Von Ortona nach San Salvo Marina
Der Blick aus dem Fenster bestätigt, was ich zu hören meine - es regnet. Kommt nicht wirklich überraschend, der Ventusky Wetterdienst ist ziemlich zuverlässig. Vor ein paar Tagen noch war ja die Aussicht für heute gar nicht rosig, eine weitläufige Gewitterzelle genau über dem Gebiet, in dem ich mich befinde. Gestern gab es dann leichte Entspannung, kein Gewitter mehr, Regen sehr wohl möglich. Unter diesen Umständen habe ich auch für heute eine kurze Tour geplant, am Nachmittag drohen wieder Gewitter, da bin ich lieber schon angekommen. Ich hatte ja geplant spätestens nach 10 Tagen einen Day Off einzulegen, aber aufgrund der unstabilen Wetterlage nutze ich lieber die regenfreien Zeiten und radle halt kürzere Etappen. Wenn ich allerdings an DEN Ort mit DEM Hotel ankommen sollte, werde ich einen Ruhetag einlegen, sonst eben weiter mit wie gesagt kürzeren Etappen. Das "Hotel Ideal" ist auch schon ein älterer Kasten, im Frühstücksraum/Bar (4 Tische) hängen (schief) sehr viele Bilder aus guten alten Tagen, als auch Prominente hier abgestiegen sein sollen. Die haben aber sicher ein besseres Frühstück bekommen als ich ;-) Kuchen und Kekse aus dem Supermarkt, da entscheide ich mich lieber für Cornflakes mit einer Banane, ein Joghurt rundet das Ganze noch ab, ein Vorteil dass ich gestern reichlich gegessen habe. Vor dem Frühstück gab es eine Kurze Regenpause, bei Abfahrt beginnt es wieder zu nieseln. Also Regenhaube auf den Helm, die Regenjacke anziehen und kann los gehen. Aber nicht lange, es beginnt stärker zu regnen. Ich habe nur ein Paar Schuhe mit (und Flip Flops) aber für Regentage habe ich knallgelbe Plastik Überschuhe mit, damit meine Schuhe trocken bleiben, mit dem Zusatznutzen, besser gesehen zu werden. Die ziehe ich mir drüber und weiter gehts. Aber nochmals muss ich nachjustieren, es ist kalt heute, speziell am Kopf, da tut mein Bandana dann gute Dienste. Sehr bald verlasse ich die Strasse und biege wieder auf den Cyclovia Adriatica ein. Außer mir sind heute alle zuhause geblieben, so scheint es, denn lange Zeit begegnet mir niemand. In den letzten Tagen war der Morgen immer die Zeit der zahllosen Jogger, heute nicht ;-) Der Weg folgt der Küste, es ist eine ehemalige Bahnstrecke die zum Radweg (Highway) ausgebaut wurde. Und hier sehe ich erstmals öffentliche Sanitäreinrichtungen am Wegesrand, eine weitere Investition, aber wir Radfahrer sagen Danke! Bei der Hitze des Tages lag in den letzten Tagen an den wilden Strandabschnitten öfters das würzige Aroma von Fäkalien in der Luft ...... Entlang der Küste reihen sich die Trabocchi, die typischen Wahrzeichen der der Abruzzen Region, aber auch bei Palestrina in der Lagune von Venedig gibt es sie. Es handelt sich um traditionelle Fischerplattformen auf Pfählen, hier sind viele davon heute als Restaurant oder Ausflugsziel in Verwendung. Da fällt mir ein dass ich ein Buch gelesen habe, das von einem besonderen Ort, einem Traboccho handelt, an dem ein gestresster Managertyp einen alten Fischer kennenlernt, der ihm in langen Gesprächen eine neue Sicht des Lebens vermittelt. An den Titel kann ich mich nicht mehr erinnern. Mittlerweile hat der Regen aufgehört, Zeit die Regenjacke auszuziehen. Wieder einmal stelle ich fest, die Regenjacke schützt vor Nässe von außen, aber wo nichts reingeht, geht auch nichts hinaus. Die Ärmel kleben an der Haut und am Rücken rinnt der Schweiß in Bächen, dabei hat es gerade mal 21 Grad. Das wären jetzt die besten Voraussetzungen für eine Verkühlung, also doch eine Jacke drüberziehen bis ich etwas abgetrocknet bin. Langsam wird auch die Straße wieder trocken und ich ziehe auch die Regenschuhe aus. Was habe ich geglaubt, dass die Schuhe trocken bleiben? Auch da bin ich im eigenen Saft gestanden ;-( Aber was solls, Regentage bleiben hoffentlich die Ausnahme! Irgendwie ist es heute wie im Herbst, wenn nach einer langen Saison schön langsam die Luft draussen ist. Aber der prächtig blühende Oleander lässt gleich die Stimmung wieder steigen. Bei der Ortstafel von Casalbordino verspüre ich den Drang, meinen gelben Tour_Retour Aufkleber zu platzieren. Was den Ort besonders macht, erfahre ich bald darauf, als ich wieder einmal vor dem Ende des Radwegs, vor einer Sperre stehe. Hinter der Absperrung kommen zwei Radfahrer daher, die ich frage ob man es wagen kann, durchzufahren. Man kann sagt er, aber nach ein paar Kilometer ist die Strasse abgerutscht und ich müsste mein Rad samt Gepäck durch ein unwegsames Wald stück irgendwie vorbei bringen. Darauf habe ich genau keine Lust! Ich checke die Karte am Navi, die Alternative ist, ich muss den Weg zurück, dann querfeldein über eine Nebenstraße , die am Ende hoffentlich einen Anschluß an die ss16 Adriatica hat. Hat sie, und nach diesem ungeplanten Umweg mache ich an einer Tankstelle halt, die machen meist guten Kaffee. Ich trinke zuhause ja auch nie Cappuccino, warum also versuche ich es hier immer wieder, nur um enttäuscht zu werden. Der Himmel ist heute so bedeckt, dass das Navi manchmal zu wenig Satelliten Signal empfängt und der Zeiger irgendwo abseits der Rote herumirrt. Nur nicht wieder regnen, bin eh bald da. Da höre ich die Menge skandieren, NO RAIN, NO RAIN aus dem Film zum legendären Woodstock Festival 1969. Genützt hat es damals nichts, es war eine Schlammschlacht, 400 000 Besucher am Gelände, da ist einiges aus dem Ruder gelaufen. Ich hingegen wurde erhört :-) Dafür habe ich wieder die Mücken, die mir der Gegenwind ins Gesicht peitscht, trotz Brille bekomme ich einige Biester in die Augen. Vor Marina die Vasto durchfahre ich ich ein Naturreservat, das durch den Radweg durchschnitten wird. Immer wieder kreuzen Pfade den Radweg, die durch dichtes Schilf oder dichte Sträucher hinaus an den Strand führen, der heute total verwaist ist. Da erreicht mich der Anruf meines Freundes Sepp, der zur Zeit mit seiner Frau und einer Freundin auf dem Franziskus Pilgerweg unterwegs nach Rom ist, wo wir uns eventuell treffen wollten. Daraus wird nun nichts, er wurde vor Wochen von einer Zecke gestochen und jetzt hat er ernste Anzeichen von Borreliose. Abbruch und zurück nach Österreich, alles Gute mein Freund!! Nach 63 Kilometer Fahrt bin ich in San Salvo angekommen, hier habe ich ein Bed and Breakfast gebucht. Aber zuvor gehe ich essen, und zwar richtig. Als Vorspeise nehme ich ein Parmigiana (hätte schon gereicht) und dann noch perfekt al dente gekochte Nudeln con Ragù. Dazu ein Bier und zum Abschluss café, schwarz und stark. Für das alles und noch zwei Flaschen Wasser habe ich 26 Euro bezahlt! :-)) Es scheint auch ein Badeort zu sein, ansonsten ist hier nichts das es zu sehen lohnt. Eine sehr moderne Kirche und das wars auch schon. Also beziehe ich mein B&B im 4. Stock eines Wohnblocks, direkt an der SS16 gelegen, dementsprechend laut ist es, aber das Zimmer und Bad sind ok. Obwohl ich jeden Tag meine Tageswäsche im Waschbecken auswasche, geht eine graue Brühe weg. Es ist nicht so warm, dass die Wäsche am Balkon trocknen würde, so missbrauche ich halt den Fön ;-) Zum allerersten mal musste ich heute den Fahrrad Akku ausbauen und im Zimmer laden, kein Strom in der Abstellkammer in der das Rad steht. Als ich aus dem Fenster schaue sehe ich am naheliegenden Radweg einen Radfahrer und glaube eine rot weiß rote Fahne zu erkennen. Ich mache ein Foto um im Zoom nachzusehen ob es so ist. Es war ein Strassenarbeiter ...... Mit Bildern wird es heute leider wieder einmal nichts :-((
Kommentar hinzufügen
Kommentare