Tag 5

Veröffentlicht am 28. Mai 2026 um 20:23

Von Agriturismo Valle nach Fosso Ghiaia

Die Nacht ohne überfüllten Magen hat mir gut getan, ich hab sehr gut geschlafen, das werde ich auch heute wieder so halten. Frühstück wird erst ab 8 Uhr angeboten, aber nach kurzem Gespräch mit der netten Gastgeberin war sie gerne bereit, mir schon um 7:30 die Tür zum Frühstücksraum zu öffnen. Nachdem ich wieder um 6 Uhr aufgewacht war, stand das Rad um 7:30 abfahrbereit vor der Tür. Ich wurde mit einer Karaffe Orangensaft begrüßt und nach meinen Wünschen gefragt. Neben all den angebotenen typisch Italienischen Guten Morgen Süssspeisen sagte ich zu einem Omelett mit Käse gerne ja, dazu grüner Tee und dann auch noch Joghurt. Das Omelett kam frisch gebraten aus der Küche und war mit Kräutern fein abgeschmeckt, den Geschmack habe ich aber nicht erraten, aber köstlich wars allemal. Danach servierte sie mir das Joghurt und mit einem Lächeln reichte die Nette mir auch ein süßes Stück, ganz ohne wollte sie mich wohl nicht gehen lassen ;-) Der Gesamteindruck dieser Unterkunft ist einfach nur grossartig!  Kurz nach 8 Uhr gehts wieder los, der Sattel und ich sind noch nicht best friends um diese Tageszeit, und ob wir es jemals sein werden, wird sich bis zum Ende der Reise herausstellen. Eine Erkenntnis hat mir diese Reise bisher schon gebracht: " Neu ist nicht automatisch Besser " .   Ich habe mir heuer - sobald die Schi aus den Geschäften ins Sommerlager verräumt, und Räder wieder in den Vordergrund gerückt wurden  - ein neues Bike gekauft. Wollte ich schon letztes Jahr, da war es nicht lieferbar. Also frühestmöglich zum Dealer des Vertrauens nach Zerlach gefahren und das neue Cube Stereo Hybrid One22 in indigoblue´n´blue  bestellt. Warum? Gute Frage, habe ich doch ein Rad das mich schon einige tausend Kilometer zuverlässig pannen -und unfallfrei durch die Lande fährt. Als ich dieses Rad 2021 kaufte hatte ich vom Tourenfahren noch wenig Ahnung. Das Bike hat war ein reines Mountainbike und musste erst zu einem Tourenrad hochgerüstet werden, was zu der Zeit noch aufwendig war, die passenden Komponenten zusammenzufinden. Das hat ja bekanntlich gut geklappt, aber eines der wichtigsten Kriterien für meine Wahl war die Höhe des schräg abfallenden Oberrohrs. Um bei eventuell notwendigen unvorbereiteten "Absitzern" nicht schmerzhaft auf die Stange "aufzusitzen" (jeder Mann weiß wovon ich spreche) wählte ich kurzgesagt den Rahmen danach aus, und das war der Rahmen in S, bei meiner Körpergröße von 184 cm definitiv zu klein, wie mir der Meister beim Bikefitting erklärte. Es war also ein Kompromiss das Rad auf meine Proportionen einzustellen, ganz ist es nie gelungen. Jetzt hat das Rad Rahmengrösse XL und zusätzlich wollte ich ein Fully, also auch hinten gefedert. Soweit, so gut. Aufgrund zweier sehr schmerzlicher Verluste innerhalb der Familie - wozu ich auch meinen liebsten Kindheits und Jugendfreund zählen darf - war meine Radreise selbstredend aus dem Fokus gerückt, der ursprünglich geplante Termin verschoben. Als ich am Sonntag den 24. dann losfuhr, war die Fahrt zum Grazer Hauptbahnhof meine erste Fahrt mit dem neuen Rad, und so fühlte es sich an, fremd! Bis heute suche ich noch die richtigen Tasten am Lenker, die Schiebehilfe habe ich noch nicht gefunden, hätte sie aber in Udine am Bahnhof gut gebrauchen können ;-) Aber es wird jeden Tag besser, vor allem seit ich die Unterstützungsmodis umgestellt habe. Das neue Bosch System bietet 14 verschiedene Unterstützungsstufen, aus denen man vier auswählen kann. Jetzt habe ich genau diese vier ausgewählt die ich auch auf meinem ersten Rad habe, und siehe da, es läuft viiiiiel besser, ich fühle mich einfach wohler damit. Never change a winning Team ;-) Normalerweise fahre ich nur brettharte Sättel, viele probiert, keiner hat mich bisher zufrieden gestellt. Also habe ich einen Tag vor meiner Abreise auch gleich noch einen neuen Sattel (Nr.8) montiert, erstmals einen leicht gepolsterten. Wie gesagt, Freunde sind wir noch nicht, auch nicht am Nachmittag ;-)   Auf Tour fahre ich eigentlich immer mit Fahrradunterhose. Auch da habe ich mir zwei neue gekauft, ohne jemals damit gefahren zu sein habe ich sie eingepackt, war auch nicht sehr klug, denn eine drückt sehr unangenehm. Nachdem der Sattel gepolstert ist, bin ich die beiden letzten Tage überhaupt ohne Radhose gefahren, ist aber auch nicht die glücklichste Lösung bei den vorherrschenden klimatischen Bedingungen :-( Anyway, ich wollte ja nur vom heutigen Tag berichten und bin wohl etwas abgeschweift :-) Die Fahrt begann auf eine Schotterpiste, die aber bald in eine wenig befahrene Nebenstraße mündete. Es war leicht bewölkt, in der Ferne hörte ich es donnern, in Fahrtrichtung bauen sich Wolkentürme auf. Regen ja, denke ich mir, aber bitte kein Unwetter! Aber es kommt nichts und so bleibt es den ganzen Tag. In Comacchio gibt es einige lohnende Fotomotive, die Stadt ist von Kanälen durchzogen. Kurz darauf erreiche ich schon das nächste Highlight, den Parco Regionale Delta del Po. Auf einem sieben km langen Damm fährt man durch diesen Naturpark, links und rechts nur Wasser und unzählige unterschiedlichste Vogelstimmen sind zu hören. Auf der ganzen Strecke kommt mir nur ein Radfahrer entgegen, sonst bin ich allein und mir wird bewusst, wie weit entfernt von der Natur ich zivilisierter Mensch schon bin, denn es gehen mir gGedanken durch den Kopf, wie, was wäre wenn mir jetzt etwas passieren würde, und bin doch nur sieben km vom nächsten "Zivilisten" entfernt, also schüttle ich diese Gedanken schnell wieder ab und erfreue mich an der Schönheit der Natur. Ich bin dankbar hier sein zu dürfen, es auch zu können was ich gerne mache und tue, und schon geht´s mir gut. Ich sehe Flamingos und weitere Vögel die ich nicht kenne, auch ein Biber kreuzt meinen Weg, und seltsamerweise gibt es hier mitten im Wasser keine Mücken. Dachte ich mir, denn als ich dann am südlichen Ufer auf einer Landesstrasse weiterfahre, begleiten mich wieder Scharen dieser Quälgeister. Ich erreiche den Ort Alfonsine, nachdem ich heute schon durch Gloria und Anita gefahren bin. Hier stoppe ich bei einer Pasticeria, trinke wieder einen Cappuccino samt einer Mehlspeise, es ging bei dem Angebot gar nicht anders. Zudem fragte ich ob ich das WLAN benützen darf, ich wollte den Blogbeitrag von gestern hochladen, aber auch deren WLAN war zu schwach für eine vernünftige Übertragung. Wenigstens mein heutiges Quartier konnte ich buchen. Weiter geht´s wieder auf der ss16 mit bekanntem Verkehrsaufkommen, dafür gleich ganz ohne Seitenstreifen. Heute bin ich für viele Kilometer aktiver Verkehrsteilnehmer der Strasse! Wenn die ss16 einen Ort passiert, gibt es meist so etwas wie einen heruntergekommenen Radweg, aber wenigstens weg von der Piste, wenn auch meist nur kurz. Ravenna ist bald erreicht, die erste Großstadt auf meiner Reise, ich glaube Udine ist sicher kleiner. Jedenfalls wie die meisten Großstädte gibt es nicht viel Sehenswertes , bevor man nicht das Centro Storico erreicht. Aber auch das hat mich nicht umgehaut, ich glaube ich bin zu verwöhnt von den schönen Altstädten der Toskana. Für Fotos reicht es aber natürlich sicher, aber das erhebt auch keinen Anspruch auf Richtigkeit, ich habe nur einen Abriss, einen kleinen Teil gesehen. Bei einem Conad Supermarkt gönne ich mir wieder einen köstlichen Mittagssnack, einen feinen Salat. Von meinem Platz habe ich mein Rad draussen immer im Blick und kann mein Essen ungestört genießen. Auf der Weiterfahrt zu meiner Absteige muss ich noch einen Umweg machen und lande schlussendlich wieder auf der ss16, an der auch das Hotel liegt. Mein Rad durfte ich hinter dem Gebäude in einer Kellergarage abstellen, an den Rohren und Installationen dort kann man erkennen, welch alter Schuppen das schon ist. Das Zimmer ist aber seh sauber und groß genug , auf das Schlaferlebnis auf der raunzenden Federkernmatratze bin ich schon gespannt, ich werde berichten ;-) Gestern und heute waren es rund 160 km Fahrt, morgen fahre ich nach Cattolica :-) 

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.