Von Chioggia nach Agriturismo Valle
Zuallererst noch ein paar Fotos vom Vortag aus Chioggia, das Synchronisieren mit dem iPad hat etwas länger gedauert.
Heute bin ich vor 6 Uhr ohne Wecker erwacht, deshalb habe ich es auch geschafft zu frühstücken und gleich um 7:30 auf dem Rad zu sitzen. Ich folge dem Navi, das mich zielsicher aus Chioggia hinaus führt. Dabei komme ich auch an einer Schule vorbei, es ist Rushhour. Wieder begegnen mir diese Selbstfahrer, die in Höchstgeschwindigkeit in Richtung Schule brausen. Die Frage nach dem Helm erübrigt sich. Schnell noch ein Foto von Chioggias Altstadt über das Meer geschossen, dann ab durch eine großzügige Unterführung hindurch, auf Radwegen und auch auf Nebenstraßen geht´s dahin, und als ich endlich das Ortsschild von Chioggia sehe, erkenne ich, wie groß dieser Ort eigentlich ist! Im Vorjahr hielten wir uns ja nur im Bereich der schönen Altstadt auf. Heute ist es ein wenig bedeckt, aber dennoch ist es sehr warm. Einmal fahre ich eine ruhige Strecke entlang eines Kanals, und da sind sie wieder die ich nicht bestellt habe, die dichten Schwärme von Mücken. Ich muß mir das Fluchen unterdrücken, sonst landen zuviele im Mund. Zum Glück ist es ein kurzer Abschnitt, dann ist es auch schon wieder vorbei. Ich halte an einer Bar und trinke meinen ersten Kaffee seit ich in Italien bin. Ein ausgezeichneter Cappuccino, eine Flasche Wasser und ein Blätterteigkringel mit Pudding und Rosinen für wohlfeile 3,90! Ich wollte ja ein Foto von dieser herrlichen Jause machen, aber da war sie auch schon weg. Es ist 9:40 und es hat bereits 27 Grad, bei nach wie vor diesigem Himmel, wo nur kurz die Sonne durchkommt, und dann wird es aber gleich ordentlich heiß. Mein Weg führt auch an einem mobilen Fisch Shop vorbei, die Dame erzählt es handelt sich um fangfrische Ware, so sieht es auch aus. Tolles Service für die Bewohner des Umlandes. Für mich geht es dann auf die Staatsstraße ss309, auf der ich dann bis auf ganz wenige Ausnahmen die restlichen km des heutigen Tages abspule. Der Verkehr ist enorm und ohrenbetäubend, und es wird heißer. Mir steht ein schmaler Streifen, getrennt von der Fahrspur durch eine weiße Markierung, zur Verfügung. Dieser Streifen verjüngt sich immer wieder, und einige Male bleibt überhaupt nur der Streifen übrig. Wenn dann zwei LKWs sich genau auf meiner Höhe begegnen, wird es ganz schön eng und eventuell kritisch. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran und ich schaue immer seltener in den Rückspiegel, man kann es eh förmlich spüren, wenn wieder ein Brummi sich von hinten nähert. Da fahre ich dann ganz rechts, sodass die überhängenden Büsche und Zweige meine Arme und Beine „streicheln“ und blutige Schrammen hinterlassen. Aber alles gut gegangen! :-) Wie unsagbar laut es auf dieser Strasse ist, wird mir erst bewusst, wenn ich mal für einige 100m die ss309 verlassen kann, um aber gleich darauf wieder zurückzukehren. Etwas Gutes hat es aber auch, ich fahre auf den engsten Abschnitten natürlich volle Kanne, um die Gefahrenstellen schnellstmöglich zu überwinden. Das bringt Kilometer, ich habe heute auf der gesamten Strecke einen Schnitt von 21 km/h erreicht, not bad ;-) Kostet aber auch Substanz, vor Allem nachdem das Thermometer mittlerweile 32 Grad anzeigt - im Schatten, und von Schatten kaum eine Spur. Die letzten 10 km führt mich das Navi weg von der ss309. Ich werde entlang eines Rinnsals auf einen frisch gemähten Wiesenweg geleitet, an dessen Beginn eine Fahrverbotstafel stand. Geht gar nicht so schlecht, dachte ich mir, nur halt langsam. Dann ändert sich der Untergrund zu feinem Sand, da fähr es sich gar nicht mehr gut, weil viel zu anstrengend! Die Alternative ist, zurück auf die ss309, aber gerne doch ;-) Bevor ich mein heutiges Quartier erreiche, mache ich noch einen Abstecher an die Adria nach Lido delle Nazioni. Am Strand finde ich das Restaurant Trinidad, das sowohl von der Straße als auch direkt vom Strand zugänglich ist, ähnlich einem grossen Strandbad Buffet. Ich suche mir einen Tisch an dem es wenig zieht, denn natürlich bin ich völlig nass geschwitzt. Ich weiß dass die Kellnerin mich gesehen hat, aber irgendwie scheint sie mich zu ignorieren, ich ahne warum. Also stehe ich auf und gehe zu ihr hin und frag sie, ob man auf eine Tischzuweisung warten muss. Si sagt sie nur, lächelt mich an und überreicht mir die Speisekarte, und ich darf auch meinen selbst gewählten Platz behalten, Lektion gelernt ;-) Sie ist dann sehr freundlich als sie meine Bestellung aufnimmt. Ich mixe mir selbst mein Ankommensbier im Wasserglas zusammen, was sie etwas zu irritieren scheint. Der Insalatono schmeckt hervorragend und zum Abschluss nehme ich einen caffé draussen im Strandbereich. Dazu bekomme ich aufs Haus ein Lemoncello, sehr hochprozentig aber wohlschmeckend, Grazie! In diesem Ort hat die Saison auch noch nicht begonnen, nur vereinzelt sind Liegen zu sehen, die Schirme sind geschlossen, scheint nicht so gross zu sein, wie Jesolo oder Sottomarina, eher angenehm. Nun aber zu meiner Unterkunft, es ist ein Agriturismo, ein Bauernhof der auch Fremdenzimmer anbietet, die meist eher nicht in der günstigsten Preisklasse zu finden sind. Dafür wird ländliche Idylle und ein authentisches Wohnen bereitgestellt. Beim Ankommen gefällt mir was ich sehe, eine sehr schöne Anlage, ein schattiger Park. Vor dem Eingang stehen unter einem Vordach rustikale Tische und Bänke. Auf einer der Bänke liegt jemand und scheint zu schlafen. An der Tür ist eine Klingel, auf mein Läuten erfolgt aber keine Reaktion. Also sehe ich mich ein wenig um und mache Fotos, aber es zieht mich schnell wieder in den Schatten des Vordachs, so heiß ist es mittlerweile geworden. Der Mann sitzt nun auf der Bank und ich spreche ihn an, frage „parli Inglese o tedesco“? Worauf er antwortet, ich bin Österreicher. Was für ein Glück, bei meinen Italienisch Kenntnissen! Es ist Josef aus Hall in Tirol, und wir kommen ins Gespräch, auf Deutsch :-) Er erzählt mir dass seine Frau Ulli - die noch Siesta hält - sehr gut Italienisch spricht, was die Kommunikation in diesem Land ungemein erleichtert. Sie gesellt sich dann auch zu uns und wir haben den ganzen Nachmittag eine sehr nette Unterhaltung. Beide leben ihre musikalische Leidenschaft als Chor Sänger bzw. Sängerin, Zuhause werden sie - auch deshalb - sicher schon sehnlich erwartet. Es freut mich euch kennengelernt zu haben, Danke für das Wasser, ich wünsch euch noch eine schöne Urlaubszeit und dann eine gute Heimkehr! :-) Um 16 Uhr kann ich dann auch einchecken, das Zimmer bestätigt den Eindruck, den ich schon von Außen hatte. Erstes Zimmer ohne TV, aber es gibt eh keine deutschsprachigen Sender. Auf das Abendessen im Haus habe ich verzichtet, ab 19:30 ist mir einfach zu spät, umsomehr freue ich mich auf das Frühstück, ehe es dann nach Ravenna geht! Nachtrag: nachdem hier das WLAN zu mau ist um den Blogbeitrag und vor allem die Fotos hochzuladen, werde ich es morgen nochmal versuchen, versprochen ;-)
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