Tag 23

Veröffentlicht am 15. Juni 2026 um 18:48

Tour-RETOUR, Von Santa Maria di Leuca nach Otranto

Heute ist der Urlaub zu Ende, heute beginnt die Rückreise. Vor dem Frühstück habe ich schon alles aufs Rad gepackt und bin somit jederzeit abfahrbereit. Während der gesamten Reise, in keiner Stadt, in keinem Dorf, in keinem Quartier ist mir auch nur das Geringste abhanden gekommen, nichts gestohlen worden - bis heute. Ich benutze zum Befestigen des wasserdichten Rucksacks am Gepäckträger spezielle Gummispanner, an denen auch die Österreichische und die Italienische Fahne ihren Halt finden bzw. fanden. Ausnahmslos jedesmal wenn ich abgepackt habe und mein Gepäck ins Quartier gebracht habe, blieben die Gummispanner und die Fahnen bis zum nächsten Tag am Rad am Gepäckträger eingeklemmt. Heute waren sie nicht mehr da, ich habe allerdings in den vergangenen Tage nie nachgesehen, unter derart vielen Radfahrern hatte ich nicht die geringsten Bedenken. Die Fahnen hat der Dieb übrigens nett auf einem Fensterbrett drapiert, im Vorübergehen sind sie mir aufgefallen. Für die beiden letzten Tage der Reise muss ich halt improvisieren, damit ich nichts verliere. Soll schon das Schlimmste gewesen sein das mir passiert! Beim Frühstück vernehme ich vom Nebentisch eine vertraute Sprachmelodie, es klingt österreichisch ;-) Am Tisch sitzen Christine aus Salzburg und Wolfgang (alter Name ;-) aus Mainz, der aber in Neuseeland lebt - sehr interessant. Die beiden sind mit dem Auto unterwegs und kreuzen ohne Zeitdruck durch Italien. Einer von vielen Vorteilen von Pensionisten, wir sind nicht an die Hauptferienzeit gebunden sondern können nach belieben entscheiden, zu welcher Zeit wir reisen :-)) Ich hätte mich sehr gerne noch länger mit den beiden unterhalten, aber es ist schon bald neun und ich muss fahren. Christine macht noch Fotos von mir, die sie mir auch gleich geschickt hat. Vielen Dank ihr lieben, habt noch eine schöne Zeit in bella Italia und genießt das Leben! :-) Ich muss wieder über diese Bretterumleitung an der Baustelle vorbei, klappt heute gut, es ist auch noch niemand unterwegs. Dann geht es gleich mal die selbe Straße den Hügel hinauf, die ich vor zwei Tagen gelaufen bin, drum fahre ich nochmals zum Leuchtturm und mache beim De Finibus Terrae ein Foto mit meinem Rad, somit war es auch am Ende der Erde angekommen ;-)  Nach der Steigung geht es durch Feld und Flur gemütlich dahin, ich habe keine Eile, es liegen nur 55km vor mir.  Wieder erwartet mich das gleiche deprimierende Bild von riesigen Flächen abgestorbener Olivenbäume, dieser Schädling hat hier im Süden Apuliens gründlich und gnadenlosü zugeschlagen. Ein Lichtblick sind die vielerorts bereits wieder gepflanzten jungen Bäume, die hoffentlich auch einige hundert Jahre alt werden. Unterwegs bekomme ich Lust auf einen Kaffee, auf Google schaue ich nach, ob etwas passendes in meiner Nähe liegt. Eine Bäckerei erfordert nur einen kleinen Umweg, ich fahre hin. Es ist aber wirklich nur eine Bäckerei, aber der freundliche Inhaber geht nach hinten und bringt mir von seiner privaten Maschine einen Becher cafè, schwarz und stark. Dazu reicht er mir frischgebackenes Kleingebäck mit der Bemerkung "attenzione piccante!" und zeigt auf eine Sorte. Ich frage sicherheitshalber nach "Noci"? mit der Erklärung "Allergia"! Daraufhin räumt er eine Sorte wieder weg, die wirklich pikanten bleiben. Den cafè und das Gebäck brauche ich nicht zu bezahlen, Grazie mille :-) Während ich genieße wird von weiteren Kunden mein Rad bestaunt und die beiden Fahnen wohlwollend besprochen. Schon bald erreiche ich Otranto. Mit diesem Ort verbinde ich Erinnerungen an die späten Siebziger oder Anfang Achtziger -  meine Jugend. Von Otranto fuhren wir erstmals mit einer Fähre nach Griechenland, nachdem wir in den Jahren davor schon über Land - ich sage nur Autoput - nach Griechenland, unseren Sehnsuchtsort gefahren sind. Es war die MS ROANA, ein ausgemustertes skandinavisches Postschiff, bei der im unteren Deck das Wasser am Boden schwappte - ein Abenteuer. Ich habe im Internet ein paar Fotos von der Roana gefunden, in Betrieb ist sie schon lange nicht mehr. Genausowenig gibt es hier noch den Fährhafen, nichts erinnert mehr daran, alles " long time ago"........... Otranto hat eine schöne, sehenswerte Altstadt, viel Tourismus, viele Souvenirläden und Lokale und es ist auch viel los hier. Es ist gut dass ich nur die Namen Otranto und Roana in Erinnerung habe, es gibt nichts in meiner Erinnerung, mit dem ich den Ist-Zustand vergleichen kann, bzw. müsste, es wäre nämlich sicher sehr enttäuschend. Lustigerweise heißt mein Vermieter Dimitri, ein griechischer Name wie er mir sagte, den sein Vater für ihn wählte, weil er ihn - als er in der Schweiz gearbeitet hat - so oft gehört hat. Dimitri ist sehr sympathisch und zuvorkommend, er vermietet drei Zimmer die er ganzjährig ausgebucht hat. Frühstück gibt es auf einer coolen Dachterrasse, auf der ich auch gerade den Blog schreibe. Ich war zu Fuß noch einmal in der Altstadt und habe eine wunderbare Parmigiana gegessen, dazu ein Bier aus einem Kunststoffglas, das wenigstens mehrfach verwendet wird. Ich hoffe das Wetter ist morgen besser als heute. Es ist schon den ganzen Tag bewölkt und windig und es hat heute nicht mehr als 25 Grad erreicht. Anyway, laut Vorhersage bringe ich am Donnerstag das schöne Sommerwetter mit nach Hause :-))

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