalter erklärt mir dass ich mein Rad nur voll verpackt mit in den Zug nehmen darf, denn die Radplätze sind ausgebucht. Woher ich eine derartige Verpackung bekommen kann, das weiß sie auch nicht. Ich versuche ihr die Dringlichkeit klar zu machen, da ich ja ein nicht stornierbares Ticket von Bologna nach Graz habe und deshalb morgen unbedingt nach Bologna muss. Let me check, sagt sie und hat eine Lösung, Es gibt den ganz gleichen Zug mit Abfahrt acht Uhr und Ankunft 17 Uhr in Bologna - und es gibt einen freien Radplatz!!! Sie bucht mein Ticket auf die neue Abfahrtszeit um, was problemlos möglich ist. Ich bezahle 3,50 für den Radplatz, das war‘s . Ich bedanke mich, you made my day und werfe ihr einen Kuss zu durch die Scheibe, so dankbar bin ich ihr :-) Dann frage ich noch zwei Bahnmitarbeiter, von welchem Bahnsteig dieser Zug abfährt. Das können sie mir nicht sagen, das entscheidet sich immer kurzfristig, ich soll morgen nachschauen. Ob es einen Aufzug gibt, falls ich zu einem der entfernteren Bahnsteige muss. Ja gibt es, nur der ist kaputt. Ich hoffe der Zug fährt von Bahnsteig eins, sonst muss ich wie in Udine das Rad die Treppe hinunter und wieder hinauf befördern ……. Dies ganze Aufregung hat auch ihr Gutes, ich kann um sechs Uhr die erste Halbzeit des Österreich Spiels bei der WM sehen, und in Bologna verkürzt sich meine Wartezeit um zwei Stunden auf sechs Stunden. Dann laufe ich noch durch Lecce, aber große Lust habe ich heute nicht. Ich esse einen Salat, und während ich esse fällt mir ein gelesen zu haben, im Süden keinen rohen Salat zu essen, der mit Leitungswasser gewaschen wurde. Tja, ist eh schon mein vierter Salat, alles gut.  Den Fahrradakku habe ich auch noch voll aufgeladen, ich werde ihn zwar nicht mehr brauchen, aber wer weiß was an Überraschung kommen könnte und ich froh wäre einen vollen Akku zu haben ;-) Ohne weiter Überraschungen werde ich am Donnerstag um 6:06 in Graz aus dem Zug steigen, ich freue mich!

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Tag 23

Tour-RETOUR, Von Santa Maria di Leuca nach Otranto

Heute ist der Urlaub zu Ende, heute beginnt die Rückreise. Vor dem Frühstück habe ich schon alles aufs Rad gepackt und bin somit jederzeit abfahrbereit. Während der gesamten Reise, in keiner Stadt, in keinem Dorf, in keinem Quartier ist mir auch nur das Geringste abhanden gekommen, nichts gestohlen worden - bis heute. Ich benutze zum Befestigen des wasserdichten Rucksacks am Gepäckträger spezielle Gummispanner, an denen auch die Österreichische und die Italienische Fahne ihren Halt finden bzw. fanden. Ausnahmslos jedesmal wenn ich abgepackt habe und mein Gepäck ins Quartier gebracht habe, blieben die Gummispanner und die Fahnen bis zum nächsten Tag am Rad am Gepäckträger eingeklemmt. Heute waren sie nicht mehr da, ich habe allerdings in den vergangenen Tage nie nachgesehen, unter derart vielen Radfahrern hatte ich nicht die geringsten Bedenken. Die Fahnen hat der Dieb übrigens nett auf einem Fensterbrett drapiert, im Vorübergehen sind sie mir aufgefallen. Für die beiden letzten Tage der Reise muss ich halt improvisieren, damit ich nichts verliere. Soll schon das Schlimmste gewesen sein das mir passiert! Beim Frühstück vernehme ich vom Nebentisch eine vertraute Sprachmelodie, es klingt österreichisch ;-) Am Tisch sitzen Christine aus Salzburg und Wolfgang (alter Name ;-) aus Mainz, der aber in Neuseeland lebt - sehr interessant. Die beiden sind mit dem Auto unterwegs und kreuzen ohne Zeitdruck durch Italien. Einer von vielen Vorteilen von Pensionisten, wir sind nicht an die Hauptferienzeit gebunden sondern können nach belieben entscheiden, zu welcher Zeit wir reisen :-)) Ich hätte mich sehr gerne noch länger mit den beiden unterhalten, aber es ist schon bald neun und ich muss fahren. Christine macht noch Fotos von mir, die sie mir auch gleich geschickt hat. Vielen Dank ihr lieben, habt noch eine schöne Zeit in bella Italia und genießt das Leben! :-) Ich muss wieder über diese Bretterumleitung an der Baustelle vorbei, klappt heute gut, es ist auch noch niemand unterwegs. Dann geht es gleich mal die selbe Straße den Hügel hinauf, die ich vor zwei Tagen gelaufen bin, drum fahre ich nochmals zum Leuchtturm und mache beim De Finibus Terrae ein Foto mit meinem Rad, somit war es auch am Ende der Erde angekommen ;-)  Nach der Steigung geht es durch Feld und Flur gemütlich dahin, ich habe keine Eile, es liegen nur 55km vor mir.  Wieder erwartet mich das gleiche deprimierende Bild von riesigen Flächen abgestorbener Olivenbäume, dieser Schädling hat hier im Süden Apuliens gründlich und gnadenlosü zugeschlagen. Ein Lichtblick sind die vielerorts bereits wieder gepflanzten jungen Bäume, die hoffentlich auch einige hundert Jahre alt werden. Unterwegs bekomme ich Lust auf einen Kaffee, auf Google schaue ich nach, ob etwas passendes in meiner Nähe liegt. Eine Bäckerei erfordert nur einen kleinen Umweg, ich fahre hin. Es ist aber wirklich nur eine Bäckerei, aber der freundliche Inhaber geht nach hinten und bringt mir von seiner privaten Maschine einen Becher cafè, schwarz und stark. Dazu reicht er mir frischgebackenes Kleingebäck mit der Bemerkung "attenzione piccante!" und zeigt auf eine Sorte. Ich frage sicherheitshalber nach "Noci"? mit der Erklärung "Allergia"! Daraufhin räumt er eine Sorte wieder weg, die wirklich pikanten bleiben. Den cafè und das Gebäck brauche ich nicht zu bezahlen, Grazie mille :-) Während ich genieße wird von weiteren Kunden mein Rad bestaunt und die beiden Fahnen wohlwollend besprochen. Schon bald erreiche ich Otranto. Mit diesem Ort verbinde ich Erinnerungen an die späten Siebziger oder Anfang Achtziger -  meine Jugend. Von Otranto fuhren wir erstmals mit einer Fähre nach Griechenland, nachdem wir in den Jahren davor schon über Land - ich sage nur Autoput - nach Griechenland, unseren Sehnsuchtsort gefahren sind. Es war die MS ROANA, ein ausgemustertes skandinavisches Postschiff, bei der im unteren Deck das Wasser am Boden schwappte - ein Abenteuer. Ich habe im Internet ein paar Fotos von der Roana gefunden, in Betrieb ist sie schon lange nicht mehr. Genausowenig gibt es hier noch den Fährhafen, nichts erinnert mehr daran, alles " long time ago"........... Otranto hat eine schöne, sehenswerte Altstadt, viel Tourismus, viele Souvenirläden und Lokale und es ist auch viel los hier. Es ist gut dass ich nur die Namen Otranto und Roana in Erinnerung habe, es gibt nichts in meiner Erinnerung, mit dem ich den Ist-Zustand vergleichen kann, bzw. müsste, es wäre nämlich sicher sehr enttäuschend. Lustigerweise heißt mein Vermieter Dimitri, ein griechischer Name wie er mir sagte, den sein Vater für ihn wählte, weil er ihn - als er in der Schweiz gearbeitet hat - so oft gehört hat. Dimitri ist sehr sympathisch und zuvorkommend, er vermietet drei Zimmer die er ganzjährig ausgebucht hat. Frühstück gibt es auf einer coolen Dachterrasse, auf der ich auch gerade den Blog schreibe. Ich war zu Fuß noch einmal in der Altstadt und habe eine wunderbare Parmigiana gegessen, dazu ein Bier aus einem Kunststoffglas, das wenigstens mehrfach verwendet wird. Ich hoffe das Wetter ist morgen besser als heute. Es ist schon den ganzen Tag bewölkt und windig und es hat heute nicht mehr als 25 Grad erreicht. Anyway, laut Vorhersage bringe ich am Donnerstag das schöne Sommerwetter mit nach Hause :-))

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Tag 22

Day OFF 4

Ich hoffe alle Väter hatten einen schönen Vatertag, meiner war sehr schön <3

Als ich heute aufwachte war von der Straße schon ziemlicher Lärm zu hören. Beim Frühstück erkannte ich auch gleich den Grund. Entlang des gesamten Lungomare standen Transporter auf der Straße, die Vorzelte zum Lungomare hin mit ihren Waren bestückt, es ist Markttag. Nach dem Frühstück gehe ich - wie so viele andere - den Lungomare entlang und sehe mir die dargebotenen Waren an. Es ist alles dabei, Schmuck, Spielsachen, Haushaltswaren und Unmengen von Kleidungsstücken jeglicher Art. Es geht gesittet zu, die Verkäufer sind nicht allzu aufdringlich - und ich finde meine ausstehenden Souvenirs. Dann aber an den Strand, heute ist mein letzter Urlaubstag, den will ich mit Extrem Relaxing genießen ;-) Obwohl heute, also am Wochenende viel mehr Leute da sind, ist am Strand reichlich Platz, niemand muss hier schon am Morgen zum Strand gehen, um mit einem Handtuch eine Liege zu reservieren. Wer weiß wie es im Sommer ist, bzw wenn die Saison richtig los geht. Paolo - ein Pizzabäcker - hat mir erzählt, es leben im Winter 900 Menschen in Santa Maria di Leuca, im Sommer sind es 50.000! Das Wetter gibt heute auch einen Vorgeschmack, wie es sich hier anfühlt, wenn kein Wind weht und die Sonne für über 30 Grad sorgt. Gegen Mittag ist -  wie eh jeden Tag - Kaffeezeit beim Wirtn glei ums Eck :-) Und schon wieder am Strand, ich lese gerade ein interessantes Buch (in ihrem Haus) , das mich anfänglich ziemlich langweilte, jetzt aber ordentlich Fahrt aufgenommen hat, ein echter Pageturner, am Ende wieder etwas flacher, aber absolut lesenswert! Ich liege bewusst nur im Schatten, die nächsten beiden Tage werde ich wieder gnadenlos der Sonne ausgesetzt sein, aber ich habe mittlerweile schon eine gute Bräunung der Haut. Mir ist trotzdem heiß, darum wechsle ich hin zum Pool und schwimme ein paar Runden, bevor ich dort das nächste Buch beginne. Der Pool ist reichlich gross genug zum Schwimmen und 2,70m tief, und es sind kaum Gäste am Pool, auch keine Kinder, totale Ruhe die ich sehr genieße. Dann wird mir langsam bewusst dass ich meine täglichen Routinen wieder aufnehmen sollte, morgen geht´s wieder auf Rad und ab auf die Piste. Soll heißen, ich muss packen. Der Platz in den Taschen ist knapp, da muss wieder die bewährte Ordnung hergestellt werden, und die Souvenirs müssen auch untergebracht werden. Es ist 19 Uhr und ich habe Hunger. Eine Pizzeria wird als die beste in town angepriesen, also warum nicht. Sie liegt ein paar Minuten zu gehen in den hinteren Reihen, wohin sich die Touristen eher selten begeben, solange in den vorderen Reihen - so wie jetzt - noch reichlich Platzangebot gibt. Mir ist seit ich hier bin aufgefallen, dass sehr viele Französisch sprechende Gäste hier urlauben, neben Englisch die zweithäufigste Fremdsprache die man hier hört, dafür kaum Deutsch. Gestern ist ein Ehepaar aus Österreich mit den Rädern hier angekommen, sie sind in Bari gestartet und fahren noch bis Lecce. Ich wollte heute noch ein wenig mit ihnen plaudern, aber es hat sich nicht mehr ergeben. In den Tagen bis Samstag war hier im Hotel ein Kommen und Gehen von Radfahrern mit kleinem Tagesgepäck, die für eine Nacht blieben, der Innenhof war voll mit Rädern. Heute war mein Rad das Einzige im Hof. Die Pizza war zwar ausgezeichnet, der Koch Paolo hat 6 Jahre in Mainz gelebt und spricht dementsprechend gut Deutsch, so konnten wir uns gut unterhalten Aber die Pizza wir auf einem Karton serviert, dazu Plastik Wegwerfbesteck und zum Bier ein Plastikbecher. Beim Radreisen wird man ziemlich anspruchslos, aber ein bisschen mehr darf es schon sein, ganz abgesehen von der dadurch entstehenden Müllflut!  Die grossen Stände sind nach Mittag verschwunden, dafür sind jetzt am Abend wieder entlang des Lungomare kleinere Stände mit Beleuchtung aufgebaut, vorwiegend Schmuck und Kunsthandwerk. Schade dass die schönen Tage hier im Süden zu Ende gehen, aber ich freue mich auch wieder darauf aufs Rad zu steigen und loszufahren. Morgen nach Otranto, am Dienstag nach Lecce und am Miiwoch dann 24 Stunden Zugfahrt. Ich freu mich auf Daheim :-)

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Tag 21

Day Off 3

Ich schlafe hier sehr gut, habe eine gute Matratze, aber trotzdem leichte Rückenschmerzen, wahrscheinlich zuviel gelegen ;-) Frühstück wie gehabt, heute wieder mit Katze unter dem Tisch die jämmerlich miaut, als ob sie am Verhungern wäre, die aber nichts nimmt. Ist die Hauskatze die sehr gut versorgt wird. Ich habe - old fashioned - Ansichtskarten geschrieben, jetzt muss ich nur noch das Postamt finden und hoffen das es heute am Samstag geöffnet ist. Als ich nach längerer Suche fündig werde und eintreten will, macht mich eine wartende Dame darauf aufmerksam, mich gefälligst hinten anzustellen, occupato! No Problem, ich bin ja im Urlaub. Erst nach einigen Minuten bemerke ich worauf die Menschen warten - um die Ecke ist ein Bankomat und die dachten, ich will auch Geld beheben. Der Schalter ist geöffnet und ich kann die Karten aufgeben, in der Hoffnung, dass sie auch ankommen mögen. Was nehme ich mir heute vor, überlege ich, nur am Strand oder am Pool liegen möchte ich nicht den ganzen Tag über. Die Möglichkeiten sind hier nicht so wahnsinnig umfangreich, eine Bootstour könnte ich machen. Zuerst aber zum Martinucci auf mein zweites Frühstück, möchte es nicht missen. Dann ist´s eh schon späterer Vormittag, das Wetter ist gut, nicht zu warm, ich beschließe nochmals hinauf zum Faro zu wandern, aber über eine alternative Route, die Straße. Als Fußgänger verhält es sich ähnlich wie mit dem Rad, mit dem Unterschied dass ich - sollten sich zwei Autos auf meiner Höhe begegnen - einen "Seitensprung" ins Grüne machen kann. Seit ich aber gelesen habe dass "Puglia Salento Terre delle Tarantole" ist, halte ich von jeglichem Gestrüpp Respektabstand, ich möchte keiner begegnen!! Oben angekommen ist es wieder so beeindruckend, die wunderbare Aussicht zu genießen. Man merkt das Samstag ist, wesentlich mehr Menschen zieht es heute hier herauf. Bei den zahlreichen Souvenierständen werde ich fündig, aber ich kann ja mit dem Rad nur ein paar Kleinigkeiten für meine Enkel mitnehmen. Hinunter gehe ich nicht über die Straße, ich nehme die Stiege neben der Geröllhalde. Irgendwo habe ich von einer Cascade, einem Wasserfall gelesen, den es hier geben soll. Nach Recherche im Internet ist diese von mir so bezeichnete Geröllhalde zwischen den beiden Stiegen dieser Wasserfall, der zu besonderen Anlässen geflutet wird und dann 120 Höhenmeter direkt hinunter ins Meer stürzt.Die Kaskade wurde 1939 als Endpunkt des apulischen Aquädukts gebaut. Und wie des Zufall will, ist heute am 13.Juni um 19:30 eine Öffnung der Cascade Monumentale geplant, das werde ich mir nicht entgehen lassen :-) Den  restlichen Nachmittag verbringe ich am Strand mit lesen, ehe ich mich wieder auf den Weg, hin zur Cascade mache. Zuvor kehre ich in der Baguetteria nell sud  ein, in der man sein Wunschbaguett aus einer Riesenauswahl an frischen Zutaten zusammenstellen kann. Ich wähle alle vom netten Wirt empfohlenen lokalen Zutaten aus und werde nicht enttäuscht, es war einfach köstlich. Dazu ein italienisches Bier. Wenn man nicht explizit italienisches Bier bestellt, kredenzen sie hier vorwiegend deutsches Bier, das ich hier aber nicht bevorzuge. Als ich kurz vor 19:30 am Fuße der Cascade ankomme, ist schon grosser Auflauf, scheinbar kein Geheimtipp ;-) Es sind Stühle aufgestellt, und eine Band stimmt sich auch gerade ein, das wird ein schöner Abend. Während ich warte dass die Show beginnt, sehe ich viele junge schön gekleidete und auffallend gestylte Damen vor einem Zelt sich vorbereiten, ich vermute eine Art Modenschau von Amateur Nachwuchs Models, aber wie immer kann ich auch total daneben liegen. Mit halbstündiger Verspätung geht es dann los, Wasser beginnt herunterzulaufen und macht aus der Geröllhalde schließlich den Wasserfall. Ich habe auch ein Video gemacht, das ich bei meinem Hoster hier leider nicht hochladen kann. Ich werde es auf whatsaap in meinen Status stellen. Die Modenschau - oder was es auch sei - wie auch die Musik haben noch nicht begonnen, ich gehe zurück, habe ja noch Arbeit ;-) Morgen ist mein letzter Urlaubstag hier, am Montag geht´s wieder aufs Rad, darauf freue ich mich. Aber davor werde ich den morgigen Tag mit total relaxed verstreichen lassen, ohne mir irgendetwas vorzunehmen. Ich kann jetzt schon sagen, die Zeit hier in Santa Maria di Leuca ist die Reise wert gewesen, ein gutes Hotel mit netten und freundlichen Angestellten, ein schöner, kleiner Strand ( heute habe ich bemerkt dass der Sandstrand keiner ist, sondern nur 10cm Sand auf einer Betonplatte aufgeschüttet sind) ein schöner Pool, gute Lokale, un d wie mir der Wirt heute im Pocca sagte, ist Mai, Juni, September die beste Zeit hier. Im Sommer ist es viel zu heiß und zuviel Menschen kommen, mit denen man das Vergnügen dann teilen muss.  Morgen heißt es auch Daumen drücken für Deutschland, damit sie dann im WM Finale gegen uns spielen können ;-)))

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Tag 20

Day Off 2

Das angekündigte Unwetter ist - zumindest hier - nicht eingetroffen, aber es ist bewölkt und ziemlich windig, beinah schon stürmisch. Heute wäre der ursprünglich geplante Tag meiner Rückfahrt gewesen, jetzt bin ich direkt froh dass es sich so ergeben hat, denn dieser Sturm würde mir heute frontal entgegen blasen. So kann ich noch ein paar Tage hier im südlichsten Apulien die Sonne und das Leben  genießen, spätestens ab morgen ist wieder Prachtwetter zu erwarten. Zum Frühstück bin ich heute schon eine Stunde später erschienen, es gibt nichts das mich drängt. Kettenservice beim Rad habe ich auch schon erledigt, es ist ready to go, aber ich werde es nicht früher bewegen, als erforderlich ;-) Ich hatte noch einige Problemstellen mit Booking.com zu lösen. Durch die veränderten Umstände musste ich eine Unterkunft stornieren, weil man nicht bereit war, das Datum zu ändern, Storno selbstverständlich zu 100% zu bezahlen. Aber jetzt sollte alles passen, ich bin zuversichtlich. Ganz entspannt werde ich aber erst sein, wenn ich am Mittwoch um 23 Uhr im Nachtzug nach Graz sitze bzw. liege. Am späteren Vormittag habe ich am Pool relaxt, aufgrund des Wetters war ich lange Zeit alleine, denn der starke Wind war halt nicht sehr einladend um baden zu gehen, habe ich aber gemacht. Gleich ums Eck vom Hotel liegt ja die Pasticceria Martinucci, deren Gast ich auch heute wieder zweimal war. Den Nachmittag habe ich auf einer Liege am Strand genossen, ein Buch gelesen und gedöst, jetzt fühlt es sich an wie Urlaub. Nach meinem gestrigen doch etwas längeren Marsch , hat sich durch den Steg der FlipFlops zwischen den Zehen eine Blase gebildet die ich heute endgültig blutig aufgerieben habe. Neue Schlapfen lösen auch dieses Problem. Jetzt sitze ich auf der Terrasse mit einem Aperol Spritz und schreibe den Blog, der heute kurz ausfällt. Dann noch ein bisschen Fußball und ab ins Bett :-)

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Tag 19

Day Off

Die innere Uhr wurde nicht informiert, dass ich heute nicht aufstehen muss, es gibt nichts zu packen, nichts vorzubereiten - also einfach weiterschlafen. Um 7:30 gibt es hier Frühstück, welches ich mir auf der schattigen Terrasse schmecken lasse. Das Angebot ist so na ja, aber es gibt zumindest Rührei, davon reichlich und dazu normales Brot, keinen einfolierten Zwieback. Den weiteren Vormittag verbringe ich damit, meine Heimreise zu planen. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es sich so problematisch darstellen würde. Ich fahre mit dem Rad noch nach Otranto und danach zurück nach Lecce. Von dort dann per Bahn nach Graz zurück. Klingt einfach, ist es aber nicht. Ich möchte so selten wie möglich umsteigen müssen, und einen Nachtzug nach Graz erreichen, nicht so wichtig von wo. Die weitere Vorgabe war, ich wollte vor Rikis Geburtstag da sein. Zuerst habe ich es über Rom versucht, keine Chance für einen Nightjet zu meinem Wunschdatum. Nächster Versuch Bologna. Bis Bologna fährt ein Intercity durch, der auch Fahrräder mitnimmt, das passt. Aber der Nightjet in Bologna ist ja der selbe Zug der aus Rom kommt. Kurz gesagt, ich schaffe es unter keinen Umständen meinen Wunschzeitplan einzuhalten, auch nicht über Venedig, es scheitert immer an der begrenzten Fahrradmitnahme der ÖBB. Der nächstmögliche für meine Bedürfnisse passende Termin ist der kommende Mittwoch, solange muss ich halt die Zeit hier irgendwie mit irgendwas verbringen, werde ich schon irgendwie hinkriegen ;-)) Nachdem eh schon bald Mittag ist mache ich mich auf en Weg zur Pasticceria Martinucci, vielgelobt für seine Qualität, aber auch gescholten für das Verhalten des Personals. Ich bin heute sogar zweimal da gewesen, der Kaffee war hervorragend wie auch das Cornetto vuoto (nur nicht mit leibgewonnenen Gewohnheiten brechen) das Personal tatsächlich emotionslos desinteressiert, aber nicht unfreundlich. Dann spaziere ich durch die hinteren Gassen entlang, dort stehen reihenweise schöne Villen, es scheint hier eine wohlhabende Gegend zu sein. Das Wetter heute etwas wechselhaft, eher diesig schwül, gut zu schwitzen. An meinem Weg liegt eine weggeworfene leere Kaffeepackung am Wegesrand, zum zweiten mal stosse ich auf die Marke Quarta, eine meiner Lieblingskaffeemarken aus Italien! Ich erreiche die Stelle an der ich gestern fast wo gegeben habe. Ich folge diesem Holzsteg in die andere Ende und auch bei passenden Gelegenheiten und bemerke dass ich diesem so dominant aus dem Felsen ragenden Leuchtturm näher gekommen bin. Hab eh nichts anderes vor, also warum nicht da hinauf wandern. Am Fusse dieses Felsen angekommen eröffnet sich der Blick auf zwei steile Treppen - links und rechts einer mächtigen Geröllhalde -  die über mehr als 280 Stufen hinauf zum Faro di Capo Santa Maria di Leuca führen. Er steht auf der Punta Melis und erreicht durch seine erhöhte Lage eine lichte Höhe von 102m über dem Meeresspiegel - bei einer Bauhöhe von 48m. Die Sonne hat sich mittlerweile auch durchgesetzt, dementsprechend rinnt der Schweiß. Mühsam zwar, doch lohnend allemal!! Der Blick auf Santa Maria di Leuca, den Hafen, die Bucht ist einfach grossartig, schöner geht immer, aber hier wird´s schwer. Es ist so fantastisch schön hier oben, hier bekomme ich, was ich mir gestern erhofft hatte, jetzt bin ich tatsächlich angekommen und genieße das Gefühl! :-) Der Faro steht direkt neben dem Heiligtum Basilika Santuario di Santa Maria de Finibus Terrace. Eine meiner Gewohnheiten bei Radreisen ist es, am Ende oder bei passenden Gelegenheiten, eine Dankeskerze zu entzünden, dazu bieten sich natürlich Kirchen an. Ich bin nicht religiös, aber eine Kerze ist ein gutes Symbol , und Grund zur Dankbarkeit habe ich reichlich. Hier oben gibt es eine Kirche, Kerzen gibt es nur noch in elektrischer Ausführung. Ich werfe all mein Kleingeld in den Opferschlitz - und fünf Kerzen beginnen zu leuchten.  Die erste Kerze widme ich meinem Freund Hansl !  Eine weitere Kerze widme ich in Dankbarkeit euch allen, die ihr mir bis hierher gefolgt seid :-) Die anderen drei haben auch ihre Bestimmung gefunden. Santa Maria di Leuca wurde schon in der Antike als Finibus Terrae  - das Ende der Erde - bezeichnet, so galt die südliche Spitze Apuliens als einer der äussersten Punkte der bekannten Welt. Hier treffen sich auch das Adriatische Meer und das Ionische Meer, darum hat und hatte der Ort für Griechen, Römer und später für christliche Pilger eine besondere Bedeutung. Danach die Treppe wieder hinunter ist einfacher als der Aufstieg. Es ist schon Nachmittag und ich habe Hunger und Durst, was liegt da näher, als bei einer Bar inmitten dieser schönen Landschaft einzukehren. War auch die richtige Entscheidung. Insalatona.Brot, Bier und Wasser bei herrlicher Aussicht im Schatten der Bäume -  alles richtig gemacht ;-) Nachdem ich schon die Badehose angezogen habe und schon den ganzen Tag ein Handtuch mitschleppe, besuche ich den hoteleigeneren Strand und leg mich im Schatten eines Schirms auf eine Liege. Es sind kaum Leute da, das Rauschen des Meeres und der lange Fußmarsch haben mich müde gemacht, ich döse vor mich hin. Ich liebe das Meer - aber eher auf dem Wasser als im Wasser, aber einmal muss ich zumindest im Meer gewesen sein, sonst habe ich Zuhause Erklärungsbedarf ;-) Es ist ein Sandstrand, aber nur bis zur Wasserkante, dann beginnt es im Wasser uneben und steinig zu werden. Ich wate hinein, das Wasser ist erfreulich angenehm warm, ein schöner Abschluss. Aufgrund meines heutigen Pensums an Bewegung - immerhin über 10km gegangen und dabei 34 Stockwerke bewältigt - habe ich auch heute einen Waschtag, wer will schon ein stinkendes T-Shirt anziehen, ich sicher nicht. Laut Ventusky ist heute Nacht und morgen Vormittag mit Regen zu rechnen, ansonsten ist morgen der Pool am Programm.

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Tag 18

Von Lecce nach Santa Maria di Leuca

Sono arrivato nel punto più meridionale della Puglia - ich bin am südlichsten Punkt von Apulien angekommen :-)

Ich bin heute früher als sonst aufgewacht, die Aufregung es nun bald geschafft zu haben ließ mich nicht mehr schlafen. Frühstück sollte es erst ab 8:30 geben, aber Natalie meine freundliche Vermieterin hat sich ausnahmsweise bereit erklärt, schon um 7:30 da zu sein um mir Frühstück zu bereiten. Gesagt , getan, sie macht mir frischen Toast und wie immer grünen Tee, dann hält mich nichts mehr. Schnell noch ein Foto für den Blog, und vielleicht sieht man sich ja bald wieder, wenn ich auf der Rückreise bin, ich werde mich melden. Hier würde ich jederzeit wieder absteigen, eine tolle Unterkunft! Dank Frau Navi finde ich gut aus Lecce hinaus und bin bald wieder im freien Feld unterwegs. Laut gestriger Wettervorhersage habe ich heute Gegenwind, erst sehr moderat, später zunehmend und auch bis 31 Grad, und ca. 90 Kilometer vor mir. Ist alles so eingetroffen. Ich möchte diesen letzten Tag ganz bewusst genießen - egal von wo der Wind auch weht - und so gehe ich es an. Ich fahre wieder beinahe nur auf wenig befahrenen Landstrassen dahin, dabei befinde ich mich auch auf dem Franziskus Pilgerweg. Hier wird Christina auch in einigen Tagen durchkommen, heute begegnen mir weitere Pilger, die diesen Weg gehen. Schon bald sehe ich den ersten Wegweiser S.M.DI LEUCA , aber da liegen noch 60 Kilometer vor mir ;-) Wieder sind viele dieser Strassen durch aufgeschichtete Steinmauern begrenzt, darauf wachsen Kakteen die in Blüte stehen, ein ansprechendes Bild. Heute habe ich erstmals eine überfahrene Schlange gesehen, Tiere die ich so gar nicht mag! Ich dachte es mir eh, dass es zwischen Steinen und dem dichten Gestrüpp sicher etliche Exemplare gibt, und da werden sicher auch sehr giftige darunter sein, denen ich keinesfalls begegnen möchte. In San Cassiano erreiche ich einen sehr schön gepflegten und ansprechenden Platz. Ich möchte in einem Laden nur Wasser kaufen, hat der aber nicht. Stattdessen schickt er mich über den Platz, dort befindet sich hinter den dicken Mauern eine versteckte Bar, die ich sonst übersehen hätte. Der beste Platz für eine Pause wie sich herausstellen sollte :-) Auf dem Platz treffen sich ältere Männer und unterhalten sich angeregt, eine wunderbar entspannte herrscht an diesem Ort. Bei meiner Weiterfahrt komme ich an einem riesigen eingezäunten Areal vorbei, einige wenige Baumaschinen sind aktiv, aber kein Hinweis was hier einmal entstehen soll. Da ist der Sinn eines weiteren, nicht im Bau befindlichen Areals schon am Geruch erkennbar, eine gepflegte Anlage mit etlichen edlen Pferden, Menschen sind nicht zu sehen. Weniger schön wird es dann, als ich auch heute wieder an weitläufigen erbärmlichen Olivenkulturen vorüberfahre, die Bäume dürr und tot oder kurz davor. Hier kann meine Theorie mit den Weinspritzmitteln nicht halten, hier sind keinerlei Weingärten zu sehen. Ich vermute nun eher einen Schädling, der die alten Bäume dahinrafft, denn groteskerweise sind z.B. die alten Bäume auf der linken Strassenseite die besagten kranken, während auf der rechten Seite neu gepflanzte Bäume in aller Frische dastehen. Ich werde meinen Freund Sepp fragen, der weiß da sicher Bescheid. Er hat mir geschrieben, dass sie wieder gut Zuhause angekommen sind, und er jetzt eine Antibiotika Kur machen muss wegen der Borreliose. Von den geplanten Pilgertour von 600 Kilometer nach Rom haben sie bis zum Abbruch 450 Kilometer geschafft, den ausständigen Rest wollen sie dann im September nachholen, Bravo, steile Leistung! Waren es vor einigen Tagen typische runde Spitz zusammenlaufende Steinhäuser in den Feldern entlang des Weges, so sind es jetzt quadratische Bauten, mit einer Aussentreppe hinauf auf die oben ebene Fläche. Angeblich dient die obere Fläche zum Sammeln des Regenwassers und/oder zum Trocknen der Ernte - Ende chatGPT. Je näher ich Leuca komme nimmt der Gegenwind zu, aber ich kämpfe mich auch noch den letzten Hügel hinauf, ich will ankommen. Lange fahre ich entlang auf roten Feldwegen in ausnahmsweise guten Zustand, kein Wunder, entlang des Weges befinden sich hinter hohen Mauern luxuriöse Anwesen. Und dann sehe ich erstmals auf Santa Maria di Leuca hinunter, ich bin angekommen :-) Noch nicht, denn eine Baustelle verhindert die Weiterfahrt. Eine Umleitung besteht über einen Holzsteg für Fußgänger auf der ich mein Rad schieben muss. zuerst hinunter geht ja, aber als es dann steil nach oben geht, da zieht es mir fast den Stecker. Und dann stehe ich auch schon vor meinem Hotel :-( So unspektakulär habe ich es mir nicht vorgestellt , hier anzukommen. Ich weiß zwar nicht was ich erwartet habe, aber so habe ich es nicht erwartet. Nun gut, bin da, checke ich eben ein. In meiner Euphorie habe ich heute ordentlich Strecke gemacht und bin deshalb schon um 13 Uhr da, einchecken ist aber nicht, vor 15 Uhr. Ich nehme auf der Terrasse platz und gönne mir mein Ankommensbier, und warte dass die Zeit vergeht. Auch hier in diesem Ort werden die Touris mit Bussen angekarrt und durch den Ort getrieben, stoppen bei meinem Hotel auf ein Getränk, und fahren wieder. Englisch ist wieder Amtssprache hier ;-) Um viertel nach Drei bekomme ich meinen Schlüssel für mein Zimmer, das ich die nächsten Tage bewohnen werde. Ich habe schon ausgepackt, da öffnet sich die Tür. Eine Dame der Rezeption mit Hauptschlüssel hat aufgesperrt und ist überrascht, mich zu sehen. Scusi, und weg ist sie wieder. Ich will gerade zur Dusche gehen, da klopft es wieder an der Tür, diesmal ein männlicher Mitarbeiter. Er sagt das es ein Missverständnis gibt, irgendwas ist bei der Buchung schiefgelaufen - und verschwindet wieder. Als sich nach einiger Zeit nicht rührt, gehe ich hinunter zur Rezeption, ich möchte nun doch wissen was los ist. Die haben hier in diesem Hotel ein Kontinent von Zimmern für 6 Monate an einen anderen Anbieter vermietet, und ich habe bei diesem gebucht. Lange Rede, ich muss umziehen. Selbes Stockwerk, anderes Zimmer, jetzt passt es . Nach dem Duschen und Wäschewaschen erkunde ich mal die Umgebung, Es gibt einen kleinen Hotelstrand, es gibt einen Pool, einen Lungomare, und am Abend angenehm wenige Touristen. Im Hotel gibt es ein Restaurant, aber die Karte sagt mir nicht zu, also gehe ich auf die Suche. Hier beginnt es mit 19:30 dass sich die Restaurants öffnen, mir heute zu spät, ich habe richtig Hunger. Da tut es ein fetter Burger mit Pommes auch, dazu noch ein Bier, ich muss ja morgen nicht fahren, und mein treues Rad hat auch ein paar Ruhetage verdient! Gibt es morgen einen Blog? Ich denke schon ;-)

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Tag 17

Von San Vito dei Normanni nach Lecce

Ein guter Tag beginnt mit einem guten Frühstück, so sagt man. Meines war heute gar nicht schlecht, verglichen mit den letzten Tagen sogar richtig gut, obwohl das Rührei extra zu bezahlen war, egal, endlich wieder einmal Eiweiß :-) Mir ist aufgefallen dass ich mich in den Wochen meiner Reise bisher eher sehr einseitig und beinahe vegetarisch ernährt habe. Beim Prall können sie schon mal die Pfannen herrichten, Zwiebelrostbraten, Wiener, Cordon ..... und unbedingt ein grosser Salat mit KERNÖL, darauf freue ich mich ganz ehrlich, das geht mir ab. Der Prall ist by the way der Dorfwirt meines feinschmeckerischen Vertrauens, im schönen Krumegg gelegen. Come in and check it out, meine Empfehlung um gut und trotzdem preiswert zu speisen, ein Dorfwirt eben! Übrigens, am 4.Juli spiele ich beim Prall bei einem Grillfest auf, eine gute Gelegenheit bei guter Musik fein zu speisen ;-)) Sehen wir uns? Würde mich sehr freuen!  Aber noch bin ich hier im Süden, nicht mehr weit von meinem Ziel entfernt. Francesca war eine sehr freundliche und umsichtige Gastgeberin, die Junior Suite war vom Feinsten, der Pool ein Traum - nur das Internet war mau. So ist es auch hier in Lecce. ich sitze im Gang vor meinem Zimmer, nur hier war und ist es möglich, die Bilder von gestern hochzuladen und diesen Beitrag hoffentlich absturzfrei zur Ende zu bringen. Losgefahren bin ich heute erst um halb neun, wieder mal war ein ein Missverständnis der Grund. Ich musste ja gestern ausfüllen was ich heute zum Frühstück haben möchte, und habe verstanden, es wird um 7:30 ins Zimmer serviert. So habe ich im Zimmer gewartet, geschnäuzt und gekampelt sozusagen und eigentlich abfahrbereit. Als um viertel vor acht sich noch nichts gerührt hat, ging ich nachschauen. An der Rezeption wurde ich schon erwartet und die Köchin konnte endlich mit der Zubereitung des Rühreis beginnen, während ich im Frühstückszimmer Platz nehmen durfte. Dabei haben wir uns gestern astrein in Englisch unterhalten ;-) Macht nichts, es erwarten mich 78 Kilometer die es zu radeln gilt. Laut Navi ist der Streckenverlauf ohne böse Überraschungen zu erwarten, das Wetter ist auch sehr gut, ich starte bei 24 Grad. Seit gestern fahre ich nun mit UV-dichten "Ärmlingen", die Haut an meinen Unterarmen wirft schon Blasen von der ständigen Bestrahlung, und heute sind wieder 31 Grad zu erwarten - in einer schattenlosen Prärie. Brindisi ist über eine durchschnittlich stark befahrene Straße bald erreicht. In einem Beitrag habe ich gestern erfahren, dass man bei langen Radtouren nicht den Fehler begehen soll, gleich zu Beginn voll durchzustarten, denn das rächt sich - wissenschaftlich belegt - im späteren Verlauf mit Leistungsverlust. Das werde ich mir ab heute auch vornehmen, es ist aber gar nicht so einfach, man muss sich bewusst zurücknehmen wenn man meint, die volle Power wäre in der Morgenfrische am besten investiert. Heute pusche ich also nicht, sondern fahre sehr gemütlich, ich Glückskind habe zusätzlich auch noch Rückenwind :-) So komme ich erstmals unverschwitzt über die ersten 25 Kilometer und halte an einer Tankstelle mit Bar, die idealerweise am Weg liegt. Cappuccino und ein Mini Panini, und Wasser bunkern, dann gehts auch schon weiter. In Brindisi habe ich einige schöne Gebäude gesehen, nur das Fahren durch die Altstadt über sehr unebene Steinplatten, die schön anzusehen sind, aber das Fahrzeug samt Fahrer extrem durchbeutelt ist mühsam und schmerzhaft für meine eh schon angeschlagenen Handgelenke (ja, ja, alte Leute berichten halt gerne von ihren Krankheiten ;-). Bei einer Kirche hielt ich an, ich wollte die gewidmete Kerze zum gestrigen Tag eben heute entzünden. Es gab dort Reliquien in einem Glasschrank zu bestaunen, eine Kerze zu entzünden gab es dort leider nicht. Bald konnte ich dann eine stark befahrene ssXX verlassen und fuhr dann fast den ganzen restlichen Tag auf ruhigen bis hin zu einsamen Straßen. Wobei, was hier alles als Straße bezeichnet wird, ist schon kurios. Frau Navi schickt mich auf eine solche Straße, nennt einen langen Namen und fordert mich auf, dieser "Straße" für zwei Kilometer zu folgen. Jeder Feldweg in Österreich ist in einem besseren Zustand als hier auch noch als Straße bezeichnete Schlagloch Rallye Pisten. Auch hier sind Keramikscherben ein beliebtes Füllmaterial, und man hofft nur ohne Platten durchzukommen. Eine weitere derartige Straße erwartet mich später auch noch, diese wird dann sogar noch zum Single Trail, so verwachsen war sie, dass es mir Arme und Beine zerkratzt hat, eine Straße halt, dafür absolut verkehrsberuhigt ;-) Ruhige Straßen habe ich tatsächlich viele, wieder mit Rückenwind, es macht einfach nur Spaß! Mir fallen in diesen einsamen Gegenden dann immer öfter Oliven Friedhöfe auf, wo ganze Kulturen bereits umgefallen oder gerodet sind, und ganze Plantagen bestehen nur noch aus dürren Gestalten, die einmal kräftige Bäume waren. Was ist da los, Frage ich mich. Rundum ist auch ein riesiges Weinbaugebiet, und schon bevor man den ersten Weinstock zu sehen bekommet, riecht man schon das Gift der Spritzmittel. Vielleicht vertragen die Olivenbäume diese Mittel nicht, denen sie hier zwangsläufig ausgesetzt sind :-( Bei einer Ortschaft befinden sich einige grosse Betriebe mit Reihen von Tanks, Öl oder Wein, ich weiß es nicht und fahre weiter. Ich fahre heute durch mehrere Dörfer bzw. kleinere Städte, in einer ist Markttag, es werden Haushaltswaren und Dinge des täglichen Gebrauchs angeboten. Gut vorstellbar, dass es hier draussen nicht von Grossmärkten wimmelt, wo der bevorzugte Städter sonst auf kurzen Wegen alles bekommen kann. Ich fahre da auch durch viele kleine Seitenstrassen, es riecht nach Küche und nach frischer Wäsche, man hört Vogelgepiepse von den Balkonen und gewohnt lautstarke Unterhaltungen aus den Fenstern und Türen. Diskretion geht hier eher schwer, denke ich mir, aber die Italiener führen ja auch egal ob im Restaurant oder in den Bars lautstark ihre Unterhaltung, die jeder hören kann, obs interessiert oder nicht. Ich vermute wenn Italiener sich dezent unterhalten, dann haben sie wahrscheinlich Halsschmerzen ;-). Nach 78 Kilometer ist Lecce erreicht, ich habe wieder ein sehr schönes Quartier direkt an der Altstadt, mein Rad schläft heute auch wieder bei mir im Zimmer, und ich brauche nichts nach Oben zu schleppen. Nach den üblichen Ankommensroutinen schlendere ich in die Stadt. Gleich in der ersten Bar esse ich eine Lasagne und trinke dazu gleich zwei Bier, aber hier ist ein kleines Bier vom Fass nur ein 0,2. Als ich dann weiter in die Stadt vordringe bin ich ganz überwältigt, wie schön Lecce ist und was es hier alles zu sehen gibt, die schönste historische Stadt meiner gesamten Reise, so finde ich, und wenn nicht der Akku leer geworden wäre, hätte ich noch hundert Motive zu fotografieren gefunden. Aber es passt, ich habe ja noch viel vor, diesen Beitrag zu schreiben beispielsweise..... Schlussendlich ist es mir doch noch gelungen eine Kerze zu entzünden, wenn´s auch nur eine elektrische war. Alles Gute für Dich liebe Erika, dort wo Du jetzt bist! 

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Tag 16

Von Polignano a Mare nach San Vito dei Normanni

Als ich gestern am Abend noch am Balkon gesessen bin, musste ich eine Jacke anziehen, abends - sobald die Sonne untergegangen ist - wird es rasch kühl hier. Unter mir zog eine singende Prozession vorüber, auf dem Platz spielten die Kinder mit dem Fußball und alle Lok ale und die vorgelegten Gastgärten waren voll besetzt. Sonntagabend, wenn bei uns in Österreich sich die meisten mental auf die kommende Arbeitswoche vorbereiten, geht hier in Italien noch lange in die Nacht hinein die Post ab. Das war ein geringer und in Kauf zu nehmender Nachteil der Wohnung in Zentrumslage. Um drei Uhr hörte ich noch Stimmen von der Straße, und die Italiener reden auch nachts in ihrer gewohnten Lautstärke miteinander. Ich habe aber ohnehin nicht gut schlafen können, schon die zweite Nacht in Serie hatte ich eine dieser elenden weichen Matratzen als Liegestatt, mag ich gar nicht! Pünktlich um 7:30 steht Giuseppe wie vereinbart vor der Tür. Der gute Junge hilft mir wieder das Rad über diese steile Treppe hinunter zu bringen. Vor den Lokalen türmen sich die Müllsäcke mit den Resten eines sicher sehr erfolgreichen Wochenendes. Wobei, als ich Giuseppe fragte ob dieser Ansturm der Massen dem Wochenende geschuldet sei, meinte er nur, Touristen kommen jeden Tag in Scharen. Italiener sehe ich heute aber tatsächlich in viel geringerer Zahl, die Strassen entlang der Küste sind nicht mehr vollgepackt, auch die Italiener müssen heute wieder arbeiten und die Kinder zur Schule, Alltag eben. Nach wenigen Kilometer ist Monopoli schon erreicht, in einer Bar hole ich das Frühstück nach, dolce, was sonst. Von Monopoli sehe ich leider wenig, denn ich bin auf der Suche nach einem Bike Geschäft und muss dazu quer durch die Stadt fahren. Der Laden öffnet um 9 Uhr, pünktlich fahre ich dort vor. Der Inhaber ist schon schwer beschäftigt, er bereitet Leihräder vor, die hier von den Touristen zu Tagesausflügen gerne geliehen werden - habe ich im Internet bei der Recherche gelesen. Ich muß ein wenig warten, dann widmet er sich aber meinem Problem, das er sofort erkennt, als ich auf den Stummel des verlorenen Spiegels zeige. Er schickt mich in die Werkstatt , ein Mitarbeiter montiert mir in kürzester Zeit einen neuen Spiegel für zehn Euro inklusive Arbeit, vielen Dank ProBike! Ich bin fertig und kann weiterfahren, ein anderer Biker muss noch warten, an seinem Gravel Bike ist die Kette gerissen. Ich folge einem schönen Radweg entlang der Küste - im Radio singt gerade Amanda Lear, follow me, just follow me - den ich bald in Richtung Fasano verlasse. Es ist wenig Verkehr, der Himmel ist von Schleierwolken verhangen, die Temperatur liegt bei angenehmen 25 Grad, und ich habe fast den ganzen Tag Rückenwind, so soll es sein, so kann es bleiben! Ich fahre für viele Kilometer auf einer Straße, die links und rechts mit Steinmauern begrenzt ist. Dahinter liegen weit in die Tiefe reichende Olivenhaine, die wiederum durch Steinmauern unterteilt sind. Darauf befinden sich tausende Olivenbäume, darunter auch unzählige sehr alte Exemplare, sicher mehrere hundert Jahre alt. Die Anlagen wirke durchwegs sehr gepflegt, sehr gerne würde ich ein Öl dieser Oliven kosten. Dazwischen immer wieder schwere Gittertore vor Auffahrten zu prächtigen Herrschaftssitzen, das sind wohl die Grossgrundbesitzer, also Olivenbauern ;-) Leider sieht man dazwischen auch mal gefällte alte Bäume, und Flächen sind neu aufgeforstet, mit jungen Bäumen, dicht an dicht in Reih und Glied, kein Vergleich zu den uralten Kulturen. Borgo Egnazia, ein schlossähnlicher Prachtbau mit gleich zwei Auffahrten liegt mitten zwischen Olivengärten. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite erstreckt sich ein bestens gepflegter Golfplatz, hier urlauben Menschen, die sich Preise zwischen 1.100 bis 1.500 Euro pro Nacht für ein Standardzimmer leisten können, Suiten und Villen 3.000 bis 10.000+ Euro - pro Nacht. Immerhin gehört es zu den exklusivsten Hotels in Apulien. Als ich mich dem Tor nähere um ein Foto durch die Gitterstäbe zu machen, kommt sofort Security aus einem Seitengebäude und sie ersuchen mich höflich aber bestimmt zu gehen, Fotos nicht erwünscht, nicht erlaubt. Ein paar Fotos habe ich eh schon gemacht, ehe sie mich bemerkt haben ;-)  Ich fahre also weiter, bald beginnt es kontinuierlich anzusteigen, der Wind schiebt mich spürbar hinauf, es fährt sich grossartig. Kurz vor Erreichen des Ortes Ostuni wird es dann aber auch mit Rückenwind spürbar, dass es bergauf geht. Ostuni ist bekannt als weiße Stadt, eine der zahlreichen Sehenswürdigkeiten von Apulien. Ehe ich irgendetwas von der Stadt ansehen konnte, führt mich der Verkehrsfluss auch schon wieder auf der anderen Seite hinunter. Wäre ich jetzt extra hierhergefahren, könnte ich sagen ich war in Ostuni, aber gesehen habe ich davon nicht viel. Deshalb mache ich auch keine Ausreisser von meiner geplanten Tour, wenn es nicht auf meiner Strecke liegt, dann soll es so sein. Schon bald erreiche ich San Vito dei Normanni, mein Ziel für heute ist erreicht. Mein Quartier ist der Jackpot, ich habe die Junior Suite ergattert und es gibt einen Pool. Da trifft es sich natürlich gut, dass es am Nachmittag vorbei ist mit der Bewölkung. Planschen im Pool, dann ein kühles Bier im Schatten - aber die Pflichten wie Wäschewaschen wollen auch erledigt werden. Francesca ist eine sehr freundliche und hilfsbereite Vermieterin, die Anlage ist top in Schuss. Einziges Manko, es gibt kein Lokal in der Nähe, aber ich habe eh zu Mittag eine Kleinigkeit gegessen, muss reichen bis zum Frühstück, das mir um 7:30 aufs Zimmer serviert wird . Sehr gerne hätte ich heute für einen besonderen Menschen eine Kerze entzündet, leider war keine der zahlreichen Kirchen im Ort geöffnet :-(

Fotos werden - wie schon üblich - auch nachgereicht

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Tag 15

Von Malfetta nach Polignano  a Mare

Heute beginnt bereits die dritte Woche meiner Reise, es soll ein genussvoller Tag werden, wünsche ich mir - was bis auf ein paar Ausreisser sich gut ergeben hat. Als ich gestern Abend zu Bett gehen wollte, sah ich einen komischen Wurm, eine Made auf meinem Leintuch. Ich hab zwar keine weiteren gefunden, aber für so einen Fall habe ich immer meinen ultraleichten Sicherheitsschlafsack dabei, in dem ich dann auch gut geschlafen habe. Frühstück gab es hier heute nicht, also wieder alles die Treppe hinunterbefördert, und so bin ich um 7:30 schon am Rad. Wo ich gestern gegessen habe, da bietet man auch Frühstück an, ab 7 Uhr wie man mir mitteilte - dabei aber vergass man mir zu sagen, immer ausser Sonntags. Nicht so schlimm, es kommen eh gleich weitere Orte und sicher auch offene Bars. Am Weg begegnen mir heute wieder viele Läufer und Jogger, es scheint auch hier der beliebteste Morgensport zu sein. In manchen Orten entlang meiner gesamten Route waren sehr viele Läufer unterwegs, in manchen auch weniger, aber bis auf den Regentag waren sie mein allmorgendlicher Mitbewerb um genügend Platz auf dem Radweg. Wieder ist es eine Bar in einem Hafen, die ich heute ansteuere, wo es zum Unterschied zu gestern absolut ruhig zugeht, was ich bei Tee und Cornetto vuoto sehr geniessen kann. Mein Weg entlang der Küste verläuft vielfach auf Radwegen, easy going bei 23 Grad, es ist einfach schön hier zu sein, ich lasse mir Zeit und sauge die Eindrücke in mich auf - sapore del sale, sapore del mare singt jemand in meinem Kopf ;-) Heute weiß ich dass ich einmal nicht auf die ss16 muss, ich fahre auf einer Begleitstrasse - der Via Napoli - die aber nichtdurchgehend auf einer Seite der ss16 verläuft. Kurz vor Bari ist es aber erstmal vorbei mit easy going. Laut Navi sollte eine Brücke über einen Graben verlaufen, die Brücke gibt es aber nicht. Ich checke sämtliche Möglichkeiten und komme doch wieder zum selben Schluß, zurück und irgendwo auf die ss16. Als ich mich schon aufmache kommt ein Radfahrer daher der schnurstracks und Gestrüpp fährt, dorthin wo die Brücke sein sollte. Es ist nur ein Pfad und auf der anderen Seite angekommen, muss ich mich mit meiner Fuhre hinter einer Leitschiene durchzwängen, aber ich bin drüben. Mein Spiegel war wieder das Opfer der Aktion, aber ich konnte ihn wieder anstecken. Die Küste bis Bari - und auch danach - ist felsig, es gibt hier keine Sandstrände und überhaupt wenige als solche erkennbaren Strände, mit Schirmen und Liegen. Heute sind wieder die Massen unterwegs, alle Strassen sind verstopft, alle wollen ans Meer. Dort wird dann jeder Fels genutzt, ein bunter Reigen von Menschen und Schirmen, die die Leute selbst von ihren Autos an den Strand tragen müssen, ein kommen und gehen. Die Fahrt durch Bari gestaltet sich sehr mühsam, stopp and go Verkehr, denn der Radweg endet immer wieder mal an einer Baustelle. Am Hafen bleibe ich stehen, dort liegen einige Fähren und Kreuzschiffe, ich will hier weg und fahre weiter. Der Radweg ist nicht immer als solcher zu erkennen, manchmal fahre ich unbewusst auf Gehsteigen, dafür gehen dann wieder Gruppen von Menschen am Radweg. Eine Kollision mit einem Mann kann  ich gerade noch verhindern, weil er partout nicht ausweichen möchte kommt es zu einem kurzen Kontakt, aber nichts passiert. Als ich über eine nicht abgesenkte Gehsteigkante hinunterrumple denke ich bei mir, hoffentlich hält mein Spiegel noch durch bis zum Ende der Reise. Ein Blick in den Spiegel - oje da ist kein Spiegel mehr! Ich fahre weit zurück und suche die gefahrene Strecke ab, aber leider, beim dritten mal war der Spiegel endgültig ab :-( Auf der Weiterfahrt wird mir bewusst, wie sehr mir der Spiegel fehlt, immer wieder schaue ich dorthin - wo jetzt keiner mehr ist - um den Verkehr hinter mir zu checken, und es kommt auch zu einigen brenzligen Situationen. Endlich aus Bari draussen wird es ein wenig ruhiger, ich folge wieder einer Begleitstrasse der ss16. Ich bin wirklich froh, nicht auf die Pseudo Autobahn zu müssen. Hungrig und durstig halte ich bei einer Tankstelle mit Bar. Ein guter Plan, denn der Cappuccino , das Foccacio und zwei Flaschen Wasser um 5 Euro sechzig kommen gerade zur rechten Zeit, und gut geschmeckt hast auch noch, währen daneben der Verkehr vorbeidonnert. Bei der Weiterfahrt erscheinen immer mehrfieser Trulli ähnlichen Steinhäuser. Ich hatte ja geplant nach Alber obello ins Trulliland zu fahren, aber wie schon bei meiner Romreise habe ich die Entscheidung getroffen, nicht von der Route abzuweichen. Es gäbe hier so viele lohnenswerte Ziele, die es wert wären, besucht zu werden, kostet mich aber Zeit und Energie. Was habe ich davon z.B. nach Alberobello zu fahren, ein paar Fotos zu schießen um sagen zu können, ich war auch dort. Ich habe weder die Zeit noch die Muse, an all den sehenswerten Orten gebührend zu verweilen. Da werde ich wohl mit Riki nochmals herfahren müssen :-) Jetzt habe ich ein Ziel, das heißt Santa Maria di Leuca, das gilt es zu erreichen! Und schon singt in meinem Kopf Peter Maffay, ich hab ein Ziel, und dieses Ziel bist du.... Das gleiche Ziel hat auch Christina aus Norddeutschland. Kurz vor Polignano a Mare sehe ich sie auf der anderen Straßenseite gehen, mit Rucksack und Pilgerstab. Ich bleibe stehen, ich möchte gerne wissen woher und wohin. Ein kurzes aber sehr nettes Gespräch, sie ist seit drei Wochen in Rom gestartet, auf dem Pilgerweg Via Francigena del Sud, den - wenn ich es richtig verstanden habe - ein Bischof erstmal um das Jahr 1000 gegangen sein soll. Wie wünschen uns Buen Camino, vielleicht trifft man sich ja wieder in Polignano. Aber als ich den Ort erreiche, halte ich das für ziemlich unwahrscheinlich. Darauf war ich nicht vorbereitet. Menschenmassen wie ich sie noch an keinem Ort meiner Reise zuvor gesehen habe. Es gibt hier wirklich viel zu sehen, den Blick hinunter in diese Badebucht kannte ich schon aus einer Zeitschrift, schon alles sehr beeindruckend, wenn nur diese Massen nicht wären. Meine Unterkunft liegt mitten im Zentrum, eine gesamte Wohnung im ersten Stock mit drei Balkonen ( auf einem sitze ich und schreibe gerade)  echt geil. Sie hat nur ein Manko, das Rad musste mit nach Oben, und hinauf führt eine sehr enge und noch steilere Treppe. Giuseppe, mein Vermieter, hilft mir das Rad mühsamst nach oben zu bringen, es wäre alleine nicht möglich gewesen, vielen Dank Giuseppe! Er hat mir auch angeboten, morgen Früh wieder vorbei zu kommen, um das Rad wieder gemeinsam hinunter zu bringen, ein sehr netter Typ :-) Im Vorraum hängt eine blaue Gitarre und blau gerahmte Bilder mit Schallplatten und Texten von Domenic Modugno. Ein berühmter Sohn der Stadt, der Komponist und Sänger des weltbekannten Titels "nel  blu  dipinto di blu" besser bekannt unter "Volare" :-)) Heute ist Grosswaschtag, denn hier am Balkon kann alles gut trocknen. Dann gehe ich was essen, Pizza Napoli mit Kapern und Anchovis, schön salzig, dazu natürlich ein kleines Bier. Dann noch ein Spaziergang durch die historische Altstadt, und wie gesagt, jetzt heroben am Balkon bei der Arbeit ;-) während unter mir das Leben pulsiert. Es ist nach Neun, also Essenszeit der Italiener :-)  .... und wieder einmal folgen die Fotos aufgrund des zu schwachen WLAN irgendwann.....

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Tag 14

Von Trinitapoli nach Molfetta

Ich habe auf Reisen IMMER ein kleines Radio mit SD Kartenslot dabei um meine eigene Musik hören zu können - nicht die ich spiele, sondern die mir gefällt, obwohl mir natürlich auch die Musik gefällt, die ich selbst spiele ;-) Ohne Musik geht bei mir gar nicht! Als ich heute früh noch schlaftrunken einschalte, erklingt Steiermark von Gerd Steinbäcker - besser kann der Tag nicht beginnen! Während ich schon mal mein Gepäck wieder nach unten trage und das Rad bepacke, fragt mich die diensthabende Dame schon nach meinen Wünschen. Um 7:30 wartet die Signora schon mit dem Tee auf mich :-) Ich esse Cornflakes mit Joghurt und bekomme sogar einen Toast serviert, ausser uns beiden scheint niemand sonst da zu sein. Als ich zum Rad gehe begleitet mich die Signora und beobachtet mich dabei, wie ich mich adjustiere, zuletzt noch mit Sonnenschutz einsprühe. Dabei redet sie auf mich ein, ihre Mimik verrät das es nette Worte sind und wir verabschieden uns sehr herzlich. Wieder auf der Straße stelle ich mit Freuden fest, der Wind von gestern ist Schnee von gestern, wofür ich sehr dankbar bin, denn meine Beine sind noch schwer. Es sind nur 15 Kilometer bis ich wieder am Meer bin, doch der Weg dorthin führt wieder über Straßen mit tiefen ausgeschwemmten Löchern, die teilweise zugepflastert wurden, was auch kaum besser ist, und dem Müll an den Strassenrändern, der mir ja schon fast nicht mehr auffällt, so allgegenwärtig ist dieser Mist :-( Mir ist unbegreiflich wie manche Autofahrer ihre Autos mit hoher Geschwindigkeit über diese Piste prügeln, es schnalzt und scheppert, doch das kümmert sie nicht. Ein Phänomen dass mich immer genau dann ein Auto überholt, wenn ich auf ein tiefes Schlagloch treffe und nicht ausweichen kann - dann scheppert es bei mir. Die Bevölkerung hier im Süden hat eine Methode "kultiviert" bei der sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, sie betreiben Brandrodung entlang der Strassen. Dabei wird gleich der Müll mitverbrannt, sofern brennbar, sonst bleibt er angekohlt eben liegen. Man kann es hier überall riechen und sehen - auch scheint es, wenn schon nicht legal, zumindest einfach geduldet zu werden. Die Straße ist gesäumt von Olivenhainen und Obstkulturen, vorwiegend Pfirsiche. Noch ehe ich das Meer erreiche, sehe ich vor mir Radfahrer mit Packtaschen. Ich hole auf und möchte gerne wissen woher und wohin. Es ist eine Gruppe von Italienern die nicht sehr gesprächig waren, die ich im Laufe des Tages noch öfter treffen werde. Mir ist aufgefallen, seit ich die Provinz Puglia erreicht habe, sind die Menschen unfreundlich geworden und die Autofahrer rücksichtsloser gegenüber Radfahrern. Ich hoffe das steigert sich nicht noch. An der Küste angekommen fühle ich Erleichterung. Die Fahrt durch das Hinterland des Gargano war zwar sehr anstrengend, aber ich bin froh diese Route gewählt zu haben, die Berge des Gargano sind nur noch schemenhaft am Horizont zu erkennen. Bald erreiche ich Barletta, endlich auch wieder ein Radweg, wenn auch nicht für lange. Die Fahrt durch die Stadt bestätigt meinen Eindruck, das Fahrräder hier keinen besonderen Status genießen. Der Verkehr ist extrem hektisch, ein Gehupe und Lärm dass ich froh bin, bald wieder draussen zu sein, nachdem ich auch ein paar ruhigere Ecken gefunden habe. Ich fahre auf einer vielbefahrenen Schlechtstrasse in Richtung Trani, in. deren Verlauf ich etliche grosse Marmor - und Granitverarbeitende Betriebe entlang der Straße sehe, da wird wohl in der Nähe ein Marmor (sagt man) Steinbruch sein? Trani ist das Highlight des heutigen Tages, eine sehr sehenswerte Altstadt. Viele internationale Gruppen  - ich habe zumindest Französisch und Englisch vernommen - laufen mit fahnenschwingenden Fremdenführern von einer Sehenswürdigkeit zur Nächsten. Diese Treiben sehe ich mir - lange gesucht, endlich gefunden - in einer Bar direkt am Hafen an - ich liebe Häfen :-) Guter Cappuccino - auch lange gesucht - und ein Cornetto vuoto schmecken mir vorzüglich, während ich mit Riki telefoniere. Eigentlich hat mich ja ein äusserst geschäftstüchtiger Kellner auf der Straße abgefangen und hereingewinkten, ein Italiener wie aus der Pate III ;-) (wer die Trilogie nicht gesehen hat, sollte es tun). Ich bleibe lange sitzen weil es einfach schön ist und ich für heute bewusst eine kurze Etappe geplant habe - und es ist auch gar nicht mehr weit, denke ich mir, als ich kurz vor 12 wieder aufbreche. Aus Trani hinaus führt ein wunderbarer Radweg, heute wieder in blau gehalten, dem ich für einige Kilometer folge. Dann ist aber ohne jede Vorankündigung Schluß. Nicht nur der Radweg ist zu Ende, eine unüberwindbare Barriere ermöglicht keine Weiterfahrt. Wieder mal zu früh gefreut. Ein Blick auf die Karte macht es auch nicht besser. Ich fahre zurück und suche einen Weg zum Strand, denn dort verläuft laut Karte ein Weg. An einer Kettenabsperrung kommt ein Radfahrer daher den ich frage, ob es hier möglich ist zum Strand durchzufahren. Yes, also los, unter der Kette durch. Aber es kommt wie es kommen musste, eine nicht für Fahrräder gebaute Schleuse versperrt mir den Weg. Fußgänger kommen problemlos durch. Ich will hier auch durch, also packe ich die Taschen ab und versuche mein Glück. Nicht einmal nur auf dem Hinterrad komme ich durch, schlimmer noch ich verkeile mich total und breche den Spiegel ab. Fußgänger die hier durchwollen schauen nur blöd, es macht aber niemand Anstalten mir zu helfen. Ich she ein dass es nicht geht und mit grosser Mühe und viel Schweiß schaffe ich mich und das Rad wieder hinaus aus dieser Schikane. Da kommen auf der anderen Seite zwei Radfahrer daher, die kurz vor der Schleuse abbiegen und FÜNF Meter neben der Schleuse durch einen offenen Durchgang einfach hindurchfahren. Oh Gott bin ich ein Trottel, Augen auf du alter Depp. Das war mein persönlicher Cabaret Beitrag, den ich nicht scheue zu erzählen. Ich packe also wieder auf und will losfahren, aber es geht leer durch, die Kette habe ich bei diesem Manöver auch noch heruntergerissen, aber zum Glück nicht abgerissen! Ich fahre also auch neben der Personenschleuse lässig hindurch, stehe aber kurz darauf vor dem endgültigen Aus, noch eine derartige Schleuse - es ist eben ein Fußweg, alles klar nun. What´s next ,sinniere ich, zuerst mal zurück und unter der Kette wieder hindurch auf den leuchtend blauen Radweg, der eine Sackgasse war. Ich suche mir mal einen Schattenplatz und erörtere die Lage. Es gibt genau nur eine einzige Alternative, viele Kilometer zurück, dann unter der Bahn durch um daraufhin auf die SS16 - die jetzt doch wieder Adriatica heisst - zu gelangen. Was soll´s, avanti! Ein weiteres Problem tut sich auf, als ich die ss16 erreiche. Die wird hier zweispurig geführt mit baulicher Fahrbahntrennung zur Gegenspur, quasi wie eine Autobahn - nur ohne Pannenstreifen. Das ist das Problem, denn für mich gibt´s nur den schmalen Seitenstreifen, der so schmal ist das mein Lenker immer in die Fahrbahn hinein ragt, und rechts von mir ist die Fahrbahn durchgehend mit mannshohen Leitschienen begrenzt. Dazu kommt, dass auch gefahren wird wie auf der Autobahn. Ich schicke ein Stossgebet gen Himmel und hoffe dass ich die folgenden 15 Kilometer heil überstehe - es wurde erhört, Danke! Endlich durch durch diesen Wahnsinn, folge ich einer auch vielbefahrenen Straße - natürlich wieder bei heftigem Gegenwind - bis zu meinem heutigen Ziel Molfetta. Ein paar Fotos und ab ins Quartier, ich habe für heute nach 65 Kilometer genug von der Straße!  Ich sehe ein Denkmal von Vittorio Emanuele II, er war der erste König von Italien. Da ist mir wieder eingefallen was mir Nicola (der Offiziersanwärter der Marine) erzählt hat. Das italienische Seerecht bezieht sich in einigen Artikeln noch heute  auf Gesetze die der letzte König von Italien vor hundert Jahren erlassen hat. Krass, er hat nur den Kopf geschüttelt. Meine Unterkunft ist wieder ein B&B heute wieder für uns beide, das Rad und mich. Molfetta wie auch Trani sind keine klassischen Badeorte, da zählen wohl andere Qualitäten.

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Tag 13

Von San Severo nach Trinitapoli

Gerade habe ich denText des Vortages geschrieben, ich hoffe es war ein einmaliges Ereignis dass ich einen Blogbeitrag zweimal schreiben muss!

Ich bin heute schon vor dem Wecker aufgewacht, gut geschlafen aber trotzdem nicht ausgeschlafen. Ich spüre die 90 Kilometer von gestern stecken mir noch in den Knochen und anstatt in der Stadt herumzuflanieren, hätte ich mich lieber am Bett langmachen sollen. Heute warten also wieder 85 Kilometer auf mich, aber zuvor bringt mir äusserst nette Vermieterin mein bestelltes Frühstück ins Zimmer. Ich esse zwei Päckchen Zwieback mit Butter und Marmelade, ein normales und ein Fruchtjoghurt und trinke eine Tasse Tee dazu. Das Croissant muss ich stehen lassen, es ist mir einfach zu viel Süsses. Das Navi lotst mich durch verschlungene Gassen aus der Stadt hinaus, und schon begleiten mich wieder die versauten Strassenränder. Ich fahre für 30 Kilometer auf der ss Adriatica, dann ist sie plötzlich zu Ende und wird zugleich zur ss673. Sie war mir eine gute Begleiterin! Nach 35 km erreiche ich mein heutiges Etappenziel Foggia. Foggia unterscheidet sich nicht wesentlich von San Severo, bis man das historische Zentrum erreicht. Jetzt und auch in dieser Stadt gibt es keine Radwege mehr, es fahren überhaupt nur wenige Fahrräder auf den Strassen. Dafür sieht man alte Modelle die es schon lange nicht mehr zu kaufen gibt, und denen in diesem Zustand bei uns wahrscheinlich vor zehn Jahren schon das Pickel verweigert worden wäre. Das nennt man wohl effiziente Nutzungsdauer. Was aber sicher funktioniert, das sind die Hupen, von denen hier reichlich Gebrauch gemacht wird. Zuerst erschrickt man noch, aber auch daran gewöhnt man sich. Es hat auch niemanden gestört dass ich durch fast die ganze Stadt gegen Einbahnen gefahren bin, Frau Navi hat es so gewollt ;-) Der Verkehr ist sehr dicht und ich muss höllisch aufpassen, darum verzichte ich auf die Suche nach lohnenden Fotomotiven und quäle mich wieder aus der Stadt. Hat mich nur Zeit gekostet, gebracht hat mir Foggia nichts. Natürlich wieder Müll an den Strassenrändern, aber weniger als in San Severeo. Dieser Punkt geht an Foggia. Aber was mich dann für den Rest des Tages an Strassen erwartet, kann ich gar nicht beschreiben, in ganz vielen Abschnitten wäre Feldweg schon geschmeichelt, aber es gibt keine Alternative, ich muss durch! AVANTI sage ich mir nach jeder Trinkpause, deren es aufgrund der Hitze viele gibt, aber ich habe kaum noch Wasser und bis an mein heutiges Ziel gibt es keine Ortschaft mehr, wo ich Wasser kaufen könnte. Es hat 30 Grad, und schlimmer noch ist der extreme Gegenwind. Anders als gestern! Der Wind hat nur einen Vorteil, ich spüre die Hitze nicht so sehr.Ich quäle mich wirklich durch die flache Landschaft, auf manchen Feldern fahren schon die Mähdrescher. Die Fahrer sitzen sicher hoch oben in klimatisierten Kabinen, beneidenswert, gerne würde ich tauschen ;-) Wie aus dem Nichts ein Schild, ich kann es erst nicht glauben denn es ist schon recht verwittert, aber um die Hausecke bei dem Schild befindet sich tatsächlich eine Bar. Und was für eine. Der gute Mann richtet mir auf Wunsch ein Pannino - wir würden sagen einen  Viertel weissen Wecken - mit Mortadella und Formaggio, einfach köstlich denn der Hunger ist - man muss nur in die Situation kommen - immer noch der beste Koch!! Und endlich auch wieder reichlich Wasser, auf den Kaffee verzichte ich bei der Hitze. Noch liegen 25 Kilometer vor mir, und jetzt kommt der schlimmste Streckenabschnitt, der sich Straße nennt, und ein noch stärker werdender Gegenwind, ich keuche! Endlich erreiche ich wieder eine befahrbare Straße, die mich bis ins Ziel führen wird, aber es ist noch ein gefühlt weiter weg bis dahin. Es ist zwar fast nur eben, aber es fühlt sich an wie eine ständige Bergauffahrt und ich höre wieder den Knaus Hans sagen, dass die Oberschenkel brennen müssen, denn das tun sie. Als ich endlich in Trinitapoli ankomme springt meine Akku Anzeige auf Rot, es waren 87 Kilometer Schwerarbeit heute und bei der ersten Bar falle ich vom Pferd. Das Bier zischt mir durch die Kehle, ich bin total geschafft, und nach dem Bier bin ich nur noch müde. Ein Stück ist noch zu fahren, bis ich bei meiner Unterkunft angekommen bin, Suite Holygold. Es ist schön, es ist neu, aber mein Gepäck muss ich mangels Lift selbst hochtragen. Dann folgen die üblichen Routinen, alle Geräte aufladen, auspacken, Wäsche waschen, Duschen und den Rest von meinem mitgenommenen Pannini verspeisen. Dann gönne ich mir 30 min Schlaf :-)) Natürlich habe ich noch Hunger und Durst, also gehe ich zum nächsten Supermarkt und kaufe ein. Soll man nicht tun, mit Hunger einkaufen, das weiß man ;-) Jetzt ist es eh schon wieder 21 Uhr, Zeit für Nachtruhe, Buona Notte :-)

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Tag 12

Von San Salvo nach San Severo

jetzt ist es passiert, ich habe 2/3 des Textes fertig geschrieben, da ist die Sch. Verbindung zusammengebrochen und alles ist weg :-(((( Vielleicht schreibe ich morgen noch was nach, jetzt gehe ich schlafen, mir reichts!

Bilder ohne Text natürlich auch sch....ade

 

Den gestrigen Tag nachzuholen, wird nach dem heutigen sehr schwierig werden, ich versuche es anhand der Fotos. Das Frühstück war minimalistisch italienisch, Tee aus der Mikrowelle, ein Croissant und schon war ich weg. Bevor ich ging sagte mir der Vermieter, dass die Strasse ss16 gesperrt sei. Aha, somit erklärte sich warum die Software bei der Routenplanung sich standhaft weigerte die Strasse zu nehmen. Hätte es mir der gute Mann nicht gesagt, wäre ich in die Falle getappt, denn ich wollte das Navi ignorieren. Es wird ein Umweg von 16 Kilometer, natürlich über die Hügel im Hinterland, aber mit grandiosen Ausblicken auf die Abruzzen bzw. die schneebedeckten Gipfel des Apennin. Nachdem in der Nacht davor heftige Unwetter über der Adria niedergegangen sind, ist das Meer aufgewühlt, und die Temperatur liegt gerade mal bei 21 Grad. Bergauf schwitze ich, bergab friere ich, ich muss mich sogar einmal umziehen um mich nicht zu verkühlen. Wieder zurück auf der ss Adriatica fahre ich dort ganz alleine, denn die Autos werden erst an späterer Stelle wieder raufgeleitet, bis dorthin gehört die Strasse mir. Dann einige Kilometer auf einem wunderschönen Radweg bis Termoli, dort auch ein wenig Lungomare, dann lasse ich die Küste hinter mir und biege ab ins Hinterland, denn ich möchte den Gargano umfahren, eigentlich hinterfahren ;-) Ab jetzt nur noch Straße, und als mein Navi vermeldet " folge dieser Straße für 35 Kilometer" ahne ich noch nicht, was mir bevorsteht. 15 Kilometer schnurgerade immer geradeaus ist eine Herausforderung, speziell bei Gegenwind. Bisher waren an dieser Straße immer wieder Tankstellen, manche mit einer Bar, nicht so an diesem Abschnitt. Ich dachte beim Wegfahren dass ich heute sicherlich bald zu Wasser kommen werde, denn ich hatte nur noch eine kleine Flasche Wasser dabei. Ich war bereits über 60 Kilometer unterwegs, als unverhofft endlich eine Tankstelle auftaucht. Sieht ziemlich heruntergekommen aus, aber es gibt auch eine Bar - die auch nicht weniger heruntergekommen ist. Alles egal, ich brauche dringend Futter und Wasser und Kaffee, egal wie er schmeckt, er schmeckt! Ausser mir schleichen noch ein paar Typen herum, die ihr Geld an den Spielautomaten verzocken, ein trauriges Bild, beinahe ein lost place ;-) Ich fahre weiter, immer weiter, und voller Freude realisiere ich, ich habe Rückenwind, starken Rückenwind. Es tauchen immer mehr Windräder auf, habe ich zuvor auf meiner Reise nirgends welche gesehen. Aber hier hinter dem Gargano scheint es sich zu lohnen, auch eine grosse PV Anlage war schon dabei. Die Gegend ist beinahe flach, die wenigen Anstiege trägt mich der Wind hinauf, aber es ist mittlerweile wieder ganz schön warm geworden, um die 30 Grad im Schatten, den es hier nicht gibt. Die Landschaft ist geprägt von grossen Getreidefeldern, Oliven und Weinkulturen - und leider auch von immer mehr werdenden Müll entlang der Strasse. Mitten im Nirgendwo plötzlich ein Sonnenschirm, ich vermutete eine Frau verkauft Obst oder Gemüse. Später sehe ich auf der anderen Strassenseite wieder einen Sonnenschirm und eine leicht bekleidete Dame winkt mir herüber. Als wieder so ein Sonnenschirm inmitten einer Müllhalde steht, bleibe ich stehend spreche die junge Frau an. No parlo inglese sagt sie nur auf meine Frage was sie hier macht, reibt Daumen an Zeigefinger und sagt Money. Fotografieren wollte sie sich nicht lassen ;-) Auch ein Geschäftsmodell, das zu funktionieren scheint, aber die Schublade ist schon eine der ganz Untersten! Je näher ich San Severo komme, desto schlimmer wird der Müll. Es sind nicht nur achtlos aus dem Auto geworfene Gegenstände, ganze Müllsäcke, alte Autoreifen und kaputte Geräte werden einfach entlang der Strasse entsorgt. In der Stadt ist es nicht so arg, offensichtlich fährt man vor die Stadt um den Müll loszuwerden. Mein B & B war ein neuer Bau in einer sonst recht trostlosen Ecke, aber weniger trostlos wurde es bei meinem späteren Spaziergang auf der Suche nach dem schönen Teil der Stadt leider auch nicht. Aber meine Suite war toll und ich hatte eine sehr nette Gastgeberin. Hier im Süden ist es schon sehr vorteilhaft, wenigstens ein paar Wörter der Sprache zu verstehen, das Englisch der meisten hier ähnelt in der Qualität meinem Italienisch ;-))

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Tag 11

Von Ortona nach San Salvo Marina

Der Blick aus dem Fenster bestätigt, was ich zu hören meine - es regnet. Kommt nicht wirklich überraschend, der Ventusky Wetterdienst ist ziemlich zuverlässig. Vor ein paar Tagen noch war ja die Aussicht für heute gar nicht rosig, eine weitläufige Gewitterzelle genau über dem Gebiet, in dem ich mich befinde. Gestern gab es dann leichte Entspannung, kein Gewitter mehr, Regen sehr wohl möglich. Unter diesen Umständen habe ich auch für heute eine kurze Tour geplant, am Nachmittag drohen wieder Gewitter, da bin ich lieber schon angekommen. Ich hatte ja geplant spätestens nach 10 Tagen einen Day Off einzulegen, aber aufgrund der unstabilen Wetterlage nutze ich lieber die regenfreien Zeiten und radle halt kürzere Etappen. Wenn ich allerdings an DEN Ort mit DEM Hotel ankommen sollte, werde ich einen Ruhetag einlegen, sonst eben weiter mit wie gesagt kürzeren Etappen. Das "Hotel Ideal" ist auch schon ein älterer Kasten, im Frühstücksraum/Bar (4 Tische) hängen (schief) sehr viele Bilder aus guten alten Tagen, als auch Prominente hier abgestiegen sein sollen. Die haben aber sicher ein besseres Frühstück bekommen als ich ;-) Kuchen und Kekse aus dem Supermarkt, da entscheide ich mich lieber für Cornflakes mit einer Banane, ein Joghurt rundet das Ganze noch ab, ein Vorteil dass ich gestern reichlich gegessen habe. Vor dem Frühstück gab es eine Kurze Regenpause, bei Abfahrt beginnt es wieder zu nieseln. Also Regenhaube auf den Helm, die Regenjacke anziehen und kann los gehen. Aber nicht lange, es beginnt stärker zu regnen. Ich habe nur ein Paar Schuhe mit (und Flip Flops) aber für Regentage habe ich knallgelbe Plastik Überschuhe mit, damit meine Schuhe trocken bleiben, mit dem Zusatznutzen, besser gesehen zu werden. Die ziehe ich mir drüber und weiter gehts. Aber nochmals muss ich nachjustieren, es ist kalt heute, speziell am Kopf, da tut mein Bandana dann gute Dienste. Sehr bald verlasse ich die Strasse und biege wieder auf den Cyclovia Adriatica ein. Außer mir sind heute alle zuhause geblieben, so scheint es, denn lange Zeit begegnet mir niemand. In den letzten Tagen war der Morgen immer die Zeit der zahllosen Jogger, heute nicht ;-)  Der Weg folgt der Küste, es ist eine ehemalige Bahnstrecke die zum Radweg (Highway) ausgebaut wurde. Und hier sehe ich erstmals öffentliche Sanitäreinrichtungen am Wegesrand, eine weitere Investition, aber wir Radfahrer sagen Danke! Bei der Hitze des Tages lag in den letzten Tagen an den wilden Strandabschnitten öfters das würzige Aroma von Fäkalien in der Luft ...... Entlang der Küste reihen sich die Trabocchi, die typischen Wahrzeichen der der Abruzzen Region, aber auch bei Palestrina in der Lagune von Venedig gibt es sie. Es handelt sich um traditionelle Fischerplattformen auf Pfählen, hier sind viele davon heute als Restaurant oder Ausflugsziel in Verwendung. Da fällt mir ein dass ich ein Buch gelesen habe, das von einem besonderen Ort, einem Traboccho handelt, an dem ein gestresster Managertyp einen alten Fischer kennenlernt, der ihm in langen Gesprächen eine neue Sicht des Lebens vermittelt. An den Titel kann ich mich nicht mehr erinnern. Mittlerweile hat der Regen aufgehört, Zeit die Regenjacke auszuziehen. Wieder einmal stelle ich fest, die Regenjacke schützt vor Nässe von außen, aber wo nichts reingeht, geht auch nichts hinaus. Die Ärmel kleben an der Haut und am Rücken rinnt der Schweiß in Bächen, dabei hat es gerade mal 21 Grad. Das wären jetzt die besten Voraussetzungen für eine Verkühlung, also doch eine Jacke drüberziehen bis ich etwas abgetrocknet bin. Langsam wird auch die Straße wieder trocken und ich ziehe auch die Regenschuhe aus. Was habe ich geglaubt, dass die Schuhe trocken bleiben? Auch da bin ich im eigenen Saft gestanden ;-( Aber was solls, Regentage bleiben hoffentlich die Ausnahme! Irgendwie ist es heute wie im Herbst, wenn nach einer langen Saison schön langsam die Luft draussen ist. Aber der prächtig blühende Oleander lässt gleich die Stimmung wieder steigen. Bei der Ortstafel von Casalbordino verspüre ich den Drang, meinen gelben Tour_Retour Aufkleber zu platzieren. Was den Ort besonders macht, erfahre ich bald darauf, als ich wieder einmal vor dem Ende des Radwegs, vor einer Sperre stehe. Hinter der Absperrung kommen zwei Radfahrer daher, die ich frage ob man es wagen kann, durchzufahren. Man kann sagt er, aber nach ein paar Kilometer ist die Strasse abgerutscht und ich müsste mein Rad samt Gepäck durch ein unwegsames Wald stück irgendwie vorbei bringen. Darauf habe ich genau keine Lust! Ich checke die Karte am Navi, die Alternative ist, ich muss den Weg zurück, dann querfeldein über eine Nebenstraße , die am Ende hoffentlich einen Anschluß an die ss16 Adriatica hat. Hat sie, und nach diesem ungeplanten Umweg mache ich an einer Tankstelle halt, die machen meist guten Kaffee. Ich trinke zuhause ja auch nie Cappuccino, warum also versuche ich es hier immer wieder, nur um enttäuscht zu werden. Der Himmel ist heute so bedeckt, dass das Navi manchmal zu wenig Satelliten Signal empfängt und der Zeiger irgendwo abseits der Rote herumirrt. Nur nicht wieder regnen, bin eh bald da. Da höre ich die Menge skandieren, NO RAIN, NO RAIN aus dem Film zum legendären Woodstock Festival 1969. Genützt hat es damals nichts, es war eine Schlammschlacht, 400 000 Besucher am Gelände, da ist einiges aus dem Ruder gelaufen. Ich hingegen wurde erhört :-) Dafür habe ich wieder die Mücken, die mir der Gegenwind ins Gesicht peitscht, trotz Brille bekomme ich einige Biester in die Augen. Vor Marina die Vasto durchfahre ich ich ein Naturreservat, das durch den Radweg durchschnitten wird. Immer wieder kreuzen Pfade den Radweg, die durch dichtes Schilf oder dichte Sträucher hinaus an den Strand führen, der heute total verwaist ist. Da erreicht mich der Anruf meines Freundes Sepp, der zur Zeit mit seiner Frau und einer Freundin auf dem Franziskus Pilgerweg unterwegs nach Rom ist, wo wir uns eventuell treffen wollten. Daraus wird nun nichts, er wurde vor Wochen von einer Zecke gestochen und jetzt hat er ernste Anzeichen von Borreliose. Abbruch und zurück nach Österreich, alles Gute mein Freund!! Nach 63 Kilometer Fahrt bin ich in San Salvo angekommen, hier habe ich ein Bed and Breakfast gebucht. Aber zuvor gehe ich essen, und zwar richtig. Als Vorspeise nehme ich ein Parmigiana (hätte schon gereicht) und dann noch perfekt al dente gekochte Nudeln con Ragù. Dazu ein Bier und zum Abschluss café, schwarz und stark. Für das alles und noch zwei Flaschen Wasser habe ich 26 Euro bezahlt! :-)) Es scheint auch ein Badeort zu sein, ansonsten ist hier nichts das es zu sehen lohnt. Eine sehr moderne Kirche und das wars auch schon. Also beziehe ich mein B&B im 4. Stock eines Wohnblocks, direkt an der SS16 gelegen, dementsprechend laut ist es, aber das Zimmer und Bad sind ok. Obwohl ich jeden Tag meine Tageswäsche im Waschbecken auswasche, geht eine graue Brühe weg. Es ist nicht so warm, dass die Wäsche am Balkon trocknen würde, so missbrauche ich halt den Fön ;-)  Zum allerersten mal musste ich heute den Fahrrad Akku ausbauen und im Zimmer laden, kein Strom in der Abstellkammer in der das Rad steht. Als ich aus dem Fenster schaue sehe ich am naheliegenden Radweg einen Radfahrer und glaube eine rot weiß rote Fahne zu erkennen. Ich mache ein Foto um im Zoom nachzusehen ob es so ist. Es war ein Strassenarbeiter ...... Mit Bildern wird es heute leider wieder einmal nichts :-((

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Tag 10

Von Roseto degli Abruzzi nach Ortona

Gestern ist das Gewitter dann in Regen übergegangen, aber heute ist es wieder schön, aber es hat abgekühlt. Pünktlich um 7:30 serviert mir die Hausfrau mein Frühstück auf die Terrasse, es gibt zwei Panini mit Schinken und Käse, grünen Tee und eine Flasche Orangensaft - den ich später mitnehmen werde. Das ist also die salzige Variante, die mir viel lieber ist, als Kuchen zum Frühstück, wenn es heute auch quasi die Kopie meines gestrigen Abendessens ist ;-) Ich verabschiede mich von der liebenswerten Dame und fahre los. Heute vorwiegend auf wieder mega schönen Radwegen, ich befahre den Ciclovia Adriatica. Nicola hat mir gestern erzählt, dass es bis vor 5 Jahren hier gar keinen Radweg gegeben hat, deshalb ist er so gut in Schuss, weil neu. An einigen Stellen ist er eh noch nicht ganz fertiggestellt und es gibt auch heute wieder die eine und andere Umleitung, natürlich über die ss16, die bezeichnenderweise Strada Stadale Adriatica 16 heißt, ich bin schon gespannt, wie weit hinunter mich diese beiden Adriatica Wege begleiten werden. Ich fahre durch etliche Pinienheine hindurch, deren Schatten ich in den heißen Tagen gerne gehabt hätte, heute ist mir direkt kalt im Wäldchen. Vom Meer bläst ein kühler, eher schon kalter Wind herauf, der bis Mittag wieder ordentlich zulegt, die Surfer scharren bereits in den Startlöchern ;-) Ich habe mir für heute nur eine kurze Tour von 55 km vorgenommen, das hat sich zum einen mit der Quartiersuche ergeben, andererseits verspüre ich mentale Müdigkeit und deshalb gönne ich mir zwei kurze Tage. Landschaftlich hat sich zu gestern  nicht viel verändert, kleine Orte und freies Land wechseln sich ab, die Strände sind meist klein, bis auf Pescara - die grösste Stadt der Region - das lässt sich mit Strandanlagen weiter nördlich vergleichen, allerdings weiß ich eh nie ganz genau, in welchem Ort ich mich gerade befinde. Beim Ansehen der Fotos kann ich sehen, wo ich das Foto gemacht habe und es somit zuordnen kann. Dass dieser Radweg, die Infrastruktur generell vorbildlich ist, habe ich schon öfter erwähnt, aber heute haben die Architekten des Weges noch was draufgesetzt. Sie haben atemberaubend aufwendige Brücken ausschließlich für Radfahrer und Fußgänger errichtet, wobei bei der höchsten und längsten Brücke ganz oben die Radspur und Fußgänger baulich getrennt sind, für mich schwindelerregend, deshalb konnte ich auch nicht stehenbleiben, um von Oben ein Foto zu machen, sorry! Schon seit Tagen begegnen mir auf dem Radweg Skater mit Rollerblades, das scheint hier nicht out zu sein, eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein, sogar Shops liegen am Weg. Dann verlasse ich den Radweg und den Strand, denn mein heutiges Ziel der Ort Ortona liegt auf einem Hügel. Nach h der Ortstafel sind es noch einige Kilometer bis ins Zentrum, es geht ständig bergan, ist aber gut zu fahren weil es ist kurvig und nicht nur eine gerade und steile Rampe wie bei Ancona. Oben angekommen stelle ich fest, zwischen der Stadt und mir liegt noch ein Tal und dann geht es erst richtig hinauf. Abfahrt ist immer gut denke ich mir und brause hinunter, dabei entgeht mir leider die mahnende Information meiner Frau Navi "du hast die Route verlassen, schau auf die Karte" . Erst als ich bei einer Kehre bremsen muss, bemerke ich es - und darf danach wieder hinaufradeln bis zum Punkt , wo ich die Rote verlassen habe. Das erinnert mich an Duncan Lorien, einen genialen Vermittler der Musiktheorie, bei dem ich mehrere Seminare besucht habe. Er hat gesagt, wenn du etwas nicht verstehst, gehe zurück zu dem Punkt wo du aufgehört hast zu verstehen und setze dort wieder neu an! Scheint mir eine Lebensweisheit zu sein :-)) Hoch heroben über dem Hafen bläst der Wind, im Zimmer meines Hotels heult der Wind ums Haus wie im Winter auf einer Almhütte. Der Mann an der Rezeption ist äußerst wortkarg, aber er sagt und zeigt mir das Notwendigste. So kann ich mit dem Rad in die Tiefgarage, Strom gibt es auch, ebenso einen Aufzug. Wie immer zuerst unter die Dusche und Wäsche auswaschen, dann habe ich aber Hunger. Auf Nachfrage wo man um diese Zeit - früher Nachmittag - etwas zu Essen bekommen kann, geizt mein Hauswirt nicht wertvollen Informationen. Er zeigt nach Rechts  und sagt, gibt Viele ;-) Ich finde ein Café das aber auch warme Speisen anbietet. Ich wähle aus der Tageskarte und werde nicht enttäuscht. Selbstredend gibts auch ein Ankommensbier :-) Danach zurück ins Hotel, Fotos von gestern hochladen- funktioniert auch erst im dritten Anlauf - dann die Route für morgen planen, Quartier suchen und den Wetterbericht checken. Es sollte sich ausgehen dass ich vor der angekündigten Schlechtwetterzelle mein Ziel erreiche darum auch wieder nur 55 Kilometer to go. Dann ziehe ich nochmals los und erkunde die Stadt. Für mehr als eine Stunde mal eine andere Bewegung als Radfahren tut mir gut, und es gibt auch einiges zu sehen hier, z.B. eine Burg aus "keine Ahnung" aber ein sehr imposantes Bauwerk. Imposant ist auch die Basilika di San Tommaso Apostolo, die wichtigste Kirche in Ortona in den Abruzzen, sie bewahrt seit 1258 die Reliquien des Apostel Thomas auf, ChatGPT Ende. Es gibt sogar einen eigenen Souveniershop drinnen in der Kirche. Durch die Stadt führt ein breiter autofreier Boulevard mit Shops und vielen Cafés, aber bei genauerem Hinsehen fällt mir der Schmutz in den Seitengassen und etliche herabgekommenen Gebäude und einiger Leerstand negativ auf. Es wird immer südlicher, habe ich den Eindruck. Aber nach den Tagen an der Küste ist es schön, hier heroben zu sein. Ich verspüre noch immer oder auch schon wieder Hunger, da kommt mir ein Kebap Laden gerade recht, jetzt reicht es aber definitiv, ich muss ja noch den Blog schreiben, ehe mich die grosse Sättigung Müdigkeit überkommt. Morgen gibt es Frühstück bereits ab 7 Uhr, das konnte ich dem Schweigsamen schon entlocken. Ein weiterer Joke dieses Mannes, nach meinem. Einchecken und Beziehen des Zimmers ging ich nochmals hinunter zur Rezeption, um den Code für das WLAN zu erfragen. Er nahm einen Zettel und schrieb das Passwort in Grossbuchstaben auf. Ich fragte zur Sicherheit Lettere Grande? Er schüttelte nur energisch den Kopf, und sagte Piccolo :-)))

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Tag 9

Von Civitanova Marche nach Roseto degli Abruzzi

Morgenroutine wie nun jeden Tag, alles ist auf seinem Platz und verkürzt den Aufwand. Gut geschlafen freue ich mich auf das Frühstück, wie vereinbart um 7 Uhr. Um diese Zeit bin ich der einzige Gast und werde wieder sehr freundlich empfangen. Eine Dame erklärt mir in italienischem  Schnellsprech was da so alles vor mir steht. Wie immer nehme ich grünen Tee und vorab ein Müsli mit Joghurt. Ich vermute es handelt sich um ein vegetarisches Frühstück, denn außer hartgekochten Eiern kann ich nichts tierisches erkennen, ich nehm halt ein Brötchen mit Gervais und dazu ein Ei, passt schon. Bevor ich schon aufstehen will, fällt mein Blick auf eine englische Übersetzung des Textes, der über dem Buffet hängt. "Salziges" wie Schinken, Wurst, Käse etc. kann natürlich bestellt werden, liegt nur nicht im Buffet auf. Und schon wieder was gelernt, ab jetzt wird  beim Frühstück zwischen süß (Italienisch) und salzig (International) unterschieden. Kommt für heute zu spät, denn ich bin satt.  Die Fahrt heute - 86 Kilometer - ist eher unspektakulär, Radwege, Radpfade, noch mehr Radwege und immer wieder die ss16. Dreimal muss ich heute baustellenbedingt die Route verlassen, jedesmal ein paar Km auf der ss, da werden Kilometer geschrubbt und um die Mittagszeit hab e ich schon über 60 km geschafft. Den Strand betreffend wechseln Abschnitte mit Schirm Infrastruktur sich mit vioelen langen freien Stränden. Wieder sind die Straße entlang der Strände vollgeparkt, aber es ist nicht mehr so viel los wie gestern, als die Familien am Sonntag die Strände stürmten. Es gibt hier auch auffallend viele Campingplätze, die auch schon recht gut besucht sind. Ein Campingplatz springt mir sofort ins Auge, Led Zeppelin Camping! Led Zeppelin war die Lieblingsband meines Freundes Hansl, der ja leider unlängst verstorben ist. Die Trauerfeier im Zeremonium begann mit Whole Lotta Love von Led Zeppelin, und ich werde immer an ihn und diesen traurigen, denkwürdigen Moment denken, wenn ich Zepp höre! Jetzt fällt es mir schwer, den Faden wieder aufzugreifen...... Zu meiner rechten Hand erstecken sich Hügel, die Ausläufer des dahinter liegenden Apennin. Wenn die Landschaft auch beeindruckend schön ist, bin ich doch heilfroh hier herunten entlang der Küste zu cruisen. Um 14 Uhr bin ich schon in meinem heutigen Quartier angekommen, ein privates Bed and Breakfast namens La Gran Dama, denn im Vorgarten liegt diese steinerne Gran Dama. Mein Zimmer ist ebenerdig mit Terrasse, mein Rad kann mit ins Zimmer. Der Sohn des Hauses, Nicola, spricht sehr gut Englisch, wir unterhalten uns und spontan lade ich ihn auf ein Bier ein - das ich aber erst in einem nahegelegenen Supermarkt shoppen muss ;-) Der Tag war sehr warm, nicht mehr so heiß, ich freue mich auf das Bier und Konversation mit Nicola. Am Weg zum Supermarkt bemerke ich dass der Himmel zuzieht, und zurück auf der Terrasse beginnt es leicht zu regnen, hört aber sehr bald wieder auf und es klart auch wieder auf. Nicola ist 27 und macht gerade die Ausbildung zum Offizier, er fährt bei Aida Cruises zur See. Genau mein Thema, wir unterhalten uns prächtig :-) Gleich einmal um den Block sagt er mir dann gibt es eine Wäscherei, das kommt mir sehr gelegen. Ich gehe hin, ein sehr netter Mitarbeiter erklärt mir die Miele Gewerbe Maschinen und nach einer Stund habe ich frisch gewaschene und auch getrocknete duftende Wäsche. Das kriege ich mit dem täglichen Durchspülen im Waschbecken natürlich nicht so hin. Nachdem ich dann feststellen muss, dass im näheren Umkreis kein Restaurant vor 20 Uhr öffnet, gehe ich eben nochmals zum Supermarkt. Ich bin ja wirklich nicht anspruchsvoll, aber jetzt wird es dann wieder mal Zeit für ein ordentliches Essen, sonst nehme ich glatt noch ab ;-)) Was ich heute früh gelernt habe, kann ich hier bereits anwenden, denn Nicolas Mutter fragt, Frühstück süß oder salzig :-)  Mittlerweile geht gerade ein Gewitter nieder, schade, ich wäre gerne auf der Terrasse gesessen um den Blog zu schreiben, bei angenehmen Temperaturen wie sie die Abende vorgeherrscht haben. A domani !  Fotos folgen ......... 

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Tag 8

Von Ancona nach Civitanova Marche

In einem Schloß zu wohnen ist schon eine schöne Sache, alles war sehr edel, das Badezimmer ganz in Marmor, die Keramik von Villeroy & Boch, nur das Bett entsprach nicht dem Standard, ein eher wackeliges Gestell. Auch die Stiegenhäuser verbreiten einen Hauch von Luxus - bis man dann den Frühstücksraum betritt und sich in ein Bahnhofsbuffet versetzt fühlt. Aber hey, ich will ja eh nur frühstücken, und Bescheidenheit ist angesichts der Auswahl auch angebracht. Vor dem Frühstück habe ich bereits mein Rad abfahrbereit gemacht und bin nicht mit dem Lift, sondern durch das Stiegenhaus nacht unten gegangen, um noch Fotos zu machen. Unten angekommen ist allerdings die Tür verschlossen (Achtung, Fluchtweg!!!) also wieder hinauf in den 3. Stock. Morgensport denke ich mir, wenn ich da gewusst hätte, welch sportliche Herausforderung mich heute noch erwarten sollte. Ancon liegt ja auf einem Hügel, hindurchfahren wollte ich nicht, so wählte ich eine Umrundung durch das Hinterland. Aber auch das Hinterland ist ein Hügel, nein viele Hügel, und die Anstiege sind teilweise dermassen steil, dass ich mit dem niedrigsten Gang und trotz maximaler Unterstützung oft kaum den Berg hochkomme. Hat man einen Berg geschafft und braust auf der anderen Seite wieder runter, wartet bereits der nächste Hügel auf mich. Ich fahre eher gemächlich hinunter um mich für den kommenden Anstieg ein wenig zu erholen. Nach nicht einmal 15 Kilometer ist auf meiner Anzeige bereits der erste Balken der Akku Kapazitätsanzeige verschwunden, so wie auch meine Kräfte schwinden. Die fahrt geht zumeist über ruhige Nebenstrassen, aber auch Schotterpisten, und dann wird's auch noch eine derartige Rumpelpiste über mehrere Kilometer, hinauf wie hinunter :-( Zwei Italiener fragen mich nach dem Weg - wie spassig - ich kann ihnen natürlich nicht sagen, wie der Ort heisst den sie meinen. Ich sage nur, it´s steep, da lacht einer und sagt, here is everything steep, nur die beiden hatten ultraleichte Gravelbikes, da hat man leicht lachen :-))  Nach jedem Anstieg hoffe ich dass die Tortur bald ein Ende hat, aber es ist immer wieder noch ein Hügel zu überwinden. Es ist so ähnlich wie in der Toskana, nur steiler. Vergleiche ich meine Fitness mit vor zwei Jahren, als ich über den Apennin nach Rom geradelt bin, sieht es nicht so gut aus. Liegt es daran dass ich unvorbereitet gestartet bin, oder dass ich ein paar Kilo mehr habe, oder einfach dass ich älter geworden bin? Wahrscheinlich von allem etwas, aber anyway, ich bin  hier, froh und dankbar, es überhaupt machen zu können!!! Hätte ich allerdings  diese Prüfung am ersten Tag dieser Reise gehabt, wäre ich abgestiegen und beim nächsten Bahnhof nach Hause gefahren ..... Die Landschaft ist ja wirklich sehr schön, vor allem im Vergleich mit der schon eintönigen Strandkulisse der letzten Tage, aber ich habe kaum ein Auge dafür. Endlich sehe ich in der Ferne wieder das Blau des Meeres auftauchen, es scheint ich habe es geschafft. Noch nicht ganz, einmal geht noch, dann aber hinunter an die Küste :-) Ich muss gestehen, für die nächsten Minuten sah ich die Szenerie entlang des Meeres mit anderen Augen, eher Rosa gefärbt ;-) Es waren 26 Kilometer uphill downhill für die ich zwei Stunden brauchte. Dazwischen hörte ich immer wieder Hans Knaus sagen, die Oberschenkel müssen brennen, check! In Porto Recenati verläuft ein grosszügiger autofreier Boulevard zwischen sehr ansprechenden und sehr bunten Häuserzeilen und dem eher schmalen Strand, hier dachte ich mir, würde ich es sicher eine Woche aushalten, muss ja nicht in der Hauptsaison sein. An diesem Küstenabschnitt ist so gut wie alles entlang der Strasse und auch in den Orten jeder Platz verparkt, und jetzt wundert es mich auch nicht mehr dass auf Booking hier kaum ein freies Quartier ausgewiesen wird, und wenn, dann sehr teuer. Das ist auch mein Problem bei der Tourenplanung und der Grund, warum ich heute nur 65 km gefahren bin. Es war einfach nicht möglich, etwas passenderes zu finden. Morgen fahre ich wieder über 80 km, wieder unter diesen Vorzeichen. Ich suche eine Pasticceria, finde aber keine, so bleibe ich an einer Strandbar mit Namen Peter stehen, um meinen Cappuccino zu trinken. Was soll ich sagen, der Name alleine macht´s nicht ;-) Es war wieder so eine Milchlacke (mein Freund Peter würde ihn lieben) also holte ich mir noch einen Espresso zum dazu gießen. Wurde damit aber auch nicht wirklich besser. Schade,  denn ich trinke nur einen Kaffee am Tag und wurde schon zweimal enttäuscht. Es wurde sehr bald wieder sehr heiß, ich war froh heute nur eine kurze Etappe zu haben. Ein "Highlight" auf der Strecke war noch eine Fußgänger und Radunterführung, Kopf einziehen alleine war zu wenig. Umso weiter ich nach Süden komme, umso schöner wird die Farbe des Meeres, bin neugierig was da noch kommt. Als ich um 13 Uhr bei meinem Quartier ankomme lese ich, check in ab 14:30 also ein paar extra Kilometer hinunter zum Strand, denn das Hotel liegt nicht zentral. Am Strand bekomme ich gerade noch einen Platz in einem Strandrestaurant, und ich bekomme wonach mich schon seit Tagen gelüstet, weil dieser unverwechselbare Duft oft in der Luft liegt - Calamari :-) Danach,  pünktlich um 14:30 wird mir Einlass gewährt  - im La Radice Country House Hotel. Ein freundlicher junger Mann - Stefano der Junior Chef des Familienbetriebs - empfängt mich mit meinem Namen und übergibt mir die Zimmerkarte zu einem sehr schönen Einzelzimmer. Der Schreibtisch an der Rezeption ist ein alter Seitenaltar, cool. Normalerweise gibt es Frühstück ab 8 Uhr, aber auf Nachfrage hat er mir Frühstück schon ab 7 Uhr zugesagt. Ich fahre lieber so früh als möglich ab, denn am Nachmittag wird es schon deftig warm. Bei meiner Frage nach einer Garage für mein Rad muss er leider verneinen, es gibt auch keine Lademöglichkeit, aber Stefano hat eine Lösung (Wille/Weg Prinzip) Im ersten Stock gibt es auf der Aussentreppe - unter der mein Rad steht - eine Steckdose, von der lässt mir Stefano ein Kabel herunter baumeln, eccola, da ist sie die Lösung. Danke Stefano! Das Hotel verfügt auch über einen Pool, es ist fantastisch endlich selbst mal zu schwimmen, in einem Pool der noch dazu für Stunden nur mir gehört, und nicht nur den Touristen dabei zuzusehen ;-) Ich mache ein feines Nickerchen am Pool, danach einen Videocall mit meinem Opa Mädi <3 da geht mein Herz auf, wenn ich sie sehe! Wie es aussieht, gibt es heute kein liebgewonnenes Ankommensbier, denn eine Bar gibt es nicht, Wieder ist es Stefano, der mir ohne das ich danach gefragt habe, aus seinem Privathaushalt ein Bier kredenzt, und nichts dafür nimmt, was für ein Service!! Abendessen gibt es im Zimmer, denn wegfahren möchte ich heute keinesfalls nochmal. Zwei "gesunde" Kinder Früchteriegel, die ich mir genau für solche Situationen mitgenommen habe machen auch satt und  es gibt eh schon bald wieder Frühstück, und dann ab nach Roseto degli Abruzzi. Laut Ventusky könnte es in den nächsten Tagen Regen geben..... 

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Tag 7

Von Cattolica nach Ancona

Jetzt ist es schon Routine um 6:30 aufzustehen und in max. 1 Stunde fertig gepackt zu sein, entweder zum Frühstück oder gleich ab auf die Piste, ausser es gibt schon - was äussesrt selten vorkommt - Frühstück schon ab 7 Uhr. Oggi colazione dalle 7:30. Der Frühstücksraum befindet sich im 6 Stock des Hotels mit natürlich schöner Aussicht, dafür ist das Frühstück eher bescheiden, aber Rührei und grüner Tee sind eh OK. Um 8 steige ich auf und radle aus Cattolica hinaus und erreiche kurz darauf Gabicce Mare. Das wars dann mit den so wohlbekannten Badeorten der nördlichen Adria. Ich bin wieder zurück auf der ss16, aber in Italien scheint schon den ganzen Samstag LKW Fahrverbot zu herrschen, kein Schwerverkehr macht das Fahren doch um einiges angenehmer und auch nicht ganz so laut. Dazu fällt mir auch gleich ein weiteres Plus auf, der Wind der gestern so hart gegen mich gearbeitet hat, hat sich heute verabschiedet, und auch die Temperaturen sind angenehm. Da ist die erste Bergwertung auch kein grosses Problem, Aber sofort wird das Gepäck spürbar, das den Berg über 5 Kilometer hochgeschleppt werden muss. Dafür wird die schweißtreibende Mühe mit einer rasanten Abfahrt von 55 KmH in einer 50er Beschränkung vergolten. Hätte ich auch nicht gedacht dass ich mit dem Rad jemals auf einer Schnellstraße eine Geschwindigkeitsübertretung begehen würde ;-)  Bald durchfahre ich Pesaro, eine Stadt die man auch nicht unbedingt gesehen haben muß. Dann erreiche ich Fano, in der ganzen Stadt - zumindest entlang meiner Strecke - werden Marktstände aufgebaut, hier wird wohl ein grosses Fest stattfinden. Der Küstenabschnitt des heutigen Tages scheint nun das Italien der Italiener zu sein, ich habe auf der gesamten Strecke nur zwei Autos gesehen ohne italienisches Kennzeichen. Ganz anders als die Tage zuvor. Wochenende ist ja auch, das Wetter ist toll, also strömen die Einheimischen ans Meer. Alles wirkt entspannter, nicht mehr an jeder Strandbar dröhnende mpf, mpf  Musik, und sehr viele Strandabschnitte ohne jegliche Schirme und Liegen, die bringen die Leute selbst mit, oder liegen einfach so in der Sonne. Hier gibt es auch keine Bettenburgen, dafür fehlt der Platz, denn im Hintergrund ist es sehr hügelig, zwischen Meer und Hügel verläuft eine Strasse und zwei Bahngleise und der Lungomare, fertig. Irgendwann treten die Hügel dann weiter in den Hintergrund und es gibt auch wieder genügend Hotels, dennoch ist es anders als von Gabicce Mare nordwärts. Die Strasse zwischen den Ortschaften ist zugleich Parkplatz für die zahlreichen Badegäste. Erkenntnis des Tages, Italiener gehen nicht zum Schwimmen ans Meer, sondern sie stehen im Wasser, basta! Fast über den gesamten Küstenabschnitt verläuft an den Badestränden ca. 200m parallel zum Ufer eine aufgeschüttete Felsbarriere zum offenen Meer. In dieser sich daraus ergebenden Luxusbadewanne staksen sie durchs Wasser, das aufgrund der geringen Tiefe sicher schon angenehm warm ist. Der schönste Ort des Tages ist Senigallia für mich. Ich erreiche es um halb zwölf und fahre vom Radweg weg, da ich einen Kirchturm sehe der mich vermuten lässt, dort könnte es eine Bar geben, wo ich im Schatten einen Kaffee trinken möchte, habe ich doch schon 55 Kilometer in den Beinen. In einer schattigen Seitengasse, nicht so spektakulär wie erhofft, schlürfe ich mein Heißgetränk, einen ausgezeichneten Cappuccino :-) Hier bekomme ich mein erstes Wasser im Tetrapack, ob das wirklich weniger umweltschädlich ist als die Flaschen? Als ich aus dem Gewirr dieser Stadt wieder den Weg zurück auf meine Route suche, verfahre ich mich. Gut so, denn so bekomme ich ein sehr schönes Fotomotiv geschenkt. Eine Burg aus der Römerzeit taucht überraschend nach einer Kurve auf, und auf dem römischen Platz der zu dieser Anlage gehört, ich auch gerade Markttag. Senigallia habe ich für mich mit "blauer Radweg" übersetzt, nirgendwo davor war der Radweg in so strahlendem blau gehalten. Auf dem Radweg fahrend, erhasche ich aus dem Augenwinkel einen Schriftzug "rikki tikki tavi" Ich bremse und schlage einen Haken um 90 Grad - und schon liege ich auf der Schnauze, nix passiert! Dabei habe ich nur RIKI gesehen, das mich instinktiv anhalten ließ ;-) Es gab ein gutes Eis, das den Stopp absolut rechtfertigte, und eine Toilette gab es auch :-) Mittlerweile ist es auch wieder heiß geworden und ich schaue zu, dass ich weiter komme, denn es geht immer gerade entlang des Strandes, an dem immer weniger Menschen zu sehen sind weiter und weiter. Plötzlich ist der Radweg zu Ende, und ehe ich´s mich versehe, fahre ich über ein Rohr mit ca. 60cm Durchmesser über einen Graben. Jetzt nur nicht das Gleichgewicht verlieren, sonst liege ich im Graben. Wenn ich die Zeit zum Überlegen gehabt hätte, ich weiß nicht ob ich drüber gefahren wäre. Am anderen Ende sagt mein Navi, folge dem Single Trail für zwei Kilometer. Aber das ist kein Single Trail! Es sind Felsen unter überhängenden Sträuchern, die dann in eine tiefe Schotterpiste übergehen. Ein einsamer Sonnenanbeter liegt am Strand und wundert sich sicher über mich, ich auch! Es ist mega anstrengend das Rad zwei Kilometer durch den Schotter zu schieben, aber auch das hat einmal sein Ende und erreiche wieder einen Radweg. Der führt nun über eine Brücke, bei der die Holzplanken in Längsrichtung verlegt wurden, und teilweise beginnen die Plankenenden sich aufzustellen, eine echte Meisterleistung des Brückenbaus! Dann erreiche ich auch schon Ancona, mit einer grossen Raffinerie auf der linken Seite und auch sonst einem eher tristen Erscheinungsbild , alles erscheint schmutzig und vernachlässigt. Ich kämpfe mich durch den Verkehr und bin heilfroh, als ich an meiner letzten Abzweigung vor meinem Hotel abbiege. Aber da geht es sogleich ordentlich zur Sache einen Berg hinauf mit 18% Steigung, da hilft nur noch der Turbo. In meinem Kopf sing Hansi Djumic "warum soll ma uns quöl'n....."  Recht hat er :-) Aber runter fahre ich da heute sicher nicht nochmal! Ich stehe vor einem verschlossenen Tor und melde mich an der Sprechanlage an, das Tor öffnet sich und ich stehe vor einem Schloß. Wollte eh schon immer mal in einem Schloß wohnen ;-) Das Haus und die Lage sind wirklich beeindruckend, und sehr groß, ich habe eine kleines Zimmer im dritten Stock. Auch gibt es ein Restaurant im Haus, aber nicht für mich, denn 20 Uhr ist zu spät. Was soll´s, ich checke Google nach offenen Lokalen in der Umgebung und entscheide mich für das naheliegendste, einen Conad Supermarkt. Also muss ich heute doch noch einmal hinunter und dann den Berg wieder hoch fahren. Ohne Gepäck spürbar leichter! So komme ich zu meiner ersten Parmigiana und einen Salat nehme ich auch mit, sowie zur Sicherheit noch zwei Flaschen Bier, ich habe Hunger und Durst! Zurück im Zimmer falle ich darüber her - und hätte es beinahe nicht geschafft, alles wegzuessen. Das zweite Bier steht auch noch ungeöffnet herum, die Augen waren mal wieder grösser...... Das Zimmermädchen wird sich morgen vielleicht freuen ;-)) Die Planung der Weiterfahrt gestaltet sich schwierig, ich muss das Wunschziel mit verfügbaren Quartieren abstimmen, und leistbar soll es auch sein. Mein Hotel morgen kostet 102 Euro und war das günstigste das zu bekommen war. Morgen ist ja Sonntag, ciao, a Domani :-)   Danke Anita für das letzte Foto ;-))

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Tag 6

Von Fosso Ghiaia nach Cattolica

Das Bett war gar nicht so schlecht wie befürchtet, aber der Lärm von der Straße durch die ganze Nacht, der war beträchtlich. Fertig gepackt stehe ich kurz nach sieben vor leider verschlossenen Türen, Frühstück gibt es erst ab 8 Uhr. Das ist mir zu spät, also muss ich - obwohl bezahlt - wohl oder übel darauf verzichten. Also wieder hinaus auf die altbekannte Piste, die ss16 in der Morgen Rushhour. Weiter nördlich hat es wahrscheinlich geregnet, es sind noch dicke Wolken dort zu sehen. Auch hier ist es leicht bewölkt und es hat ganz leicht abgekühlt, wobei, es fällt das Thermometer in der Nacht nicht unter 20 Grad. Gut dass ich früh unterwegs bin denke ich mir und radle los - heute übrigens mit Radhose. Gleich realisiere ich warum die dicken Wolken hinter mir liegen, denn der Wind kommt von Vorne, und zwar recht heftig. Nach kurzer Zeit sehe ich am Straßenrand ein bekanntes Emblem, Eurospar.Da hole ich mir mein Frühstück, Pizzastück und Wasser, dazu AloeVera Saft. Auf einer schattigen Bank lasse ich es mir schmecken, obwohl einen Schattenplatz brauchte ich bei der Bewölkung gar nicht, und das bleibt heute die vorwiegende Wettersituation bis zum frühen Nachmittag. Die ss kann ich alsbald verlassen und erreiche nach kurzer Fahrt über Nebenstrassen und auch Radwege wieder einen Parco Nationale den ich auf einer gepflegten Schotterpiste durchquere. Durch die Bäume wird der Wind etwas abgehalten, so habe ich auch ein Auge für die Schönheit dieses Parks, mit wieder auffallend vielen Vogelstimmen. Apropos Vogelstimmen, gestern habe ich in einem Vorort von Ravenna das weithin hörbare Rufen eines Pfaus gehört. Da ist mir wieder eingefallen kürzlich in der Zeitung gelesen zu haben, dass eben hier bei Ravenna eine Pfauenplage vorherrschen soll, der man nicht Herr wird. Gesehen habe ich keinen, gehört habe ich den Ruf mehrmals. Wer hätte gedacht dass ein edles Tier wie ein Pfau, den man z.B. im Park des Schlosses Eggenberg bewundert wenn er sein Rad schlägt, anderswo zur Plage werden kann. Quasi Überbevölkerung ;-)  Am Ende des Parks besuche ich einen stimmungsvollen und sehr gepflegten Friedhof, es ist mir bewusst, dass meine Beschreibung und ein Foto die Stimmung nicht wiedergeben können. Weiter geht's und ich erreiche das Meer, von wo auch der Wind herkommt und dementsprechend zulegt:-( Hier beginnt nun die Torismusmeile des heutigen Tages im Ausmaß von über 50km von knapp 80. Noch wird fleißig gepinselt und geputzt und die Pools werden wieder mit Wasser gefüllt. Wenn ich es richtig verstanden habe, beginnen sehr bald im Juni die Ferien hier in Italien, dann geht es wahrscheinlich richtig los, denn Kinder im Schulalter sieht man noch kaum, abgesehen von den zahlreichen geschlossenen Schülergruppen im Ausflugmodus mitsamt ihrer Lehrerschaft. Auch die ganzen Spiel -und Sporteinrichtungen sind noch verwaist. Die meisten dieser 50+ Kilometer verlaufen entlang der Küste durch Orte wie Cervia, Cesenatico, Rimini, Riccione bis ich in Cattolica ankomme. Ausser in Rimini war mir nie ganz klar, wo gerade ich durchfuhr, kein Anfang und kein Ende, es müssen hunderttausend Schirme nur in diesem Küstenabschnitt sein, grauslich! Ich möchte hier auch nicht durchfahren, wenn  die Saison begonnen hat, es war heute schon schwierig genug. Den Radweg oder Lungomare zu befahren ist ein ständiges Stop and Go, aufgrund der Fußgänger, mit denen man sich die Wege teilt. Un wo gehen die Menschen meistens? Ganz klar, in der Mitte, und sind dann auch noch ungehalten, wenn man klingelt. Dazu der permanente Gegenwind!. Wenn zwischen den Hotelzeilen sich eine Lücke auftut, kommt ein derart heftiger Windstoss, dass es mich mit dem Rad versetzt. An manchen ungeschützten Abschnitten bläst der Wind den Sand vom Strand herauf, und auf einmal erkenne ich, ich bin wieder im Flow, wenn mir spontan und situationsbezogen durch den Kopf geht und raus will, denn es singt Roy Black in meinem Kopf " es war nur Sand, in deinen Augen ..." :-)  Der Wind ist also nicht des Radlers Freund, umsomehr genießen heute die Surfer die Verhältnisse, vor allem Kitesurfen scheint der Trend zu sein. Spektakulär zuzusehen! Die Erkenntnis des Tages lautet, nicht jeder Kaffee in Italien ist automatisch ein guter Kaffee! Wieder habe ich an einer Pasticeria angehalten, um mir einen Cappuccino zu gönnen. Es war eine Milchsuppe mit Kaffeegeschmack ;-) Aber ich bin sicher, es war eine Ausnahme! Bei der Weiterfahrt stehe ich plötzlich - vom Navi geführt - an einem Fluss an. Sch... Navi denke ich, da sehe ich erst, es kommt gerade ein Gefährt vom anderen Ufer herüber, eine Fähre. Sorry Navi, aber es wäre durchaus möglich gewesen. Wenn ich auf einer ss unterwegs bin, ist es so laut dass ich das Navi nicht hören kann. Nicht so schlimm, denn auf die Ansage sich zu verlassen, wäre fatal. Mein Navi hat eine ausgeprägte Rechts-Links-Schwäche. Ich sehe z.B. auf der Karte und auch schon in der Ferne eine Linkskurve auftauchen, doch das Navi meint, bei nächster Gelegenheit rechts abbiegen :-) Seit ich das geschnallt habe, kommen wir gut miteinander aus, es ist ja auch eine Sie ;-)  Der Fährmann fragt mich nach dem woher und wohin, als ich ihm mein Ziel Apulien nenne, muss er das sofort den Anwesenden lautstark verkünden und die nicken anerkennend, zum Abschied wird gewunken :-) Rimini war heftig, ich musste durch die Stadt - die nicht schön ist - zur Mittags Rushour. Gleich wieder abhaken und dort nicht mehr hin müssen. Mir war heute entlang der Küste aufgefallen - Aushnahme Rimini -  dass es nicht diese Skyline von zehn -und nochmehrstöckigen Hotels gibt, wie z.B. in Jesolo gesehen. Hab wohl nicht genau hingesehen, denn ich sitze jetzt auch im 7.Stock meines Hotels in Cattolica ;-) Das Haus hat auch ein Restaurant, allerdings erst ab 20 Uhr geöffnet. Oliver, ein deutschsprechendere Angestellter aus Südtirol meinet nur, das ist eh früh für Italiener, die üblicherweise erst um 21 Uhr zum Essen gehen. Ich bin Österreicher und esse nach Möglichkeit früher. Gleich um die Ecke ist ein Imbiss, das muss heute reichen. Es wird ein Burger mit Pommes und einem Bier, passt, satt! Morgen heißt das Ziel Ancona. Wieder einmal ist das WLAN zu schwach um Fotos übertragen zu können .......

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Tag 5

Von Agriturismo Valle nach Fosso Ghiaia

Die Nacht ohne überfüllten Magen hat mir gut getan, ich hab sehr gut geschlafen, das werde ich auch heute wieder so halten. Frühstück wird erst ab 8 Uhr angeboten, aber nach kurzem Gespräch mit der netten Gastgeberin war sie gerne bereit, mir schon um 7:30 die Tür zum Frühstücksraum zu öffnen. Nachdem ich wieder um 6 Uhr aufgewacht war, stand das Rad um 7:30 abfahrbereit vor der Tür. Ich wurde mit einer Karaffe Orangensaft begrüßt und nach meinen Wünschen gefragt. Neben all den angebotenen typisch Italienischen Guten Morgen Süssspeisen sagte ich zu einem Omelett mit Käse gerne ja, dazu grüner Tee und dann auch noch Joghurt. Das Omelett kam frisch gebraten aus der Küche und war mit Kräutern fein abgeschmeckt, den Geschmack habe ich aber nicht erraten, aber köstlich wars allemal. Danach servierte sie mir das Joghurt und mit einem Lächeln reichte die Nette mir auch ein süßes Stück, ganz ohne wollte sie mich wohl nicht gehen lassen ;-) Der Gesamteindruck dieser Unterkunft ist einfach nur grossartig!  Kurz nach 8 Uhr gehts wieder los, der Sattel und ich sind noch nicht best friends um diese Tageszeit, und ob wir es jemals sein werden, wird sich bis zum Ende der Reise herausstellen. Eine Erkenntnis hat mir diese Reise bisher schon gebracht: " Neu ist nicht automatisch Besser " .   Ich habe mir heuer - sobald die Schi aus den Geschäften ins Sommerlager verräumt, und Räder wieder in den Vordergrund gerückt wurden  - ein neues Bike gekauft. Wollte ich schon letztes Jahr, da war es nicht lieferbar. Also frühestmöglich zum Dealer des Vertrauens nach Zerlach gefahren und das neue Cube Stereo Hybrid One22 in indigoblue´n´blue  bestellt. Warum? Gute Frage, habe ich doch ein Rad das mich schon einige tausend Kilometer zuverlässig pannen -und unfallfrei durch die Lande fährt. Als ich dieses Rad 2021 kaufte hatte ich vom Tourenfahren noch wenig Ahnung. Das Bike hat war ein reines Mountainbike und musste erst zu einem Tourenrad hochgerüstet werden, was zu der Zeit noch aufwendig war, die passenden Komponenten zusammenzufinden. Das hat ja bekanntlich gut geklappt, aber eines der wichtigsten Kriterien für meine Wahl war die Höhe des schräg abfallenden Oberrohrs. Um bei eventuell notwendigen unvorbereiteten "Absitzern" nicht schmerzhaft auf die Stange "aufzusitzen" (jeder Mann weiß wovon ich spreche) wählte ich kurzgesagt den Rahmen danach aus, und das war der Rahmen in S, bei meiner Körpergröße von 184 cm definitiv zu klein, wie mir der Meister beim Bikefitting erklärte. Es war also ein Kompromiss das Rad auf meine Proportionen einzustellen, ganz ist es nie gelungen. Jetzt hat das Rad Rahmengrösse XL und zusätzlich wollte ich ein Fully, also auch hinten gefedert. Soweit, so gut. Aufgrund zweier sehr schmerzlicher Verluste innerhalb der Familie - wozu ich auch meinen liebsten Kindheits und Jugendfreund zählen darf - war meine Radreise selbstredend aus dem Fokus gerückt, der ursprünglich geplante Termin verschoben. Als ich am Sonntag den 24. dann losfuhr, war die Fahrt zum Grazer Hauptbahnhof meine erste Fahrt mit dem neuen Rad, und so fühlte es sich an, fremd! Bis heute suche ich noch die richtigen Tasten am Lenker, die Schiebehilfe habe ich noch nicht gefunden, hätte sie aber in Udine am Bahnhof gut gebrauchen können ;-) Aber es wird jeden Tag besser, vor allem seit ich die Unterstützungsmodis umgestellt habe. Das neue Bosch System bietet 14 verschiedene Unterstützungsstufen, aus denen man vier auswählen kann. Jetzt habe ich genau diese vier ausgewählt die ich auch auf meinem ersten Rad habe, und siehe da, es läuft viiiiiel besser, ich fühle mich einfach wohler damit. Never change a winning Team ;-) Normalerweise fahre ich nur brettharte Sättel, viele probiert, keiner hat mich bisher zufrieden gestellt. Also habe ich einen Tag vor meiner Abreise auch gleich noch einen neuen Sattel (Nr.8) montiert, erstmals einen leicht gepolsterten. Wie gesagt, Freunde sind wir noch nicht, auch nicht am Nachmittag ;-)   Auf Tour fahre ich eigentlich immer mit Fahrradunterhose. Auch da habe ich mir zwei neue gekauft, ohne jemals damit gefahren zu sein habe ich sie eingepackt, war auch nicht sehr klug, denn eine drückt sehr unangenehm. Nachdem der Sattel gepolstert ist, bin ich die beiden letzten Tage überhaupt ohne Radhose gefahren, ist aber auch nicht die glücklichste Lösung bei den vorherrschenden klimatischen Bedingungen :-( Anyway, ich wollte ja nur vom heutigen Tag berichten und bin wohl etwas abgeschweift :-) Die Fahrt begann auf eine Schotterpiste, die aber bald in eine wenig befahrene Nebenstraße mündete. Es war leicht bewölkt, in der Ferne hörte ich es donnern, in Fahrtrichtung bauen sich Wolkentürme auf. Regen ja, denke ich mir, aber bitte kein Unwetter! Aber es kommt nichts und so bleibt es den ganzen Tag. In Comacchio gibt es einige lohnende Fotomotive, die Stadt ist von Kanälen durchzogen. Kurz darauf erreiche ich schon das nächste Highlight, den Parco Regionale Delta del Po. Auf einem sieben km langen Damm fährt man durch diesen Naturpark, links und rechts nur Wasser und unzählige unterschiedlichste Vogelstimmen sind zu hören. Auf der ganzen Strecke kommt mir nur ein Radfahrer entgegen, sonst bin ich allein und mir wird bewusst, wie weit entfernt von der Natur ich zivilisierter Mensch schon bin, denn es gehen mir gGedanken durch den Kopf, wie, was wäre wenn mir jetzt etwas passieren würde, und bin doch nur sieben km vom nächsten "Zivilisten" entfernt, also schüttle ich diese Gedanken schnell wieder ab und erfreue mich an der Schönheit der Natur. Ich bin dankbar hier sein zu dürfen, es auch zu können was ich gerne mache und tue, und schon geht´s mir gut. Ich sehe Flamingos und weitere Vögel die ich nicht kenne, auch ein Biber kreuzt meinen Weg, und seltsamerweise gibt es hier mitten im Wasser keine Mücken. Dachte ich mir, denn als ich dann am südlichen Ufer auf einer Landesstrasse weiterfahre, begleiten mich wieder Scharen dieser Quälgeister. Ich erreiche den Ort Alfonsine, nachdem ich heute schon durch Gloria und Anita gefahren bin. Hier stoppe ich bei einer Pasticeria, trinke wieder einen Cappuccino samt einer Mehlspeise, es ging bei dem Angebot gar nicht anders. Zudem fragte ich ob ich das WLAN benützen darf, ich wollte den Blogbeitrag von gestern hochladen, aber auch deren WLAN war zu schwach für eine vernünftige Übertragung. Wenigstens mein heutiges Quartier konnte ich buchen. Weiter geht´s wieder auf der ss16 mit bekanntem Verkehrsaufkommen, dafür gleich ganz ohne Seitenstreifen. Heute bin ich für viele Kilometer aktiver Verkehrsteilnehmer der Strasse! Wenn die ss16 einen Ort passiert, gibt es meist so etwas wie einen heruntergekommenen Radweg, aber wenigstens weg von der Piste, wenn auch meist nur kurz. Ravenna ist bald erreicht, die erste Großstadt auf meiner Reise, ich glaube Udine ist sicher kleiner. Jedenfalls wie die meisten Großstädte gibt es nicht viel Sehenswertes , bevor man nicht das Centro Storico erreicht. Aber auch das hat mich nicht umgehaut, ich glaube ich bin zu verwöhnt von den schönen Altstädten der Toskana. Für Fotos reicht es aber natürlich sicher, aber das erhebt auch keinen Anspruch auf Richtigkeit, ich habe nur einen Abriss, einen kleinen Teil gesehen. Bei einem Conad Supermarkt gönne ich mir wieder einen köstlichen Mittagssnack, einen feinen Salat. Von meinem Platz habe ich mein Rad draussen immer im Blick und kann mein Essen ungestört genießen. Auf der Weiterfahrt zu meiner Absteige muss ich noch einen Umweg machen und lande schlussendlich wieder auf der ss16, an der auch das Hotel liegt. Mein Rad durfte ich hinter dem Gebäude in einer Kellergarage abstellen, an den Rohren und Installationen dort kann man erkennen, welch alter Schuppen das schon ist. Das Zimmer ist aber seh sauber und groß genug , auf das Schlaferlebnis auf der raunzenden Federkernmatratze bin ich schon gespannt, ich werde berichten ;-) Gestern und heute waren es rund 160 km Fahrt, morgen fahre ich nach Cattolica :-) 

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Tag 4

Von Chioggia nach Agriturismo Valle 

Zuallererst noch ein paar Fotos vom Vortag aus Chioggia, das Synchronisieren mit dem iPad hat etwas länger gedauert.

Heute bin ich vor 6 Uhr ohne Wecker erwacht, deshalb habe ich es auch geschafft zu frühstücken und gleich um 7:30 auf dem Rad zu sitzen. Ich folge dem Navi, das mich zielsicher aus Chioggia hinaus führt. Dabei komme ich auch an einer Schule vorbei, es ist Rushhour. Wieder begegnen mir diese Selbstfahrer, die in Höchstgeschwindigkeit in Richtung Schule brausen. Die Frage nach dem Helm erübrigt sich. Schnell noch ein Foto von Chioggias Altstadt über das Meer geschossen, dann ab durch eine großzügige Unterführung hindurch, auf Radwegen und auch auf Nebenstraßen geht´s dahin, und als ich endlich das Ortsschild von Chioggia sehe, erkenne ich, wie groß dieser Ort eigentlich ist! Im Vorjahr hielten wir uns ja nur im Bereich der schönen Altstadt auf. Heute ist es ein wenig bedeckt, aber dennoch ist es sehr warm. Einmal fahre ich eine ruhige Strecke entlang eines Kanals, und da sind sie wieder die ich nicht bestellt habe, die dichten Schwärme von Mücken. Ich muß mir das Fluchen unterdrücken, sonst landen zuviele im Mund. Zum Glück ist es ein kurzer Abschnitt, dann ist es auch schon wieder vorbei. Ich halte an einer Bar und trinke meinen ersten Kaffee seit ich in Italien bin. Ein ausgezeichneter Cappuccino, eine Flasche Wasser und ein Blätterteigkringel mit Pudding und Rosinen für wohlfeile 3,90! Ich wollte ja ein Foto von dieser herrlichen Jause machen, aber da war sie auch schon weg. Es ist 9:40 und es hat bereits 27 Grad, bei nach wie vor diesigem Himmel, wo nur kurz die Sonne durchkommt, und dann wird es aber gleich ordentlich heiß. Mein Weg führt auch an einem mobilen Fisch Shop vorbei, die Dame erzählt es handelt sich um fangfrische Ware, so sieht es auch aus. Tolles Service für die Bewohner des Umlandes. Für mich geht es dann auf die Staatsstraße ss309, auf der ich dann bis auf ganz wenige Ausnahmen die restlichen km des heutigen Tages abspule. Der Verkehr ist enorm und ohrenbetäubend, und es wird heißer. Mir steht ein schmaler Streifen, getrennt von der Fahrspur durch eine weiße Markierung, zur Verfügung. Dieser Streifen verjüngt sich immer wieder, und einige Male bleibt überhaupt nur der Streifen übrig. Wenn dann zwei LKWs sich genau auf meiner Höhe begegnen, wird es ganz schön eng und eventuell kritisch. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran und ich schaue immer seltener in den Rückspiegel, man kann es eh förmlich spüren, wenn wieder ein Brummi sich von hinten nähert. Da fahre ich dann ganz rechts, sodass die überhängenden Büsche und Zweige meine Arme und Beine „streicheln“ und blutige Schrammen hinterlassen. Aber alles gut gegangen! :-) Wie unsagbar laut es auf dieser Strasse ist, wird mir erst bewusst, wenn ich mal für einige 100m die ss309 verlassen kann, um aber gleich darauf wieder zurückzukehren. Etwas Gutes hat es aber auch, ich fahre auf den engsten Abschnitten natürlich volle Kanne, um die Gefahrenstellen schnellstmöglich zu überwinden. Das bringt Kilometer, ich habe heute auf der gesamten Strecke einen Schnitt von 21 km/h erreicht, not bad ;-) Kostet aber auch Substanz, vor Allem nachdem das Thermometer mittlerweile 32 Grad anzeigt - im Schatten, und von Schatten kaum eine Spur. Die letzten 10 km führt mich das Navi weg von der ss309. Ich werde entlang eines Rinnsals auf einen frisch gemähten Wiesenweg geleitet, an dessen Beginn eine Fahrverbotstafel stand. Geht gar nicht so schlecht, dachte ich mir, nur halt langsam. Dann ändert sich der Untergrund zu feinem Sand, da fähr es sich gar nicht mehr gut, weil viel zu anstrengend! Die Alternative ist, zurück auf die ss309, aber gerne doch ;-) Bevor ich mein heutiges Quartier erreiche, mache ich noch einen Abstecher an die Adria nach Lido delle Nazioni. Am Strand finde ich das Restaurant Trinidad, das sowohl von der Straße als auch direkt vom Strand zugänglich ist, ähnlich einem grossen Strandbad Buffet. Ich suche mir einen Tisch an dem es wenig zieht, denn natürlich bin ich völlig nass geschwitzt. Ich weiß dass die Kellnerin mich gesehen hat, aber irgendwie scheint sie mich zu ignorieren, ich ahne warum. Also stehe ich auf und gehe zu ihr hin und frag sie, ob man auf eine Tischzuweisung warten muss. Si sagt sie nur, lächelt mich an und überreicht mir die Speisekarte, und ich darf auch meinen selbst gewählten Platz behalten, Lektion gelernt ;-) Sie ist dann sehr freundlich als sie meine Bestellung aufnimmt. Ich mixe mir selbst mein Ankommensbier im Wasserglas zusammen, was sie etwas zu irritieren scheint. Der Insalatono schmeckt hervorragend und zum Abschluss nehme ich einen caffé draussen im Strandbereich. Dazu bekomme ich aufs Haus ein Lemoncello, sehr hochprozentig aber wohlschmeckend, Grazie! In diesem Ort hat die Saison auch noch nicht begonnen, nur vereinzelt sind Liegen zu sehen, die Schirme sind geschlossen, scheint nicht so gross zu sein, wie Jesolo oder Sottomarina, eher angenehm. Nun aber zu meiner Unterkunft, es ist ein Agriturismo, ein Bauernhof der auch Fremdenzimmer anbietet, die meist eher nicht in der günstigsten  Preisklasse zu finden sind. Dafür wird ländliche Idylle und ein authentisches Wohnen bereitgestellt. Beim Ankommen gefällt mir was ich sehe, eine sehr schöne Anlage, ein schattiger Park. Vor dem Eingang stehen unter einem Vordach rustikale Tische und Bänke. Auf einer der Bänke liegt jemand und scheint zu schlafen. An der Tür ist eine Klingel, auf mein Läuten erfolgt aber keine Reaktion. Also sehe ich mich ein wenig um und mache Fotos, aber es zieht mich schnell wieder in den Schatten des Vordachs, so heiß ist es mittlerweile geworden. Der Mann sitzt nun auf der Bank und ich spreche ihn an, frage „parli Inglese o tedesco“? Worauf er antwortet, ich bin Österreicher. Was für ein Glück, bei meinen Italienisch Kenntnissen! Es ist Josef aus Hall in Tirol, und wir kommen ins Gespräch, auf Deutsch :-)  Er erzählt mir dass seine Frau Ulli - die noch Siesta hält - sehr gut Italienisch spricht, was die Kommunikation in diesem Land ungemein erleichtert. Sie gesellt sich dann auch zu uns und wir haben den ganzen Nachmittag eine sehr nette Unterhaltung. Beide leben ihre musikalische Leidenschaft als Chor Sänger bzw. Sängerin, Zuhause werden sie - auch deshalb - sicher schon sehnlich erwartet. Es freut mich euch kennengelernt zu haben, Danke für das Wasser, ich wünsch euch noch eine schöne Urlaubszeit und dann eine gute Heimkehr! :-)    Um 16 Uhr kann ich dann auch einchecken, das Zimmer bestätigt den Eindruck, den ich schon von Außen hatte. Erstes Zimmer ohne TV, aber es gibt eh keine deutschsprachigen Sender. Auf das Abendessen im Haus habe ich verzichtet, ab 19:30 ist mir einfach zu spät, umsomehr freue ich mich auf das Frühstück, ehe es dann nach Ravenna geht!        Nachtrag: nachdem hier das WLAN zu mau ist um den Blogbeitrag und vor allem die Fotos hochzuladen, werde ich es morgen nochmal versuchen, versprochen ;-)

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Tag 3

Von Caorle nach Chioggia

Bevor ich gestern schlafen ging, machte ich noch ein Foto von meinem Balkon im 4. Stock, da sind wohl ein paar elende Moskitos ins Zimmer gekommen, die mich dann die ganze Nacht gequält haben, nur eine Gelse habe ich erwischt. Zudem war es sehr warm im Zimmer, die Klimaanlage kann ich in der Nacht auch nicht haben, so war ich heute um 6:30 nicht wirklich ausgeschlafen. Dafür habe ich es geschafft, um 8 Uhr auf dem Rad zu sitzen, obwohl es das Frühstück offiziell erst ab 8 Uhr gibt ;-) Aus Caorle hinaus führt ein blau gestrichener Radweg, überhaupt verlief der größte Teil des Weges heute über schöne Radwege. Die letzten km von Cavalino bis Punta Sabbioni verläuft der Holzlatten Radweg über Wasser parallel zur Lagune, es rattert das man jeden Radfahrer schon von Weitem hören kann. Der Geruch der Lagune begleitete mich über weite Strecken, ich mag den leicht modrigen Mix aus Salz und Meer.  Auf der Strecke war auch eine Schwimmbrücke zu überqueren, da hat es auch gerattert, allerdings wenn ein Auto passierte. Die Durchfahrt kostet 1 Euro, bei jedem Auto kommt der „Pförtner“ aus seinem Häuschen heraus um zu kassieren, Fußgänger und Fahrräder sind frei. Heute bin ich auch durch Jesolo durchgefahren, es ist unglaublich, wie lange sich die Stadt dahinzieht. Noch ist ja Vorsaison, wie geht es hier dann im Juli - August zu, es war heute schon grenzwertig, ich war froh wieder draußen zu sein. Vorher machte ich einen kurzen Abstecher zum Strand, es ist auch hier angerichtet, man wartet nur noch auf die Karawanen aus dem Norden. Die Skyline von Jesolo ist eine Aneinanderreihung  von Hotels, gestaffelt in mehreren Reihen. Doch es scheint noch weiteren Bedarf zu geben, ich musste eine Mega Baustelle fotografieren, es ist einfach bizarr. Ich möchte hier jedenfalls nicht urlauben. Kurz nach 11 bin ich nach 51 km in Punta Sabbioni angekommen. Ich habe gleich die Fährentickets für die Überfahrt nach Lido, danach nach Pellestrina und schließlich nach Chioggia gekauft. Die Dame am Ticketschalter versuchte mir etwas das Fahrradticket betreffend klarzumachen, leider war ihr Englisch und das meine nicht kompatibel ;-) Beim Zugang zur Fähre wusste ich es dann. Das Fahrradticket muss zusätzlich online bestätigt werden. QR Code einscannen, danach eine persönliche Registrierung samt Passwort durchführen, um danach nach nochmaliger Eingabe der persönlichen Daten samt Passwort ist das Ticket dann endlich gültig, und ich durfte passieren. Warum einfach wenn es auch umständlich geht, dachte ich mir und versuchte mir vorzustellen, wenn 10 oder mehr Radfahrer in der Schlange stehen, da ist die Fähre schon weg bis alle dieses Prozedere durchlaufen haben. Die Überfahrt war sehr schön, denn Erinnerungen an unsere letztjährige Hausbootfahrt in der Lagune von Venedig tauchten wieder auf. In Lido angekommen ist es mittlerweile 13 Uhr und ich habe 12 km bis zum Ende der Insel zu radeln. Eine schöne, abwechslungsreiche Fahrt, allerdings ist es wieder sehr heiß geworden, und der Schweiß rinnt in Strömen. Wieder warten auf die nächste Fähre zur Überfahrt nach Pellestrina. Da ist ja nur die Ausfahrt aus der Lagune in das offene Meer zu überwinden. Hier passieren all die grossen Frachtschiffe, die den Industrie Hafen von Venedig anlaufen. Vor uns läuft gerade der Frachter „Bari“ aus, der hat samt Schlepper und Lotsenboot natürlich Vorfahrt. Mit an Bord er Fähre sind 3 Linienbusse, die Bewohner von Pelelstrina auf die Insel bringen. Es gibt so gut wie nichts auf Pellestrina, für jeden Einkauf usw. müssen die Menschen mit Bus und Fähre den Weg nehmen, den ich gerade gekommen bin :-( Auf Pellestrina gibt es auch so gut wie keine Bäume, und die Sonne steht am Höchsten, ich habe kaum noch Wasser und die Bar die ich vom Vorjahr in Erinnerung hatte, die hat geschlossen. Ich zünde in einer Kirche - der einzig kühle Ort - eine Kerze an, und finde dann doch noch ein Restaurant, in dem ich zwei Flaschen kühles Wasser kaufe. Die Eisdiele - ebenso aus dem Vorjahr bekannt - ist geöffnet, da gönne ich mir ein klebriges Gelato, aber es hat geschmeckt :-) Auf der Weiterfahrt entdecke ich noch ein oder zwei Restaurants, also Verhungern und Verdursten muss man hier nicht. Ich erreiche bei sengender Hitze den Fähranleger nach Chioggia. Eigentlich wollte ich noch bis ans Ender der Insel fahren, tat es einfach aufgrund der Hitze nicht, und das war auch gut so. Von der Fähre aus habe ich gesehen, es führt keine Strasse weiter, sondern nur ein schmaler Betonstreifen entlang der Mauer, die die Lagune vom Überschwappen des Meeres in die Lagune bewahren soll, und genau da knallt die Sonne hinein, gute Entscheidung! Unsere Hausbootfahrt - mit unseren deutschen Freunden Joe und Diana - begann hier in Chioggia, es war ein traumhafter Urlaub, ganz viele Erinnerungen werden wach, als ich in Chioggia von Bord gehe. Mein Hotel liegt nicht hier in der wunderschönen Altstadt, sondern im angrenzenden Ferienort SotoMarina. Same same, but different, nur hier ist der endlose Strand samt aller erdenklichen Freizeiteinrichtungen durch eine vielbefahrene Strasse von den Hotelzeilen getrennt. Und das Chaos auf der Strasse ist heftiger als in allen Städten die ich auf dieser Reise durchfuhr. Ein nicht enden wollender Strom von Autos, Motorrädern, Mopeds und Fahrrädern strömt aus und in das Zentrum, und mein Hotel liegt an dieser Strasse. Ein Glück dass ich im Schlaf nicht lärmempfindlich bin. Es ist uns schon im Vorjahr aufgefallen, dass hier sehr viele (die meisten) E-Fahrräder per Knopfdruck und ohne grosse Beinunterstützung dahinbrausen. 25kmh scheint darüberhinaus ein Richtwert zu sein, an den sich kaum jemand hält. Einen Helm beim Fahrradfahren trägt hier so gut wie NIEMAND. Selbst Kleinkinder - zwei auf einem Rad - mit Schnuller im Mund, aber ohne Helm werden zielsicher durch den hektischen Verkehr manövriert, wäre bei uns unvorstellbar (hoffe ich) Schon ist es 21:45 und ich verkriech mich ins Bett. Freu mich aufs Frühstück :-)

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Tag 2

Von Cervignano nach Caorle

Ich habe sehr gut geschlafen, endlich mal eine harte Matratze! Obwohl ich um 6:30 aufgestanden bin, bin ich nicht vor 8:30 weggekommen, die Abläufe sind noch nicht so verinnerlicht, dauert wohl noch ein paar Tage. Das Frühstück war sehr süsslastig, aber auch ganz OK, immerhin gabs Cornflakes und Joghurt aus einem Automaten, kannte ich noch nicht. Heute stand die Fahrt von Cervignano nach Caorle am Programm, sollte kein großes Thema sein. Die Fahrt durch die Dörfer und die brettlebene Landschaft ist völlig unspektakulär, zumeist über wenig befahrene Landstraßen, ewig lange Schotterpisten und auch Radwege, eher Rad Highways. Teilweise sind die - meist neuen - Radwege in besserem Zustand als die parallel verlaufende Straße. Sehr viele Abschnitte sind gerade im Bau bzw. in der finalen Phase, echt gut zum cruisen, wäre da nicht der Wind. Meine Route mäandert durch die Gegend, so habe ich den Wind manchmal auch von hinten kommend, aber eben nur manchmal. Ab der Mittagszeit wird der Wind überhaupt stärker und kommt gefühlt nur noch von Vorne, also ständiger Gegenwind. Apropos gefühlt, die gefühlte Temperatur ist weit höher als die angezeigten 31 Grad, und zwingt mich immer öfter Trinkpausen einzulegen. In einem Dorf finde ich einen keinen Lebensmittelmarkt, ich versorge mich mit frischem Wasser und die nette Dame bereitet mir ein Panini mit Schinken und Käse. Danach lege ich mich für ein paar Minuten unter einen Baum und streck die Beine von mir. Aber hilft nix, ich muss weiter. Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass zur Zeit die Bewässerungskanäle alle geflutet sind, gilt es doch die Felder zu bewässern. Als ich 2024 bei meiner Romreise durch das flache Land radelte war September, die Felder abgeerntet und die Kanäle maximal eine stinkende Brühe. Dazu kam eine ausgesprochene Mückenplage, dass ich ein Tuch vor Nase und Ohren halten musste. Das ist zu dieser Jahreszeit nicht der Fall, fließendes Frischwasser macht wohl den Unterschied. Extrem zaaach waren am Nachmittag die nicht enden wollenden Geraden. Kam nach einigen Kilometern eine Kurve, erstreckte sich die nächste Gerade vor mir, die nicht enden wollte. Kam mir zumindest so vor, denn ich war schon ziemlich groggy, an die Hitze muss ich mich erst wieder gewöhnen. Um 15 Uhr erreiche ich nach 85km endlich mein Hotel in Caorle. Dir Temperatur fällt schlagartig auf 28 Grad und der Wind vom Meer Kommend ist hier auch kühler.  Zuallererst gönne ich mir mein rituelles Ankommensbier unter einem Sonnenschirm, ich bin klitschnass geschwitzt. Also ins Zimmer einchecken, Duschen und Wäsche waschen ist angesagt. Mein Zimmer liegt im 4.Stock und hat einen kleinen Balkon, da kann ich die Wäsche gut zum Trocknen aufhängen. Dann lege ich mich kurz aufs Bett und schlafe ein paar Minuten, oder auch mehr ;-) Ich habe ein Einzelzimmer, das diese Bezeichnung auch wirklich verdient, aber sehr sauber, alles gut. Jetzt bin ich endlich am Meer angekommen, da muss ich schon auch an den Strand. Caorle ist ready for the Action, die Urlauber können kommen. Schirme und Liegen in Reih und Glied, und die ersten Benutzer dieser Einrichtung sind schon da, selbst im Meer tummeln sich schon die Gäste. Mir wäre es noch um Einiges zu kalt, mir reicht es die Füße ins Wasser zu halten. Diesen Anblick der Strände werde ich in den nächsten Tagen noch öfter haben, ich fahre ja entlang der adriatischen Küste hinunter nach Apulien, da gibt es noch einige Caorles ;-) Auf meine morgige Tour freue ich mich besonders, es geht nach Chioggia, teilweise mit Fähren, aber trotzdem reichlich km zu treten ……….

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Tag 1/1

Anreise Udine

Jetzt geht es also los! Um kurz nach Zehn steige ich aufs Rad und fahre zum Grazer Hauptbahnhof. Ich war ja schon vor ein paar Tagen am Bahnhof, um zu sehen wie lange der Zug hier hält. Heute kommt er pünktlich an, ich habe drei Minuten Zeit mein Rad die drei Stufen durch den schmalen Einstieg hochzubringen und ja kein Gepäckstück am Bahnsteig zu vergessen, hat geklappt, aber das Rad dann im Zug aufzuhängen, war einigermaßen tricky. Meine Schwester, mein Schwiegersohn und mein Opa Mädi wollten auch zum Bahnhof kommen um mich zu verabschieden. Ist ihnen in letzter Minute auch gelungen, was mich wirklich seeeehr gefreut hat!! Bis ich mit Verstauen von Rad und Gepäck fertig bin, sind wir schon fast in Klagenfurt. Auf meinem reservierten Platz sitzen drei Jungs aus Irland, sie sind per Interrail unterwegs und sie schwärmen von der Schönheit unseres Landes als wir den Wörthersee passierten. Sie erzählen dass es in Irland im Sommer maximal an einigen Tagen 25 Grad erreicht, der Schnitt im Sommer eher 20 Grad beträgt. Sie wollen im Winter zum Schifahren wiederkommen. In Villach steigen sie aus und nehmen den Zug nach Laibach, sie wollen an den Bleder See. Die Zugfahrt durch das Kanaltal ist unspektakulär, fährt man doch die meiste Strecke in Tunnels, da hat das Radfahren durchs Kanaltal eine völlig andere Qualität! Die Fahrt vergeht wirklich rasch, ich habe gerade noch Zeit mir aus dem Speisewagen einen Tee und ein Croisant zu holen. Der Wagen mit den Rädern an Bord befindet sich direkt hinter der Lok, der Speisewagen am anderen Ende des Zugs, somit kann ich beim zweimaligen Durchgehen feststellen, dass der Zug ganz gut gebucht ist, ist ja wirklich eine angenehme Art, nach Venedig zu reisen. Für mich ist aber in Udine Schluss, ich freu mich schon aufs Ankommen und dann aufs Losfahren :-)

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Tag 1/2

Von Udine nach Cervignano

Ankunft in Udine pünktlich um 14:18. Mir bleiben 2 Minuten um Rad und Gepäck aus dem Zug zu hieven, es geht sich aus aber ich schwitze bereits, denn es ist sehr warm hier - was zu erwarten war ;-) Als der Zug aus dem Bahnhof ausgefahren ist sehe ich erst, dass der Bahnsteig irgendwo in der Mitte liegt, und ich gehe den Bahnsteig auf und ab, aber ich finde keinen Übergang in Richtung Bahnhofshalle. Das hätte ich mir gewünscht, denn einen Aufzug hinunter in den Tunnel gibt auf diesem Bahnsteig auch nicht. Also rumple ich mit quietschenden Bremsen die steile Treppe hinunter. Unten gibt zwar einen Aufzug hinauf zur Bahnhofshalle, allerdings können da höchstens zwei Personen drinnen stehen, keinesfalls aber ein Fahrrad mitfahren. Auch ein anderes Radler Paar irrt schon durch die Katakomben, die haben auch noch einen Anhänger mit herunten, oje :-(  Da steht mir also bereits am ersten Tag eine Sonderprüfung bevor. Hinunter war schon nicht einfach, aber über diese steile Treppe wieder hinauf, das war eine Tortur! Endlich oben hole ich mir erst mal ein kühles Getränk aus einem Automaten, Shop gibt es hier wohl keinen. Aus Udine hinaus ist dank meines Navis no Problem, und schon bald befinde ich mich auf dem bekannten Ciclovia Alpe Adria. Auf Anhieb erkenne ich einige Stellen wieder, bin ich diesen Weg doch schon ein paar mal gefahren, aber es ist immer wieder schön hier zu radeln - was sich auch gar nicht so wenig andere Radler - so scheint´s - auch denken, denn es sind viele Packtaschen unterwegs nach Grado. Beim erstbesten Rastplatz wechsle ich von lang auf kurz-die Hose, es ist wirklich viel zu warm, ich schwitze auch in der Short noch genug. Es bläst eine ziemliche Brise die den Schweiß trocknet, aber wenn schon Wind, dann natürlich Gegenwind, der mich über die 35 km ziemlich fordert! Kurz vor Palmanova erkenne ich an einer Kreuzung den Betrieb wieder, der uns vor Jahren Unterschlupf gewährt hat, als wir gerade noch vor einem sehr heftigen Gewitter dort angekommen sind. Ein anderer Radfahrer hatte nicht so viel Glück, Rettung mit Blaulicht und Folgetornhorn …..Die Garnisonsstadt Palmanova ist immer einen Besuch wert, aber ich halte mich nur kurz auf um Fotos zu machen und die Kirche zu besuchen. Es hat nach 16 Uhr noch immer 30 Grad, und mir beginnt der Saft auszugehen, sprich, ich muss mit Demut feststellen, dass es mit meiner Kondition nicht besonders gut bestellt ist, wenn ich nach gerade mal 40km schon das Ende der Etappe herbeisehne. Das ist dann auch bald erreicht, direkt am Radweg liegt mein Quartier. Der Herr am Empfang bittet mich mit por favor um mein Dokument, das kommt mir aber „sehr spanisch“ vor, und spätestens als er dann ins Russisch wechselt (oder auch Ukrainisch) telefoniert, und das hier auch die Umgangssprache zu sein scheint, war das Hotel wohl ein Übernahmekanditat, worauf auch diverse Schriftzüge im Zimmer hinweisen, dass das Hotel einst Italienisch war. Aber alles gut, das Zimmer ist sauber, das Wasser in der Dusche heiß, und morgen gibts Frühstück. Zu trinken habe ich hier nichts bekommen, aufgrund des Feiertags ist kein Barbetrieb. Nach dem Duschen bin ich dann nochmals aufs Rad, in ein paar km Entfernung finde ich eine Pizzeria . Dort nehme ich ein kühles Moretti Ankommensbier mit Genuss zu mir und lass mir eine hervorragende Pizza schmecken. Bei dieser Gelegenheit - vielen Dank mein guter Freund Peter für die grosszügige Unterstützung, da kann ich jetzt jeden Tag ein Bier trinken !  Ganz liebe Grüße nach Griechenland und einen schönen Urlaub wünsche ich euch :-) Es ist jetzt nach 21 Uhr, ich sitze am Balkon und es hat noch immer 24 Grad. Ich werde jetzt gut schlafen und regenerieren, morgen soll es noch heißer werden und es warten 85km auf mich, bevor ich Caorle erreichen werde…..

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