Von Fosso Ghiaia nach Cattolica
Das Bett war gar nicht so schlecht wie befürchtet, aber der Lärm von der Straße durch die ganze Nacht, der war beträchtlich. Fertig gepackt stehe ich kurz nach sieben vor leider verschlossenen Türen, Frühstück gibt es erst ab 8 Uhr. Das ist mir zu spät, also muss ich - obwohl bezahlt - wohl oder übel darauf verzichten. Also wieder hinaus auf die altbekannte Piste, die ss16 in der Morgen Rushhour. Weiter nördlich hat es wahrscheinlich geregnet, es sind noch dicke Wolken dort zu sehen. Auch hier ist es leicht bewölkt und es hat ganz leicht abgekühlt, wobei, es fällt das Thermometer in der Nacht nicht unter 20 Grad. Gut dass ich früh unterwegs bin denke ich mir und radle los - heute übrigens mit Radhose. Gleich realisiere ich warum die dicken Wolken hinter mir liegen, denn der Wind kommt von Vorne, und zwar recht heftig. Nach kurzer Zeit sehe ich am Straßenrand ein bekanntes Emblem, Eurospar.Da hole ich mir mein Frühstück, Pizzastück und Wasser, dazu AloeVera Saft. Auf einer schattigen Bank lasse ich es mir schmecken, obwohl einen Schattenplatz brauchte ich bei der Bewölkung gar nicht, und das bleibt heute die vorwiegende Wettersituation bis zum frühen Nachmittag. Die ss kann ich alsbald verlassen und erreiche nach kurzer Fahrt über Nebenstrassen und auch Radwege wieder einen Parco Nationale den ich auf einer gepflegten Schotterpiste durchquere. Durch die Bäume wird der Wind etwas abgehalten, so habe ich auch ein Auge für die Schönheit dieses Parks, mit wieder auffallend vielen Vogelstimmen. Apropos Vogelstimmen, gestern habe ich in einem Vorort von Ravenna das weithin hörbare Rufen eines Pfaus gehört. Da ist mir wieder eingefallen kürzlich in der Zeitung gelesen zu haben, dass eben hier bei Ravenna eine Pfauenplage vorherrschen soll, der man nicht Herr wird. Gesehen habe ich keinen, gehört habe ich den Ruf mehrmals. Wer hätte gedacht dass ein edles Tier wie ein Pfau, den man z.B. im Park des Schlosses Eggenberg bewundert wenn er sein Rad schlägt, anderswo zur Plage werden kann. Quasi Überbevölkerung ;-) Am Ende des Parks besuche ich einen stimmungsvollen und sehr gepflegten Friedhof, es ist mir bewusst, dass meine Beschreibung und ein Foto die Stimmung nicht wiedergeben können. Weiter geht's und ich erreiche das Meer, von wo auch der Wind herkommt und dementsprechend zulegt:-( Hier beginnt nun die Torismusmeile des heutigen Tages im Ausmaß von über 50km von knapp 80. Noch wird fleißig gepinselt und geputzt und die Pools werden wieder mit Wasser gefüllt. Wenn ich es richtig verstanden habe, beginnen sehr bald im Juni die Ferien hier in Italien, dann geht es wahrscheinlich richtig los, denn Kinder im Schulalter sieht man noch kaum, abgesehen von den zahlreichen geschlossenen Schülergruppen im Ausflugmodus mitsamt ihrer Lehrerschaft. Auch die ganzen Spiel -und Sporteinrichtungen sind noch verwaist. Die meisten dieser 50+ Kilometer verlaufen entlang der Küste durch Orte wie Cervia, Cesenatico, Rimini, Riccione bis ich in Cattolica ankomme. Ausser in Rimini war mir nie ganz klar, wo gerade ich durchfuhr, kein Anfang und kein Ende, es müssen hunderttausend Schirme nur in diesem Küstenabschnitt sein, grauslich! Ich möchte hier auch nicht durchfahren, wenn die Saison begonnen hat, es war heute schon schwierig genug. Den Radweg oder Lungomare zu befahren ist ein ständiges Stop and Go, aufgrund der Fußgänger, mit denen man sich die Wege teilt. Un wo gehen die Menschen meistens? Ganz klar, in der Mitte, und sind dann auch noch ungehalten, wenn man klingelt. Dazu der permanente Gegenwind!. Wenn zwischen den Hotelzeilen sich eine Lücke auftut, kommt ein derart heftiger Windstoss, dass es mich mit dem Rad versetzt. An manchen ungeschützten Abschnitten bläst der Wind den Sand vom Strand herauf, und auf einmal erkenne ich, ich bin wieder im Flow, wenn mir spontan und situationsbezogen durch den Kopf geht und raus will, denn es singt Roy Black in meinem Kopf " es war nur Sand, in deinen Augen ..." :-) Der Wind ist also nicht des Radlers Freund, umsomehr genießen heute die Surfer die Verhältnisse, vor allem Kitesurfen scheint der Trend zu sein. Spektakulär zuzusehen! Die Erkenntnis des Tages lautet, nicht jeder Kaffee in Italien ist automatisch ein guter Kaffee! Wieder habe ich an einer Pasticeria angehalten, um mir einen Cappuccino zu gönnen. Es war eine Milchsuppe mit Kaffeegeschmack ;-) Aber ich bin sicher, es war eine Ausnahme! Bei der Weiterfahrt stehe ich plötzlich - vom Navi geführt - an einem Fluss an. Sch... Navi denke ich, da sehe ich erst, es kommt gerade ein Gefährt vom anderen Ufer herüber, eine Fähre. Sorry Navi, aber es wäre durchaus möglich gewesen. Wenn ich auf einer ss unterwegs bin, ist es so laut dass ich das Navi nicht hören kann. Nicht so schlimm, denn auf die Ansage sich zu verlassen, wäre fatal. Mein Navi hat eine ausgeprägte Rechts-Links-Schwäche. Ich sehe z.B. auf der Karte und auch schon in der Ferne eine Linkskurve auftauchen, doch das Navi meint, bei nächster Gelegenheit rechts abbiegen :-) Seit ich das geschnallt habe, kommen wir gut miteinander aus, es ist ja auch eine Sie ;-) Der Fährmann fragt mich nach dem woher und wohin, als ich ihm mein Ziel Apulien nenne, muss er das sofort den Anwesenden lautstark verkünden und die nicken anerkennend, zum Abschied wird gewunken :-) Rimini war heftig, ich musste durch die Stadt - die nicht schön ist - zur Mittags Rushour. Gleich wieder abhaken und dort nicht mehr hin müssen. Mir war heute entlang der Küste aufgefallen - Aushnahme Rimini - dass es nicht diese Skyline von zehn -und nochmehrstöckigen Hotels gibt, wie z.B. in Jesolo gesehen. Hab wohl nicht genau hingesehen, denn ich sitze jetzt auch im 7.Stock meines Hotels in Cattolica ;-) Das Haus hat auch ein Restaurant, allerdings erst ab 20 Uhr geöffnet. Oliver, ein deutschsprechendere Angestellter aus Südtirol meinet nur, das ist eh früh für Italiener, die üblicherweise erst um 21 Uhr zum Essen gehen. Ich bin Österreicher und esse nach Möglichkeit früher. Gleich um die Ecke ist ein Imbiss, das muss heute reichen. Es wird ein Burger mit Pommes und einem Bier, passt, satt! Morgen heißt das Ziel Ancona. Wieder einmal ist das WLAN zu schwach um Fotos übertragen zu können .......
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