Tag 25

Veröffentlicht am 18. Juni 2026 um 19:30

Lecce - Bologna - Graz

Ich hatte gestern keine Möglichkeit, einen Beitrag zu schreiben, darum heute im Nachgang.

Früh aufgestanden um die erste Halbzeit - zumindest einen Teil davon - zu sehen, den Rest werde ich dann im Zug nach schauen. Am Weg von meiner Unterkunft hin zum Bahnhof liegt das New Caffè Italiano, hier bekomme ich ein Frühstück. Cappuccino und Corneto vuoto, und endlich ist der Kaffee von Quarta :-) Am Platz vor dem Caffè sind die Reinigungsteams bei der Arbeit, der Unrat vom letzten Tag wird beseitigt bevor die nächsten Touristenmassen eintreffen werden und ihrerseits wieder Unmengen von Müll in den Straße und Gassen hinterlassen werden. In italienischen Bahnhöfen - und auch online - ist es kaum bis gar nicht möglich, früher als eine Stunde vor Abfahrt herauszufinden, von welchem Bahnsteig ein Zug abfährt. Mein Zug fährt natürlich nicht von Bahnsteig 1 ab, nein, ich muss wieder mit dem Rad über die Stiegen hinunter und wieder rauf, Morgensport. Der Zug fährt pünktlich um 8:20 von Lecce ab, ich habe einen schönen Einzel-Fensterplatz, leider gegen die Fahrtrichtung, was sich mir bei der stundenlangen Fahrt auf den Magen schlägt. Bei 22 Grad in Lecce gestartet, wurde der Wagen auf gefühlte 18 Grad gekühlt. Es bläst abwechselnd von den Lüftungsschlitzen am Fenster und vom Deckengebläse herab, trotz Halstuch habe ich noch heute eine heisere Stimme. Die Landschaft die ich in den letzten Wochen durchradelt habe fliegt an mir vorüber, einiges kann ich wiedererkennen :-) Mein Rad hängt nur am Vorderrad an einem Haken und pendelt bei jeder Bewegung des Zugs hin und her. Es ist 17 Uhr als wir endlich Bologna erreichen und ich mich mit dem Rad durch die enge Luke hinaus auf den Bahnsteig quäle. Nach der unterkühlten Fahrt empfängt mich Bologna mit 34 Grad - und auch hier muss ich wieder die Treppe ins Tiefparterre nehmen. Bologna Central ist ein sehr grosser Bahnhof, es gibt auch an jedem Bahnsteig Aufzüge, nur wenn ich mein Rad hineinschiebe geht die Tür nicht zu, alles probiert, keine Chance, also Treppe. Auch hier erhalte ich die Auskunft, eine Stunde vor Abfahrt meines Nachtzugs nach Graz nachzusehen, auf welchem Bahnsteig der Zug einfährt. Planabfahrt ist 22:54 als habe ich reichlich Zeit und fahre verschwitzt in das Zentrum. Wow, eine sehr schöne und sehenswerte Stadt, zumindest das Zentrum der Altstadt. Aber auch die Schattenseiten sind nicht zu übersehen, im Bahnhofsbereich treiben sich viele zwielichtige Gestalten herum, liegen auf den Gehwegen und in Hauseingängen und schnorren die vorübergehenden Passanten an. Der Bahnhof selbst wird bewacht von voll adjustierten Soldaten und Polizisten, zu späterer Stunde weiß man das sehr zu schätzen! Ich Cruise durch die Gassen, mache Fotos und esse ein paar typische Happen, der Region wie man mir versichert. Zuerst eine Art Ravioli mit Ragu, danach eine Art Fladenbrot mit Schinken, Käse und Artischokenpaste, dazu ein italienisches Bier, ein leckeres Abschiedsmenü :-) Auf der Piazza Nettuno setze ich mich an eine Brunnen, lausche der Musik eines Strassenmusikanten und genieße den lauen Abend bei immer noch knapp 30 Grad. Gegen 21 Uhr fahre ich zurück zum Bahnhof - zu früh für die erhoffte Auskunft. Ich warte vor dem Bahnhof und kurz vor 22 Uhr weiß ich endlich auf welchen Bahnsteig ich muss.Der Zug wird allerdings nur mit Ziel München angeführt, ich weiß aber mittlerweile dass er in Villach getrennt wird und mein Wagen sicher nach Graz fährt ;-) Noch einmal das selbe Spiel die Treppen hinunter und am Bahnsteig 9 wieder hinauf. Der aus Rom kommende Zug hat 10 Minuten Verspätung, es warten erstaunlich viele Menschen, die auch alle diesen Zug nehmen, mit Rad warte nur ich. Als der Nightjet endlich einfährt muss ich am Bahnsteig hinterherfahren, denn der Fahrradwagen befindet sich am Anfang des Zugs, wo der Bahnsteig bereits wieder endet. Positive Überraschung, es öffnet sich eine breite Tür durch die ich barrierefrei in den Wagen fahren kann. Auch die Fixierung des Rads am reservierten Platz ist kein Problem. In dem Wagen gibt es auch die Möglichkeit das Gepäck - unbeaufsichtigt - zu verwahren. Passt gut, denn ich muss mich durch fünf oder sechs Wagons nach hinten durcharbeiten, es ist sehr eng. Ich habe mir den Luxus gegönnt und ein Schlafabteil zur Alleinnutzung mit eigenem WC gebucht, und nicht bereut. Es fehlt an nichts, der Zugbegleiter bringt mir noch eine kleine Flasche Sekt als Schlummertrunk, dann aber Buonanotte :-)

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