Tag 13

Veröffentlicht am 5. Juni 2026 um 21:04

Von San Severo nach Trinitapoli

Gerade habe ich denText des Vortages geschrieben, ich hoffe es war ein einmaliges Ereignis dass ich einen Blogbeitrag zweimal schreiben muss!

Ich bin heute schon vor dem Wecker aufgewacht, gut geschlafen aber trotzdem nicht ausgeschlafen. Ich spüre die 90 Kilometer von gestern stecken mir noch in den Knochen und anstatt in der Stadt herumzuflanieren, hätte ich mich lieber am Bett langmachen sollen. Heute warten also wieder 85 Kilometer auf mich, aber zuvor bringt mir äusserst nette Vermieterin mein bestelltes Frühstück ins Zimmer. Ich esse zwei Päckchen Zwieback mit Butter und Marmelade, ein normales und ein Fruchtjoghurt und trinke eine Tasse Tee dazu. Das Croissant muss ich stehen lassen, es ist mir einfach zu viel Süsses. Das Navi lotst mich durch verschlungene Gassen aus der Stadt hinaus, und schon begleiten mich wieder die versauten Strassenränder. Ich fahre für 30 Kilometer auf der ss Adriatica, dann ist sie plötzlich zu Ende und wird zugleich zur ss673. Sie war mir eine gute Begleiterin! Nach 35 km erreiche ich mein heutiges Etappenziel Foggia. Foggia unterscheidet sich nicht wesentlich von San Severo, bis man das historische Zentrum erreicht. Jetzt und auch in dieser Stadt gibt es keine Radwege mehr, es fahren überhaupt nur wenige Fahrräder auf den Strassen. Dafür sieht man alte Modelle die es schon lange nicht mehr zu kaufen gibt, und denen in diesem Zustand bei uns wahrscheinlich vor zehn Jahren schon das Pickel verweigert worden wäre. Das nennt man wohl effiziente Nutzungsdauer. Was aber sicher funktioniert, das sind die Hupen, von denen hier reichlich Gebrauch gemacht wird. Zuerst erschrickt man noch, aber auch daran gewöhnt man sich. Es hat auch niemanden gestört dass ich durch fast die ganze Stadt gegen Einbahnen gefahren bin, Frau Navi hat es so gewollt ;-) Der Verkehr ist sehr dicht und ich muss höllisch aufpassen, darum verzichte ich auf die Suche nach lohnenden Fotomotiven und quäle mich wieder aus der Stadt. Hat mich nur Zeit gekostet, gebracht hat mir Foggia nichts. Natürlich wieder Müll an den Strassenrändern, aber weniger als in San Severeo. Dieser Punkt geht an Foggia. Aber was mich dann für den Rest des Tages an Strassen erwartet, kann ich gar nicht beschreiben, in ganz vielen Abschnitten wäre Feldweg schon geschmeichelt, aber es gibt keine Alternative, ich muss durch! AVANTI sage ich mir nach jeder Trinkpause, deren es aufgrund der Hitze viele gibt, aber ich habe kaum noch Wasser und bis an mein heutiges Ziel gibt es keine Ortschaft mehr, wo ich Wasser kaufen könnte. Es hat 30 Grad, und schlimmer noch ist der extreme Gegenwind. Anders als gestern! Der Wind hat nur einen Vorteil, ich spüre die Hitze nicht so sehr.Ich quäle mich wirklich durch die flache Landschaft, auf manchen Feldern fahren schon die Mähdrescher. Die Fahrer sitzen sicher hoch oben in klimatisierten Kabinen, beneidenswert, gerne würde ich tauschen ;-) Wie aus dem Nichts ein Schild, ich kann es erst nicht glauben denn es ist schon recht verwittert, aber um die Hausecke bei dem Schild befindet sich tatsächlich eine Bar. Und was für eine. Der gute Mann richtet mir auf Wunsch ein Pannino - wir würden sagen einen  Viertel weissen Wecken - mit Mortadella und Formaggio, einfach köstlich denn der Hunger ist - man muss nur in die Situation kommen - immer noch der beste Koch!! Und endlich auch wieder reichlich Wasser, auf den Kaffee verzichte ich bei der Hitze. Noch liegen 25 Kilometer vor mir, und jetzt kommt der schlimmste Streckenabschnitt, der sich Straße nennt, und ein noch stärker werdender Gegenwind, ich keuche! Endlich erreiche ich wieder eine befahrbare Straße, die mich bis ins Ziel führen wird, aber es ist noch ein gefühlt weiter weg bis dahin. Es ist zwar fast nur eben, aber es fühlt sich an wie eine ständige Bergauffahrt und ich höre wieder den Knaus Hans sagen, dass die Oberschenkel brennen müssen, denn das tun sie. Als ich endlich in Trinitapoli ankomme springt meine Akku Anzeige auf Rot, es waren 87 Kilometer Schwerarbeit heute und bei der ersten Bar falle ich vom Pferd. Das Bier zischt mir durch die Kehle, ich bin total geschafft, und nach dem Bier bin ich nur noch müde. Ein Stück ist noch zu fahren, bis ich bei meiner Unterkunft angekommen bin, Suite Holygold. Es ist schön, es ist neu, aber mein Gepäck muss ich mangels Lift selbst hochtragen. Dann folgen die üblichen Routinen, alle Geräte aufladen, auspacken, Wäsche waschen, Duschen und den Rest von meinem mitgenommenen Pannini verspeisen. Dann gönne ich mir 30 min Schlaf :-)) Natürlich habe ich noch Hunger und Durst, also gehe ich zum nächsten Supermarkt und kaufe ein. Soll man nicht tun, mit Hunger einkaufen, das weiß man ;-) Jetzt ist es eh schon wieder 21 Uhr, Zeit für Nachtruhe, Buona Notte :-)

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