Tag 3

Veröffentlicht am 26. Mai 2026 um 21:54

Von Caorle nach Chioggia

Bevor ich gestern schlafen ging, machte ich noch ein Foto von meinem Balkon im 4. Stock, da sind wohl ein paar elende Moskitos ins Zimmer gekommen, die mich dann die ganze Nacht gequält haben, nur eine Gelse habe ich erwischt. Zudem war es sehr warm im Zimmer, die Klimaanlage kann ich in der Nacht auch nicht haben, so war ich heute um 6:30 nicht wirklich ausgeschlafen. Dafür habe ich es geschafft, um 8 Uhr auf dem Rad zu sitzen, obwohl es das Frühstück offiziell erst ab 8 Uhr gibt ;-) Aus Caorle hinaus führt ein blau gestrichener Radweg, überhaupt verlief der größte Teil des Weges heute über schöne Radwege. Die letzten km von Cavalino bis Punta Sabbioni verläuft der Holzlatten Radweg über Wasser parallel zur Lagune, es rattert das man jeden Radfahrer schon von Weitem hören kann. Der Geruch der Lagune begleitete mich über weite Strecken, ich mag den leicht modrigen Mix aus Salz und Meer.  Auf der Strecke war auch eine Schwimmbrücke zu überqueren, da hat es auch gerattert, allerdings wenn ein Auto passierte. Die Durchfahrt kostet 1 Euro, bei jedem Auto kommt der „Pförtner“ aus seinem Häuschen heraus um zu kassieren, Fußgänger und Fahrräder sind frei. Heute bin ich auch durch Jesolo durchgefahren, es ist unglaublich, wie lange sich die Stadt dahinzieht. Noch ist ja Vorsaison, wie geht es hier dann im Juli - August zu, es war heute schon grenzwertig, ich war froh wieder draußen zu sein. Vorher machte ich einen kurzen Abstecher zum Strand, es ist auch hier angerichtet, man wartet nur noch auf die Karawanen aus dem Norden. Die Skyline von Jesolo ist eine Aneinanderreihung  von Hotels, gestaffelt in mehreren Reihen. Doch es scheint noch weiteren Bedarf zu geben, ich musste eine Mega Baustelle fotografieren, es ist einfach bizarr. Ich möchte hier jedenfalls nicht urlauben. Kurz nach 11 bin ich nach 51 km in Punta Sabbioni angekommen. Ich habe gleich die Fährentickets für die Überfahrt nach Lido, danach nach Pellestrina und schließlich nach Chioggia gekauft. Die Dame am Ticketschalter versuchte mir etwas das Fahrradticket betreffend klarzumachen, leider war ihr Englisch und das meine nicht kompatibel ;-) Beim Zugang zur Fähre wusste ich es dann. Das Fahrradticket muss zusätzlich online bestätigt werden. QR Code einscannen, danach eine persönliche Registrierung samt Passwort durchführen, um danach nach nochmaliger Eingabe der persönlichen Daten samt Passwort ist das Ticket dann endlich gültig, und ich durfte passieren. Warum einfach wenn es auch umständlich geht, dachte ich mir und versuchte mir vorzustellen, wenn 10 oder mehr Radfahrer in der Schlange stehen, da ist die Fähre schon weg bis alle dieses Prozedere durchlaufen haben. Die Überfahrt war sehr schön, denn Erinnerungen an unsere letztjährige Hausbootfahrt in der Lagune von Venedig tauchten wieder auf. In Lido angekommen ist es mittlerweile 13 Uhr und ich habe 12 km bis zum Ende der Insel zu radeln. Eine schöne, abwechslungsreiche Fahrt, allerdings ist es wieder sehr heiß geworden, und der Schweiß rinnt in Strömen. Wieder warten auf die nächste Fähre zur Überfahrt nach Pellestrina. Da ist ja nur die Ausfahrt aus der Lagune in das offene Meer zu überwinden. Hier passieren all die grossen Frachtschiffe, die den Industrie Hafen von Venedig anlaufen. Vor uns läuft gerade der Frachter „Bari“ aus, der hat samt Schlepper und Lotsenboot natürlich Vorfahrt. Mit an Bord er Fähre sind 3 Linienbusse, die Bewohner von Pelelstrina auf die Insel bringen. Es gibt so gut wie nichts auf Pellestrina, für jeden Einkauf usw. müssen die Menschen mit Bus und Fähre den Weg nehmen, den ich gerade gekommen bin :-( Auf Pellestrina gibt es auch so gut wie keine Bäume, und die Sonne steht am Höchsten, ich habe kaum noch Wasser und die Bar die ich vom Vorjahr in Erinnerung hatte, die hat geschlossen. Ich zünde in einer Kirche - der einzig kühle Ort - eine Kerze an, und finde dann doch noch ein Restaurant, in dem ich zwei Flaschen kühles Wasser kaufe. Die Eisdiele - ebenso aus dem Vorjahr bekannt - ist geöffnet, da gönne ich mir ein klebriges Gelato, aber es hat geschmeckt :-) Auf der Weiterfahrt entdecke ich noch ein oder zwei Restaurants, also Verhungern und Verdursten muss man hier nicht. Ich erreiche bei sengender Hitze den Fähranleger nach Chioggia. Eigentlich wollte ich noch bis ans Ender der Insel fahren, tat es einfach aufgrund der Hitze nicht, und das war auch gut so. Von der Fähre aus habe ich gesehen, es führt keine Strasse weiter, sondern nur ein schmaler Betonstreifen entlang der Mauer, die die Lagune vom Überschwappen des Meeres in die Lagune bewahren soll, und genau da knallt die Sonne hinein, gute Entscheidung! Unsere Hausbootfahrt - mit unseren deutschen Freunden Joe und Diana - begann hier in Chioggia, es war ein traumhafter Urlaub, ganz viele Erinnerungen werden wach, als ich in Chioggia von Bord gehe. Mein Hotel liegt nicht hier in der wunderschönen Altstadt, sondern im angrenzenden Ferienort SotoMarina. Same same, but different, nur hier ist der endlose Strand samt aller erdenklichen Freizeiteinrichtungen durch eine vielbefahrene Strasse von den Hotelzeilen getrennt. Und das Chaos auf der Strasse ist heftiger als in allen Städten die ich auf dieser Reise durchfuhr. Ein nicht enden wollender Strom von Autos, Motorrädern, Mopeds und Fahrrädern strömt aus und in das Zentrum, und mein Hotel liegt an dieser Strasse. Ein Glück dass ich im Schlaf nicht lärmempfindlich bin. Es ist uns schon im Vorjahr aufgefallen, dass hier sehr viele (die meisten) E-Fahrräder per Knopfdruck und ohne grosse Beinunterstützung dahinbrausen. 25kmh scheint darüberhinaus ein Richtwert zu sein, an den sich kaum jemand hält. Einen Helm beim Fahrradfahren trägt hier so gut wie NIEMAND. Selbst Kleinkinder - zwei auf einem Rad - mit Schnuller im Mund, aber ohne Helm werden zielsicher durch den hektischen Verkehr manövriert, wäre bei uns unvorstellbar (hoffe ich) Schon ist es 21:45 und ich verkriech mich ins Bett. Freu mich aufs Frühstück :-)

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