Tag 7

Veröffentlicht am 30. Mai 2026 um 21:49

Von Cattolica nach Ancona

Jetzt ist es schon Routine um 6:30 aufzustehen und in max. 1 Stunde fertig gepackt zu sein, entweder zum Frühstück oder gleich ab auf die Piste, ausser es gibt schon - was äussesrt selten vorkommt - Frühstück schon ab 7 Uhr. Oggi colazione dalle 7:30. Der Frühstücksraum befindet sich im 6 Stock des Hotels mit natürlich schöner Aussicht, dafür ist das Frühstück eher bescheiden, aber Rührei und grüner Tee sind eh OK. Um 8 steige ich auf und radle aus Cattolica hinaus und erreiche kurz darauf Gabicce Mare. Das wars dann mit den so wohlbekannten Badeorten der nördlichen Adria. Ich bin wieder zurück auf der ss16, aber in Italien scheint schon den ganzen Samstag LKW Fahrverbot zu herrschen, kein Schwerverkehr macht das Fahren doch um einiges angenehmer und auch nicht ganz so laut. Dazu fällt mir auch gleich ein weiteres Plus auf, der Wind der gestern so hart gegen mich gearbeitet hat, hat sich heute verabschiedet, und auch die Temperaturen sind angenehm. Da ist die erste Bergwertung auch kein grosses Problem, Aber sofort wird das Gepäck spürbar, das den Berg über 5 Kilometer hochgeschleppt werden muss. Dafür wird die schweißtreibende Mühe mit einer rasanten Abfahrt von 55 KmH in einer 50er Beschränkung vergolten. Hätte ich auch nicht gedacht dass ich mit dem Rad jemals auf einer Schnellstraße eine Geschwindigkeitsübertretung begehen würde ;-)  Bald durchfahre ich Pesaro, eine Stadt die man auch nicht unbedingt gesehen haben muß. Dann erreiche ich Fano, in der ganzen Stadt - zumindest entlang meiner Strecke - werden Marktstände aufgebaut, hier wird wohl ein grosses Fest stattfinden. Der Küstenabschnitt des heutigen Tages scheint nun das Italien der Italiener zu sein, ich habe auf der gesamten Strecke nur zwei Autos gesehen ohne italienisches Kennzeichen. Ganz anders als die Tage zuvor. Wochenende ist ja auch, das Wetter ist toll, also strömen die Einheimischen ans Meer. Alles wirkt entspannter, nicht mehr an jeder Strandbar dröhnende mpf, mpf  Musik, und sehr viele Strandabschnitte ohne jegliche Schirme und Liegen, die bringen die Leute selbst mit, oder liegen einfach so in der Sonne. Hier gibt es auch keine Bettenburgen, dafür fehlt der Platz, denn im Hintergrund ist es sehr hügelig, zwischen Meer und Hügel verläuft eine Strasse und zwei Bahngleise und der Lungomare, fertig. Irgendwann treten die Hügel dann weiter in den Hintergrund und es gibt auch wieder genügend Hotels, dennoch ist es anders als von Gabicce Mare nordwärts. Die Strasse zwischen den Ortschaften ist zugleich Parkplatz für die zahlreichen Badegäste. Erkenntnis des Tages, Italiener gehen nicht zum Schwimmen ans Meer, sondern sie stehen im Wasser, basta! Fast über den gesamten Küstenabschnitt verläuft an den Badestränden ca. 200m parallel zum Ufer eine aufgeschüttete Felsbarriere zum offenen Meer. In dieser sich daraus ergebenden Luxusbadewanne staksen sie durchs Wasser, das aufgrund der geringen Tiefe sicher schon angenehm warm ist. Der schönste Ort des Tages ist Senigallia für mich. Ich erreiche es um halb zwölf und fahre vom Radweg weg, da ich einen Kirchturm sehe der mich vermuten lässt, dort könnte es eine Bar geben, wo ich im Schatten einen Kaffee trinken möchte, habe ich doch schon 55 Kilometer in den Beinen. In einer schattigen Seitengasse, nicht so spektakulär wie erhofft, schlürfe ich mein Heißgetränk, einen ausgezeichneten Cappuccino :-) Hier bekomme ich mein erstes Wasser im Tetrapack, ob das wirklich weniger umweltschädlich ist als die Flaschen? Als ich aus dem Gewirr dieser Stadt wieder den Weg zurück auf meine Route suche, verfahre ich mich. Gut so, denn so bekomme ich ein sehr schönes Fotomotiv geschenkt. Eine Burg aus der Römerzeit taucht überraschend nach einer Kurve auf, und auf dem römischen Platz der zu dieser Anlage gehört, ich auch gerade Markttag. Senigallia habe ich für mich mit "blauer Radweg" übersetzt, nirgendwo davor war der Radweg in so strahlendem blau gehalten. Auf dem Radweg fahrend, erhasche ich aus dem Augenwinkel einen Schriftzug "rikki tikki tavi" Ich bremse und schlage einen Haken um 90 Grad - und schon liege ich auf der Schnauze, nix passiert! Dabei habe ich nur RIKI gesehen, das mich instinktiv anhalten ließ ;-) Es gab ein gutes Eis, das den Stopp absolut rechtfertigte, und eine Toilette gab es auch :-) Mittlerweile ist es auch wieder heiß geworden und ich schaue zu, dass ich weiter komme, denn es geht immer gerade entlang des Strandes, an dem immer weniger Menschen zu sehen sind weiter und weiter. Plötzlich ist der Radweg zu Ende, und ehe ich´s mich versehe, fahre ich über ein Rohr mit ca. 60cm Durchmesser über einen Graben. Jetzt nur nicht das Gleichgewicht verlieren, sonst liege ich im Graben. Wenn ich die Zeit zum Überlegen gehabt hätte, ich weiß nicht ob ich drüber gefahren wäre. Am anderen Ende sagt mein Navi, folge dem Single Trail für zwei Kilometer. Aber das ist kein Single Trail! Es sind Felsen unter überhängenden Sträuchern, die dann in eine tiefe Schotterpiste übergehen. Ein einsamer Sonnenanbeter liegt am Strand und wundert sich sicher über mich, ich auch! Es ist mega anstrengend das Rad zwei Kilometer durch den Schotter zu schieben, aber auch das hat einmal sein Ende und erreiche wieder einen Radweg. Der führt nun über eine Brücke, bei der die Holzplanken in Längsrichtung verlegt wurden, und teilweise beginnen die Plankenenden sich aufzustellen, eine echte Meisterleistung des Brückenbaus! Dann erreiche ich auch schon Ancona, mit einer grossen Raffinerie auf der linken Seite und auch sonst einem eher tristen Erscheinungsbild , alles erscheint schmutzig und vernachlässigt. Ich kämpfe mich durch den Verkehr und bin heilfroh, als ich an meiner letzten Abzweigung vor meinem Hotel abbiege. Aber da geht es sogleich ordentlich zur Sache einen Berg hinauf mit 18% Steigung, da hilft nur noch der Turbo. In meinem Kopf sing Hansi Djumic "warum soll ma uns quöl'n....."  Recht hat er :-) Aber runter fahre ich da heute sicher nicht nochmal! Ich stehe vor einem verschlossenen Tor und melde mich an der Sprechanlage an, das Tor öffnet sich und ich stehe vor einem Schloß. Wollte eh schon immer mal in einem Schloß wohnen ;-) Das Haus und die Lage sind wirklich beeindruckend, und sehr groß, ich habe eine kleines Zimmer im dritten Stock. Auch gibt es ein Restaurant im Haus, aber nicht für mich, denn 20 Uhr ist zu spät. Was soll´s, ich checke Google nach offenen Lokalen in der Umgebung und entscheide mich für das naheliegendste, einen Conad Supermarkt. Also muss ich heute doch noch einmal hinunter und dann den Berg wieder hoch fahren. Ohne Gepäck spürbar leichter! So komme ich zu meiner ersten Parmigiana und einen Salat nehme ich auch mit, sowie zur Sicherheit noch zwei Flaschen Bier, ich habe Hunger und Durst! Zurück im Zimmer falle ich darüber her - und hätte es beinahe nicht geschafft, alles wegzuessen. Das zweite Bier steht auch noch ungeöffnet herum, die Augen waren mal wieder grösser...... Das Zimmermädchen wird sich morgen vielleicht freuen ;-)) Die Planung der Weiterfahrt gestaltet sich schwierig, ich muss das Wunschziel mit verfügbaren Quartieren abstimmen, und leistbar soll es auch sein. Mein Hotel morgen kostet 102 Euro und war das günstigste das zu bekommen war. Morgen ist ja Sonntag, ciao, a Domani :-)   Danke Anita für das letzte Foto ;-))

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