Tag 15

Veröffentlicht am 7. Juni 2026 um 21:17

Von Malfetta nach Polignano  a Mare

Heute beginnt bereits die dritte Woche meiner Reise, es soll ein genussvoller Tag werden, wünsche ich mir - was bis auf ein paar Ausreisser sich gut ergeben hat. Als ich gestern Abend zu Bett gehen wollte, sah ich einen komischen Wurm, eine Made auf meinem Leintuch. Ich hab zwar keine weiteren gefunden, aber für so einen Fall habe ich immer meinen ultraleichten Sicherheitsschlafsack dabei, in dem ich dann auch gut geschlafen habe. Frühstück gab es hier heute nicht, also wieder alles die Treppe hinunterbefördert, und so bin ich um 7:30 schon am Rad. Wo ich gestern gegessen habe, da bietet man auch Frühstück an, ab 7 Uhr wie man mir mitteilte - dabei aber vergass man mir zu sagen, immer ausser Sonntags. Nicht so schlimm, es kommen eh gleich weitere Orte und sicher auch offene Bars. Am Weg begegnen mir heute wieder viele Läufer und Jogger, es scheint auch hier der beliebteste Morgensport zu sein. In manchen Orten entlang meiner gesamten Route waren sehr viele Läufer unterwegs, in manchen auch weniger, aber bis auf den Regentag waren sie mein allmorgendlicher Mitbewerb um genügend Platz auf dem Radweg. Wieder ist es eine Bar in einem Hafen, die ich heute ansteuere, wo es zum Unterschied zu gestern absolut ruhig zugeht, was ich bei Tee und Cornetto vuoto sehr geniessen kann. Mein Weg entlang der Küste verläuft vielfach auf Radwegen, easy going bei 23 Grad, es ist einfach schön hier zu sein, ich lasse mir Zeit und sauge die Eindrücke in mich auf - sapore del sale, sapore del mare singt jemand in meinem Kopf ;-) Heute weiß ich dass ich einmal nicht auf die ss16 muss, ich fahre auf einer Begleitstrasse - der Via Napoli - die aber nichtdurchgehend auf einer Seite der ss16 verläuft. Kurz vor Bari ist es aber erstmal vorbei mit easy going. Laut Navi sollte eine Brücke über einen Graben verlaufen, die Brücke gibt es aber nicht. Ich checke sämtliche Möglichkeiten und komme doch wieder zum selben Schluß, zurück und irgendwo auf die ss16. Als ich mich schon aufmache kommt ein Radfahrer daher der schnurstracks und Gestrüpp fährt, dorthin wo die Brücke sein sollte. Es ist nur ein Pfad und auf der anderen Seite angekommen, muss ich mich mit meiner Fuhre hinter einer Leitschiene durchzwängen, aber ich bin drüben. Mein Spiegel war wieder das Opfer der Aktion, aber ich konnte ihn wieder anstecken. Die Küste bis Bari - und auch danach - ist felsig, es gibt hier keine Sandstrände und überhaupt wenige als solche erkennbaren Strände, mit Schirmen und Liegen. Heute sind wieder die Massen unterwegs, alle Strassen sind verstopft, alle wollen ans Meer. Dort wird dann jeder Fels genutzt, ein bunter Reigen von Menschen und Schirmen, die die Leute selbst von ihren Autos an den Strand tragen müssen, ein kommen und gehen. Die Fahrt durch Bari gestaltet sich sehr mühsam, stopp and go Verkehr, denn der Radweg endet immer wieder mal an einer Baustelle. Am Hafen bleibe ich stehen, dort liegen einige Fähren und Kreuzschiffe, ich will hier weg und fahre weiter. Der Radweg ist nicht immer als solcher zu erkennen, manchmal fahre ich unbewusst auf Gehsteigen, dafür gehen dann wieder Gruppen von Menschen am Radweg. Eine Kollision mit einem Mann kann  ich gerade noch verhindern, weil er partout nicht ausweichen möchte kommt es zu einem kurzen Kontakt, aber nichts passiert. Als ich über eine nicht abgesenkte Gehsteigkante hinunterrumple denke ich bei mir, hoffentlich hält mein Spiegel noch durch bis zum Ende der Reise. Ein Blick in den Spiegel - oje da ist kein Spiegel mehr! Ich fahre weit zurück und suche die gefahrene Strecke ab, aber leider, beim dritten mal war der Spiegel endgültig ab :-( Auf der Weiterfahrt wird mir bewusst, wie sehr mir der Spiegel fehlt, immer wieder schaue ich dorthin - wo jetzt keiner mehr ist - um den Verkehr hinter mir zu checken, und es kommt auch zu einigen brenzligen Situationen. Endlich aus Bari draussen wird es ein wenig ruhiger, ich folge wieder einer Begleitstrasse der ss16. Ich bin wirklich froh, nicht auf die Pseudo Autobahn zu müssen. Hungrig und durstig halte ich bei einer Tankstelle mit Bar. Ein guter Plan, denn der Cappuccino , das Foccacio und zwei Flaschen Wasser um 5 Euro sechzig kommen gerade zur rechten Zeit, und gut geschmeckt hast auch noch, währen daneben der Verkehr vorbeidonnert. Bei der Weiterfahrt erscheinen immer mehrfieser Trulli ähnlichen Steinhäuser. Ich hatte ja geplant nach Alber obello ins Trulliland zu fahren, aber wie schon bei meiner Romreise habe ich die Entscheidung getroffen, nicht von der Route abzuweichen. Es gäbe hier so viele lohnenswerte Ziele, die es wert wären, besucht zu werden, kostet mich aber Zeit und Energie. Was habe ich davon z.B. nach Alberobello zu fahren, ein paar Fotos zu schießen um sagen zu können, ich war auch dort. Ich habe weder die Zeit noch die Muse, an all den sehenswerten Orten gebührend zu verweilen. Da werde ich wohl mit Riki nochmals herfahren müssen :-) Jetzt habe ich ein Ziel, das heißt Santa Maria di Leuca, das gilt es zu erreichen! Und schon singt in meinem Kopf Peter Maffay, ich hab ein Ziel, und dieses Ziel bist du.... Das gleiche Ziel hat auch Christina aus Norddeutschland. Kurz vor Polignano a Mare sehe ich sie auf der anderen Straßenseite gehen, mit Rucksack und Pilgerstab. Ich bleibe stehen, ich möchte gerne wissen woher und wohin. Ein kurzes aber sehr nettes Gespräch, sie ist seit drei Wochen in Rom gestartet, auf dem Pilgerweg Via Francigena del Sud, den - wenn ich es richtig verstanden habe - ein Bischof erstmal um das Jahr 1000 gegangen sein soll. Wie wünschen uns Buen Camino, vielleicht trifft man sich ja wieder in Polignano. Aber als ich den Ort erreiche, halte ich das für ziemlich unwahrscheinlich. Darauf war ich nicht vorbereitet. Menschenmassen wie ich sie noch an keinem Ort meiner Reise zuvor gesehen habe. Es gibt hier wirklich viel zu sehen, den Blick hinunter in diese Badebucht kannte ich schon aus einer Zeitschrift, schon alles sehr beeindruckend, wenn nur diese Massen nicht wären. Meine Unterkunft liegt mitten im Zentrum, eine gesamte Wohnung im ersten Stock mit drei Balkonen ( auf einem sitze ich und schreibe gerade)  echt geil. Sie hat nur ein Manko, das Rad musste mit nach Oben, und hinauf führt eine sehr enge und noch steilere Treppe. Giuseppe, mein Vermieter, hilft mir das Rad mühsamst nach oben zu bringen, es wäre alleine nicht möglich gewesen, vielen Dank Giuseppe! Er hat mir auch angeboten, morgen Früh wieder vorbei zu kommen, um das Rad wieder gemeinsam hinunter zu bringen, ein sehr netter Typ :-) Im Vorraum hängt eine blaue Gitarre und blau gerahmte Bilder mit Schallplatten und Texten von Domenic Modugno. Ein berühmter Sohn der Stadt, der Komponist und Sänger des weltbekannten Titels "nel  blu  dipinto di blu" besser bekannt unter "Volare" :-)) Heute ist Grosswaschtag, denn hier am Balkon kann alles gut trocknen. Dann gehe ich was essen, Pizza Napoli mit Kapern und Anchovis, schön salzig, dazu natürlich ein kleines Bier. Dann noch ein Spaziergang durch die historische Altstadt, und wie gesagt, jetzt heroben am Balkon bei der Arbeit ;-) während unter mir das Leben pulsiert. Es ist nach Neun, also Essenszeit der Italiener :-)  .... und wieder einmal folgen die Fotos aufgrund des zu schwachen WLAN irgendwann.....

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.