Von San Vito dei Normanni nach Lecce
Ein guter Tag beginnt mit einem guten Frühstück, so sagt man. Meines war heute gar nicht schlecht, verglichen mit den letzten Tagen sogar richtig gut, obwohl das Rührei extra zu bezahlen war, egal, endlich wieder einmal Eiweiß :-) Mir ist aufgefallen dass ich mich in den Wochen meiner Reise bisher eher sehr einseitig und beinahe vegetarisch ernährt habe. Beim Prall können sie schon mal die Pfannen herrichten, Zwiebelrostbraten, Wiener, Cordon ..... und unbedingt ein grosser Salat mit KERNÖL, darauf freue ich mich ganz ehrlich, das geht mir ab. Der Prall ist by the way der Dorfwirt meines feinschmeckerischen Vertrauens, im schönen Krumegg gelegen. Come in and check it out, meine Empfehlung um gut und trotzdem preiswert zu speisen, ein Dorfwirt eben! Übrigens, am 4.Juli spiele ich beim Prall bei einem Grillfest auf, eine gute Gelegenheit bei guter Musik fein zu speisen ;-)) Sehen wir uns? Würde mich sehr freuen! Aber noch bin ich hier im Süden, nicht mehr weit von meinem Ziel entfernt. Francesca war eine sehr freundliche und umsichtige Gastgeberin, die Junior Suite war vom Feinsten, der Pool ein Traum - nur das Internet war mau. So ist es auch hier in Lecce. ich sitze im Gang vor meinem Zimmer, nur hier war und ist es möglich, die Bilder von gestern hochzuladen und diesen Beitrag hoffentlich absturzfrei zur Ende zu bringen. Losgefahren bin ich heute erst um halb neun, wieder mal war ein ein Missverständnis der Grund. Ich musste ja gestern ausfüllen was ich heute zum Frühstück haben möchte, und habe verstanden, es wird um 7:30 ins Zimmer serviert. So habe ich im Zimmer gewartet, geschnäuzt und gekampelt sozusagen und eigentlich abfahrbereit. Als um viertel vor acht sich noch nichts gerührt hat, ging ich nachschauen. An der Rezeption wurde ich schon erwartet und die Köchin konnte endlich mit der Zubereitung des Rühreis beginnen, während ich im Frühstückszimmer Platz nehmen durfte. Dabei haben wir uns gestern astrein in Englisch unterhalten ;-) Macht nichts, es erwarten mich 78 Kilometer die es zu radeln gilt. Laut Navi ist der Streckenverlauf ohne böse Überraschungen zu erwarten, das Wetter ist auch sehr gut, ich starte bei 24 Grad. Seit gestern fahre ich nun mit UV-dichten "Ärmlingen", die Haut an meinen Unterarmen wirft schon Blasen von der ständigen Bestrahlung, und heute sind wieder 31 Grad zu erwarten - in einer schattenlosen Prärie. Brindisi ist über eine durchschnittlich stark befahrene Straße bald erreicht. In einem Beitrag habe ich gestern erfahren, dass man bei langen Radtouren nicht den Fehler begehen soll, gleich zu Beginn voll durchzustarten, denn das rächt sich - wissenschaftlich belegt - im späteren Verlauf mit Leistungsverlust. Das werde ich mir ab heute auch vornehmen, es ist aber gar nicht so einfach, man muss sich bewusst zurücknehmen wenn man meint, die volle Power wäre in der Morgenfrische am besten investiert. Heute pusche ich also nicht, sondern fahre sehr gemütlich, ich Glückskind habe zusätzlich auch noch Rückenwind :-) So komme ich erstmals unverschwitzt über die ersten 25 Kilometer und halte an einer Tankstelle mit Bar, die idealerweise am Weg liegt. Cappuccino und ein Mini Panini, und Wasser bunkern, dann gehts auch schon weiter. In Brindisi habe ich einige schöne Gebäude gesehen, nur das Fahren durch die Altstadt über sehr unebene Steinplatten, die schön anzusehen sind, aber das Fahrzeug samt Fahrer extrem durchbeutelt ist mühsam und schmerzhaft für meine eh schon angeschlagenen Handgelenke (ja, ja, alte Leute berichten halt gerne von ihren Krankheiten ;-). Bei einer Kirche hielt ich an, ich wollte die gewidmete Kerze zum gestrigen Tag eben heute entzünden. Es gab dort Reliquien in einem Glasschrank zu bestaunen, eine Kerze zu entzünden gab es dort leider nicht. Bald konnte ich dann eine stark befahrene ssXX verlassen und fuhr dann fast den ganzen restlichen Tag auf ruhigen bis hin zu einsamen Straßen. Wobei, was hier alles als Straße bezeichnet wird, ist schon kurios. Frau Navi schickt mich auf eine solche Straße, nennt einen langen Namen und fordert mich auf, dieser "Straße" für zwei Kilometer zu folgen. Jeder Feldweg in Österreich ist in einem besseren Zustand als hier auch noch als Straße bezeichnete Schlagloch Rallye Pisten. Auch hier sind Keramikscherben ein beliebtes Füllmaterial, und man hofft nur ohne Platten durchzukommen. Eine weitere derartige Straße erwartet mich später auch noch, diese wird dann sogar noch zum Single Trail, so verwachsen war sie, dass es mir Arme und Beine zerkratzt hat, eine Straße halt, dafür absolut verkehrsberuhigt ;-) Ruhige Straßen habe ich tatsächlich viele, wieder mit Rückenwind, es macht einfach nur Spaß! Mir fallen in diesen einsamen Gegenden dann immer öfter Oliven Friedhöfe auf, wo ganze Kulturen bereits umgefallen oder gerodet sind, und ganze Plantagen bestehen nur noch aus dürren Gestalten, die einmal kräftige Bäume waren. Was ist da los, Frage ich mich. Rundum ist auch ein riesiges Weinbaugebiet, und schon bevor man den ersten Weinstock zu sehen bekommet, riecht man schon das Gift der Spritzmittel. Vielleicht vertragen die Olivenbäume diese Mittel nicht, denen sie hier zwangsläufig ausgesetzt sind :-( Bei einer Ortschaft befinden sich einige grosse Betriebe mit Reihen von Tanks, Öl oder Wein, ich weiß es nicht und fahre weiter. Ich fahre heute durch mehrere Dörfer bzw. kleinere Städte, in einer ist Markttag, es werden Haushaltswaren und Dinge des täglichen Gebrauchs angeboten. Gut vorstellbar, dass es hier draussen nicht von Grossmärkten wimmelt, wo der bevorzugte Städter sonst auf kurzen Wegen alles bekommen kann. Ich fahre da auch durch viele kleine Seitenstrassen, es riecht nach Küche und nach frischer Wäsche, man hört Vogelgepiepse von den Balkonen und gewohnt lautstarke Unterhaltungen aus den Fenstern und Türen. Diskretion geht hier eher schwer, denke ich mir, aber die Italiener führen ja auch egal ob im Restaurant oder in den Bars lautstark ihre Unterhaltung, die jeder hören kann, obs interessiert oder nicht. Ich vermute wenn Italiener sich dezent unterhalten, dann haben sie wahrscheinlich Halsschmerzen ;-). Nach 78 Kilometer ist Lecce erreicht, ich habe wieder ein sehr schönes Quartier direkt an der Altstadt, mein Rad schläft heute auch wieder bei mir im Zimmer, und ich brauche nichts nach Oben zu schleppen. Nach den üblichen Ankommensroutinen schlendere ich in die Stadt. Gleich in der ersten Bar esse ich eine Lasagne und trinke dazu gleich zwei Bier, aber hier ist ein kleines Bier vom Fass nur ein 0,2. Als ich dann weiter in die Stadt vordringe bin ich ganz überwältigt, wie schön Lecce ist und was es hier alles zu sehen gibt, die schönste historische Stadt meiner gesamten Reise, so finde ich, und wenn nicht der Akku leer geworden wäre, hätte ich noch hundert Motive zu fotografieren gefunden. Aber es passt, ich habe ja noch viel vor, diesen Beitrag zu schreiben beispielsweise..... Schlussendlich ist es mir doch noch gelungen eine Kerze zu entzünden, wenn´s auch nur eine elektrische war. Alles Gute für Dich liebe Erika, dort wo Du jetzt bist!
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